Letzte Handgriffe: Ganz fertig sind die neuen Räume der Waldorfschule noch nicht. foto: hl

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens

Geretsried - Die Bauarbeiten an der Freien Waldorfschule in Geretsried sind noch nicht abgeschlossen - dennoch heißt es: Schulstart für 201 Mädchen und Buben.

Eine Schule begeht ihren ersten Schultag: Die umgebaute Freie Waldorfschule Isartal begrüßt heute in ihren neuen Räumlichkeiten in Geretsried am Malvenweg die neuen Erstklässler. Ab dem heutigen Dienstag besuchen laut Geschäftsführer Peter Gebert 201 Mädchen und Buben in den Klassen eins bis elf die Schule. Unterrichtet werden sie von 26 Lehrern.

Das Erstklässlerzimmer ist rosa gestrichen. Auf die Tafel ist heute Morgen mit bunter Kreide eine Märchenszene gemalt. Neben Holztischen und -stühlen liegen auf dem Boden dunkelrote Sitzkissen im Kreis, auf einem Tisch stehen Naturmaterialien. Im Sinne der Waldorfpädagogik werden die Kinder wohl gleich am ersten Schultag etwas basteln. Ganz fertig ist die Schule aber noch nicht. „Es ist noch nicht alles perfekt“, sagt Gebert bei einem Rundgang durchs Schulhaus.

Wie berichtet hat die Schule 2,4 Millionen Euro in den Umbau des ehemaligen Pharma-Unternehmens Mucos investiert. Ein Münchner Mäzen, der nicht genannt werden will, hat das Gebäude gekauft und vermietet es nun an die Freie Waldorfschule. Der Förderer steht auch für Kredite gerade, bis die Schule staatliche Mittel beantragen kann. Dazu muss sie zwei erfolgreiche Abiturjahrgänge nachweisen, was erst 2018 der Fall sein soll.

Dass aus dem einst sterilen Firmengebäude innerhalb kürzester Zeit eine helle, freundliche Schule mit breiten Fluren und runden Wandelementen entstanden ist, ist vor allem dem Engagement der Eltern zu verdanken. Für rund 500 000 Euro erbrachten die Mütter und Väter in monatelanger Freizeitarbeit Eigenleistungen.

Stolz ist Gebert auf die renovierte Mensa, in der rund 60 Personen Platz finden. In einer Edelstahlküche arbeiten Küchenchef Anton Wohlmuth und sein Team täglich frisch mit biologischen und regionalen Produkten.

Zusätzlich zum Garten in Richtung Blumenstraße gibt es zwei weitere Pausenhöfe: Der am ruhigsten gelegene ist für die neuen Abc-Schützen reserviert. Die älteren Schüler können Fußball und Basketball auf ihrem Hof spielen. Über eine eigene Turnhalle verfügt die Waldorfschule noch nicht, sie möchte aber gerne auf einem angrenzenden Grundstück bauen.

Der zweite Stock, in dem unter anderem die Fachräume für Musik, Kunst und Physik untergebracht sind, gleicht teilweise noch einer Baustelle. Da die Waldorfschule nach der so genannten Epochen-Methode arbeite, sei es aber nicht schlimm, wenn zum Beispiel physikalische Experimente erst später im Schuljahr durchgeführt werden, erklärt Gebert. Einsatzbereit sind dafür schon der große Theatersaal und der Werkraum im Untergeschoss.

Das besondere an der Waldorfschule: Es gibt keine Noten oder Sitzenbleiben. Nach der zwölften Klasse können die Schüler entscheiden, ob sie die Mittlere Reife oder das Abitur ablegen möchten. Der Schulbeitrag richtet sich unter anderem nach dem Einkommen der Eltern.

Tanja Lühr

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