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Richter spricht Urteil

Ickinger (19) verprügelt Sanitäter im Vollsuff

Icking – Ein 19-jähriger Ickinger trinkt sich 2,9 Promille an und randaliert auf der Wiesn – dann schlägt er einen Sanitäter. Jetzt ist das Urteil gesprochen worden.

Bereits Anfang August musste sich ein 19-jähriger Schüler wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Jugendgericht verantworten (wir berichteten). Ihm wurde vorgeworfen, am 3. Oktober vorigen Jahres gegen 21.50 Uhr am S-Bahnhof Hackerbrücke einem Sanitäter (34), der gleichzeitig auch für einen Sicherheitsdienst arbeitete, mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Damals vertagte Richter Urs Wäckerlin die Verhandlung, weil das in München wohnende Opfer nicht zur Verhandlung erschienen war: „Ohne seine Aussage kann ich kein Urteil fällen.“ Drei Wochen später nahm neben dem Sanitäter noch ein weiterer Zeuge im Gerichtssaal Platz.

Der Angeklagte aus Icking blieb zunächst im Wesentlichen bei seinen Aussagen. Demnach habe er an jenem Tag vor dem Besuch des Oktoberfests vorgeglüht und danach in einem Zelt etwa vier bis fünf Maß getrunken. Weil er dann bereits auf dem Festgelände mehrmals hinfiel und sich eine blutende Wunde im Gesicht zuzog, wurde der junge Mann schon auf der Theresienwiese von Sanitätern versorgt. „Die ließen mich gehen. Deshalb wollte ich an der Hackerbrücke nicht schon wieder behandelt werden“, erinnerte sich der Schüler.

Weil er die Treppen an der Hackerbrücke heruntertorkelte und gefährlich nah am Gleisbereich vorbeitaumelte, wurden ein Sicherheitsbeauftragter und ein Sanitäter auf ihn aufmerksam. „Ich ging auf ihn zu, sprach ihn an und wollte seine verwundete Nase mit einer kleinen Lampe untersuchen“, erklärte der 41-Jährige vor Gericht. Den darauffolgenden Faustschlag sah der Münchner zu spät kommen. „Ich wich zwar einen Schritt zurück, zog mir aber eine Prellung an der Schläfe zu.“ Er mache den Job seit 15 Jahren und habe deshalb des Öfteren auch mit betrunkenen Diskothekengästen zu tun. Diesmal zeigte seine freundliche Ansprache nicht die erhoffte Wirkung. „Es muss wohl eine unbeabsichtigte Reflexbewegung gewesen sein“, mutmaßte der Angeklagte. Seinem Opfer schrieb er danach einen Entschuldigungsbrief.

Ein Sicherheitsmann bestätigte vor Gericht den vom Sanitäter geschilderten Sachverhalt. Richter Urs Wäckerlin hatte keine Zweifel mehr an der Schuld des unter anderem wegen Betäubungsmittel-Missbrauchs vorbestraften Angeklagten. „Wenn man mit der Faust einem anderen eine von der Seite reinzimmert, ist das keine Reflexhandlung“, urteilte er.

Wegen des erwiesenen Tatbestands der vorsätzlichen Körperverletzung verhängte er 24 Sozialstunden sowie ein einjähriges Alkohol- und Drogenkonsumverbot. Zudem muss der Schüler ein Suchtberatungsgespräch mit der Caritas führen, ehe wahrscheinlich weitere Therapiemaßnahmen folgen. „Einen Promillewert von 2,9 haben wir selten bei Jugendgerichtsverhandlungen. Damit liegen Sie in der Spitzengruppe“, begründete Wäckerlin die Maßnahme. Der Verurteilte gelobte Besserung: „In diesem Jahr gehe ich sicher nicht auf die Wiesn.“

ph

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