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Schauspieler Wowo Habdank berichtete im Werkstattbericht über den aktuellen Stand zur dritten Münsinger Chronik.

Schauspieler Wowo Habdank berichtet

Steuern sparen: So tricksten die Bauern im Mittelalter

Münsing - Der dritte Teil der Münsinger Chronik befasst sich mit den alten Anwesen Münsings. Bei einem historischen Abend gab es interessante Einblicke ins Mittelalter - und Tricks zum Steuernsparen.

Die Lanzingers, einst Herren des Grondler-Hofs, die Grafs und die Ranks lebten bereits im 13. und 14. Jahrhundert in Münsing. Auf die alten, noch heute verbreiteten Namen stießen der Perchaer Kunsthistoriker Dr. Benno Gantner und seine Mitarbeiterin, die Studentin Barbara Heiß, bei ihren Recherchen über das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit in der Gemeinde. Die beiden gaben in einem „Werkstattbericht“ erste Ergebnisse ihrer Arbeit am dritten Band der Münsinger Chronik bekannt.

Zu dem historischen Abend, an dem der Holzhauser Schauspieler Wowo Habdank zudem über den Alltag der Bevölkerung im 20. Jahrhundert erzählte, begrüßten Bürgermeister Michael Grasl und der Initiator des Chronik-Projekts, der Historiker Johannes Bernwieser, am Freitag zahlreiche interessierte Bürger. Der Saal des Pfarrheims bot gerade genug Platz.

64 Höfe gab es in Münsing bis zum Mittelalter. Zunächst waren es weniger, aber durch Teilung der Meier (ganze Höfe) in Huben (halbe Höfe), Lehner (viertel) und Söldner (achtel) bis hin zu Sechzehntel-Höfen wurden es vor allem im 16. Jahrhundert immer mehr. Barbara Heiß hat in den Archiven alte Steuerakten durchforstet. Dabei gewann sie unter anderem die Erkenntnis, dass damals wie heute getrickst wurde: „Vermögen wurde verheimlicht, um Abgaben zu sparen.“ Bei den Abgaben, die vor allem an die Klöster Benediktbeuern und Beuerberg zu entrichten waren, handelte es sich hauptsächlich um Naturalien. Anhand von Briefprotokollen dokumentiert die Studentin gerade, wer wen geheiratet hat und wann Hofübergaben stattfanden. Nicht bestätigt hat sich ihr zufolge die Annahme, dass Münsing einmal ein zentraler Marktort für die Region gewesen sein könnte. Dankbar ist Heiß für kleine Hinweise in den Aufzeichnungen – wie die Beschreibung eines mit Schindeln gedeckten Hauses oder eines Gartens mit 23 Obstbäumen. Sie lassen erahnen, wie das Dorf ausgesehen hat. Alle Erkenntnisse werden in den dritten Chronik-Band mit dem Arbeitstitel „Häuserbuch“ fließen.

Aus dem bereits veröffentlichten zweiten Band „Die Ortschaft Münsing von 1900 bis 2000 in Bildern, Geschichten und Erinnerungen“ las Schauspieler Wowo Habdank (zu sehen in der Serie „München 7“), begleitet von Monika Schmidt aus Achmühle an der Harfe. Habdank erzählte von der Gründung der ersten Vereine wie des Musikvereins Münsing-Ammerland im Jahr 1902, vom Entstehen der beiden Wirtschaften Alt- und Neuwirt, von den beiden Weltkriegen und der Ankunft der Heimatvertriebenen. 30 von 106 Kriegsteilnehmern fielen im Ersten Weltkrieg. Auf vielen Höfen gab es keine Erben. Besonders schlimm betroffen war der Stauderhof in Staudach/Ammerland. Drei Sebald-Brüder kehrten nicht heim von der Front. Der Zweite Weltkrieg forderte 81 Opfer aus Münsing und Ammerland, der damaligen Gemeinde, bis im Zuge der Gebietsreform 1978 Degerndorf und Holzhausen mit St.Heinrich hinzukamen.

1950 erlebte Münsing eine wahre Bevölkerungsexplosion durch die Heimatvertriebenen. Sie wurden auf den Bauernhöfen einquartiert. Die Anzahl der Bürger stieg von 1800 Personen auf rund 3500 Personen. Berichte von Zeitzeugen sowie viele schöne Schwarz-Weiß-Fotos machen den zweiten Band der Chronik lebendig. Otto May zum Beispiel war um 1920 einer von nur 40 Angehörigen des protestantischen Glaubens in der Gemeinde. Aus Protest gegen eine evangelische Hochzeit habe der katholische Pfarrer einmal das Glockenläuten am Mittag ausgesetzt, ist von May überliefert. Exemplare des ersten und des zweiten Chronik-Bands sind noch beim Ambacher Verlag erhältlich.

von Tanja Lühr

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