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Totales Chaos: In der Ambacher Wiedemann-Klinik lagen die Krankenakten ehemaliger Patienten offen herum – ein Verstoß gegen den Datenschutz. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt die Ermittlungen eingestellt. 

Ehemalige Wiedemann-Klinik

Juristischer Schlusspunkt

Münsing - Dass in und um die ehemalige Wiedemann-Klinik in Ambach alte Patientenakten herumlagen, bleibt ohne Folgen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Verstoßes gegen den Datenschutz eingestellt. 

Der Datenschutzskandal im ehemaligen Wiedemann-Sanatorium in Ambach bleibt ohne Folgen. „Es wird nicht weiter ermittelt“, sagt Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich auf Nachfrage. Der Fall ist damit erledigt. Wie berichtet lagen in dem baufälligen Gebäude jahrelang die Krankenakten ehemaliger Patienten frei zugänglich herum. Röntgenbilder, Rezepte und Befunde flogen in den verlassenen Räumen umher, manche landeten draußen auf der Straße. Eigentlich müssen sie streng geschützt aufbewahrt und nach einem gewissen Zeitraum vernichtet werden.

Die Patientenakte von Klausjürgen Wussow lag offen herum

Unserer Zeitung waren Fotos aus dem Inneren des Gebäudes zugespielt worden, die zum Beispiel die Akte des verstorbenen Schauspielers Klausjürgen Wussow zeigen, der in der ZDF-Sendung „Die Schwarzwaldklinik“ ein Millionenpublikum unterhalten hatte. Der zwischenzeitliche Gebäudeeigentümer, das italienische Unternehmen Sanacare, entfernte die Unterlagen offenbar nicht vorschriftsgemäß. Die Verantwortlichen verschwanden ohne aufzuräumen, nachdem ihre Firma im Jahr 2005 pleite gegangen war.

Bayerns oberster Datenschützer nahm sich der Sache an

Nach dem Bericht in unserer Zeitung Ende Juni schalteten sich Datenschützer und Staatsanwaltschaft ein. Bayerns Datenschutzbeauftragter Dr. Thomas Petri gab den Fall an das Landesamt für Datenschutz in Ansbach weitergegeben. In einem Ortstermin habe man sich „ein Bild von der Lage vor Ort gemacht“, erklärt Referatsleiterin Elisabeth Kraml auf Nachfrage. Zwischenzeitlich gehört das Areal dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA). Mit den Verantwortlichen habe man darüber gesprochen, dass die Unterlagen datenschutzkonform vernichtet werden. Außerdem sicherte KWA das Grundstück mit einem Sicherheitsdienst. Das Hauptaugenmerk bei der Aufarbeitung hat laut Kraml von der Datenschutzbehörde darauf gelegen, „im Wege der Gefahrenabwehr den Zustand zu beseitigen, dass Unbefugte relativ leicht Kenntnis von sensiblen Informationen nehmen konnten“. Mit der erfolgten Vernichtung der Akten sei diese Gefahr nun gebannt. Für die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls sei die Aufgabe der Staatsanwaltschaft zuständig. Laut Sprecher Heidenreich ist das Verfahren eingestellt worden.

Das italienische Unternehmen Sanacare übernahm die Klinik - und ging pleite

Die Geschichte der Privatklinik von Dr. Fritz Wiedemann begann im Jahr 1956. Er behandelte mit Vitaminen, Homöopathie, Akupunktur und Ozontherapie und lockte viele Prominente an den Starnberg See. Patienten waren unter anderem der frühere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky, Modedesigner Rudolph Moshammer und die Schauspieler Heinz Rühmann, Harald Juhnke, Inge Meysel und Heidi Kabel. 2004 übernahm das italienische Unternehmen Sanacare. Ein Jahr später war das Unternehmen pleite und verschwand. Jugendliche suchten darin immer wieder Unterschlupf und feierten Partys. Im April kaufte dann KWA Grundstück und Immobilien. Die Gebäude sollen abgerissen und ein Seniorenwohnstift gebaut werden.

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