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Hoch über dem Livigno-See: Tom Leitner und Andi Prielmaier auf dem flowigen Trail.

Freeriden

Spaß und Flow auf wunderbaren Trails

Icking - Der Mountainbiker Andi Prielmaier und sein Kumpel Tom Leitner radelten vom Comer See über die Alpen zum Tegernsee. Über den Trip gibt es einen Film, zu sehen im Internet. Der Streifen ist der Renner.

Ein Alpencross bedeutet für den hiesigen Otto-Normal-Mountainbiker: Start irgendwo in Oberbayern, Ziel ein oberitalienischer See. Dazwischen liegen Plackerei, Bäche von Schweiß, aber auch Spaß und Flow auf wunderbaren Trails. Andi Prielmaier hat’s jedoch nicht so mit Massenbewegungen. Warum also nicht mal das Pferd von hinten aufzäumen? Der Ickinger, der mittlerweile in Hausham lebt, sein Kumpel Tom Leitner sowie Kameramann Vincent Breysacher drehten den Spieß kurzerhand um: Das Trio radelte vom Comer See über die Alpen zum Tegernsee, und zwar im fortgeschrittenen Herbst – auch das ist eher ungewöhnlich.

Andi Prielmaier - passionierter Freerider aus Icking.

Ihren Trip hielten die beiden Abenteuer-Sportler unter ihrem Label „die Freireiter“ filmisch fest. Den Streifen haben mittlerweile 244 000 Fans gesehen. „Er ist der erfolgreichste Trans-Alp-Mountainbike-Film“, sagt Prielmaier. Dieser Erfolg hat ihn „ziemlich überrascht“. Er hatte mit ein paar tausend Klicks gerechnet, „aber weit über 200 000, das hat mich fast umgehauen“.

Die späte Startzeit wurde aus der Not heraus geboren. „Das Wetter war im Sommer ziemlich schlecht“, sagt der Ickinger. Da es im Dauerregen nur bedingt Spaß mache, sich über schlammige Trails zu kämpfen, „haben wir uns dazu entschieden, im Herbst zu fahren. Irgendwann musste das Wetter ja besser werden.“ Die Aussicht auf eine stark reduzierte Zahl Gleichgesinnter in einer grandiosen Landschaft lockte ebenfalls. Für den Maschinenbau-Ingenieur ist „die Rechnung aufgegangen“.

Das gilt gleichermaßen für den gewählten umgekehrten Weg. Gegen den Strom zu radeln und etwas Neues auszuprobieren, sei ein weiterer Anreiz gewesen, erklärt der Extremsportler. Spezl Leitner – auch ein hervorragender Ski-Freerider, aktuell wohl Deutschlands bester – ergänzt: „Die Strecke in ungewohnter Richtung zu fahren, ermöglicht neue Einblicke. Speziell wenn man bereits einige Trans Alps auf dem Buckel hat. Zudem haben wir herausgefunden, dass sich viele tolle Trails im Downhill ergeben, wenn man die Strecke von Süden her angeht.“

Die Erwartungen erfüllten sich. Hoch über Livigno, am Monte Crapene, fanden die drei Biker überragende Singletrails „und den wohl schönsten Ausblick auf den Lago di Livigno“, schwärmt Kameramann Breysacher. „Die Trails vom Stilfser Joch in Richtung Glurns waren ebenfalls klasse. Hier dominiert der Ortler mit seinen fast 4000 Metern Höhe.“ Aber auch die Tegernseer Berge seien ein wahres Singletrail-Paradies. „Sie bieten alles von flowigen bis technischen Strecken und eine wunderschöne Landschaft direkt vor unserer Haustür.“ Für Leitner zählt der Vinschgau gar „zu den schönsten Landschaften weltweit“. Und Prielmaier? Der erlebte seinen „magischen Moment“ in Codera, ein nur zu Fuß – oder eben mit dem Mountainbike – erreichbares Bergdörfchen weit oberhalb des Comer Sees. Bei einbrechender Dunkelheit erreichten die Bayern den Dorfplatz – und waren fasziniert: „Dieser Ort strahlt wegen seiner Abgeschiedenheit eine unglaubliche Magie aus. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Ich habe diese Ruhe inhaliert“, sagt der Ickinger.

Noch etwas bewegte den dreifachen Familienvater: „Normalerweise radelt man zum Gardasee oder zum Comer See und schaukelt dann per Bahn heim.“ Sich dieses Mal vom Ungewohnten zum Bekannten zu bewegen, war neu. „Das Gefühl, angekommen zu sein, ist bei der Süd-Nord-Variante stärker.“

Aktuell ist Andi Prielmaier schon wieder unterwegs. Viel möchte er über dieses Projekt, das natürlich wieder mit der Kamera festgehalten wird, nicht sagen. Die Gefahr eines Plagiats ist zu groß. „Aber es hat mit E-Mountainbikes zu tun“, verrät er – auf der Piazza eines Südtiroler Dörfleins stehend – via Handy und verspricht: „Das dürfte jeden Biker interessieren.“

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