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Wenn er nicht den Kochlöffel schwingt, dann den Golfschläger: Richard Weiß (49), Besitzer und Chef des Restaurants Rittergütl in Irschenhausen, ist in England aufgewachsen. Mit dem Golfsport – das Foto entstand in Schottland – kam er auf der Insel durch seinen Großvater das erste Mal in Berührung.

„Es ist dieser Moment, wenn der Ball fliegt wie im Fernsehen“

Icking - Der Irschenhauser Richard Weiß ist leidenschaftlicher Golfer.  Er würde bei Olympia aber am liebsten nur Amateure sehen.

Mehr als 100 Jahre mussten Spieler und Fans warten. Golf war bisher nur bei den Olympischen Sommerspielen 1900 und 1904 im Programm. In Rio de Janeiro werden die Schläger nun wieder geschwungen. „Leider sind aber nur wenige der Top-20-Stars dabei“, sagt Richard Weiß. Der Irschenhauser, Besitzer und Chef des Restaurants Rittergütl, hat neben dem Kochen nur eine Leidenschaft: das komplexe Spiel mit dem knapp 46 Gramm schweren Ball.

Rory McIlroy, Jordan Spieth, Jason Day und Dustin Johnson, die aktuellen Mega-Golfer, haben für die Olympischen Spiele abgesagt. Offiziell wegen des Zika-Virus. „Doch derzeit laufen in den USA die Schlussrunden der mit sehr hohen Preisgeldern dotierten Turniere“, erläutert Weiß im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Vermutung liege nahe, dass der schnöde Mammon mehr Anziehungskraft hat, als ein paar Gramm Edelmetall und olympischer Ruhm. Zum Vergleich: Eine deutsche Goldmedaille wird mit 20 000 Euro belohnt. Das Preisgeld beim Golfturnier „John Deere Classic“ in Illinois/USA, das am 14. August endet, beträgt 4,8 Millionen Dollar, umgerechnet rund 4,3 Millionen Euro.

Dass die Besten der Besten Brasilien fernbleiben, sei „schade“, urteilt der 49-Jährige, der in England aufwuchs. Aber: „In meinen Augen sollten die Olympischen Spiele grundsätzlich den Amateursportlern vorbehalten sein.“ Profigolfer hätten demnach auf dem kurz geschorenen Rasen in Rio de Janeiro nichts verloren. Weiß betrat das Green vor vielen, vielen Jahren das erste Mal mit seinem Großvater in England. Der Grundstein war gelegt, in seiner Zeit als Koch in einem britischen Golfhotel verbrachte der damals 21-Jährige jede freie Minute auf dem Golfplatz. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Manchmal morgens um sieben, häufig zwischen dem Mittags- und dem Abendgeschäft im Rittergütl, spielt der Familienvater eine Runde auf dem Riedhof in Egling.

Wer’s selbst einmal ausprobieren will, dem empfiehlt Weiß (Golf-Handicap 8) einen Schnupperkurs. „Den bieten viele Clubs kostenlos an.“ Weiter geht’s mit Trainerstunden, dann folgt die Prüfung zur Platzreife. „Legere Kleidung, ein Paar Golfschuhe, eine Grundausstattung mit Schlägern und Bällen: Unterm Strich kostet der Einstieg etwa 800 Euro“, schätzt der Experte. Um die Platzreife zu erlangen, sozusagen die offizielle Erlaubnis, auf vielen Golfplätzen spielen zu dürfen, „braucht man rund zehn Trainerstunden“. Stückpreis zirka 80 Euro.

„Es ist ein Talentsport, ein Einzelsport. Es ist dieser Moment, wenn der Ball fliegt wie bei den Profis, so wie man es im Fernsehen sieht. Es ist das Spiel gegen den Platz, nicht gegen den Gegner“: So beschreibt Weiß die Faszination des weltberühmten Ballsports. Über Vorurteile, die es zuhauf gegenüber Golfern gibt, kann der 49-Jährige nur lächeln. „14 Kilometer bin ich auf einer Runde unterwegs“, sagt er zum Thema körperliche Fitness. Ganz zu schweigen von der mentalen Anstrengung, die Kugel mit den 300 bis 400 kleinen Dellen (den so genannten Dimples) in ein mehrere hundert Meter entferntes Loch zu bugsieren, das nur knapp elf Zentimeter Durchmesser hat.

„Ja“, sagt Weiß, wer im Golfsport vorne mitmischen will, muss „üben, üben, üben“. Ein wenig hilfreich ist es natürlich auch, den Profis bei ihrer Arbeit über die Schultern zu schauen. Wenn nicht live, dann am Fernsehbildschirm: „Ich verfolge – wenn’s zeitlich ausgeht – die großen Turniere in den USA und Europa und natürlich auch die Olympischen Spiele.“ Welcher Golfer holt die Goldmedaille? „Das ist sehr schwer zu sagen“, antwortet Weiß. „Ich drücke Martin Kaymer die Daumen.“ Der 31-jährige Deutsche ist zwar Berufsgolfer und hätte nach dem Weiß’schen Kodex kein Startrecht in Brasilien. „Naja“, schmunzelt der Irschenhauser. „Das ist aber halt so. Ich wünsch’ ihm auf jeden Fall den Sieg.“

Carl-Christian Eick

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