Erste Autofahrt der Tochter

Polizisten beleidigt: 3000 Euro Strafe

Icking/Wolfratshausen - Eine beleidigende Geste gegenüber zwei Polizisten, ein 20-Euro-Schein und ein paar Schimpfworte: Für einen Moment verliert eine 47-Jährige die Nerven – und landet vor dem Amtsgericht Wolfratshausen.

Es ist ein warmer Sonntagnachmittag im Juni. Eine 47-jährige Frau aus Icking (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) begleitet ihre Tochter (17), die seit vier Tagen ihren Führerschein hat, auf der ersten Autofahrt nach München. Alles geht gut, bis das Mädchen zuhause beim Rangieren in die Hofeinfahrt etwas länger braucht. Plötzlich hupt der Smart-Fahrer auf der schmalen Straße hinter ihnen. Die Mutter verliert die Nerven: Sie steigt aus, zeigt dem Hupenden eine abfällige Geste und schimpft lautstark. Was sie nicht weiß: In dem Smart sitzen zwei Münchner Polizisten, die privat in Icking unterwegs sind. Und die sehen über die beleidigende „Scheibenwischer“-Geste nicht hinweg.

Gestern musste sich die 47-Jährige deshalb vor dem Amtsrichter verantworten, weil sie den Strafbefehl – vier Monate und zwei Wochen Haft auf Bewährung – nicht akzeptiert. „Wir waren alle sehr angespannt. Das Hupen war das Tüpfelchen auf dem i“, schildert die Angeklagte im Gerichtssaal. Ja, sie habe die Geste vor ihrem Gesicht gemacht. Und ja, sie sei anschließend im Gespräch mit den Beamten aufgeregt und gereizt gewesen. „Ich habe erst nicht geglaubt, dass das Polizisten sind. Ich dachte, ich werde veräppelt.“

Der Smart-Fahrer, ein großgewachsener, muskulöser Mann, habe ihr schon beim Aussteigen gedroht. „So Madame, jetzt sind Sie fällig“, soll er laut der 47-Jährigen gesagt haben. Anschließend habe er einen Ausweis vorgezeigt. „Das alles hat nicht zusammengepasst“, sagt die Ickingerin. „Und den Ausweis konnte ich ohne meine Brille nicht lesen.“

Von einer Drohung will der 27-jährige Polizeiobermeister bei seiner Vernehmung allerdings nichts wissen. Er und seine Begleitung, eine 30-jährige Polizeihauptmeisterin, hätten sich ordnungsgemäß vorgestellt. Zuvor habe er „einmal lang gehupt“, um zwei Radfahrer auf die Gefahrenstelle aufmerksam zu machen. Die Angeklagte habe anschließend bei der Kontrolle nur widerwillig ihre Papiere vorgezeigt. „Stattdessen sagte sie immer wieder, wie lächerlich das alles sei.“

Im Verlauf des Streitgesprächs mit den Zivilbeamten war die zweite Tochter (15) der Ickingerin hinzugekommen. Sie empfahl ihrer Mutter, die Strafe sofort zu begleichen. Gesagt, getan – die Ickingerin streckte den Beamten einen 20-Euro-Schein entgegen. „Machen Sie sich damit doch einen schönen Abend“, sagte sie kurz darauf. Die Beamten werteten das sogar als Bestechung.Richter Helmut Berger verurteilt die Angeklagte wegen Beleidigung und Vorteilsgewährung zu 75 Tagessätzen à 40 Euro. Das entspricht 3000 Euro. „Als Bestechung kann man die 20 Euro nicht werten“, hatte zuvor bereits die Staatsanwältin festgestellt. „Die ganze Situation war so unnötig wie ein Kropf“, sagt Richter Berger bei der Urteilsverkündung. „Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen.“

Der nicht vorbestraften Ickingerin empfiehlt er, künftig besonnener zu reagieren. Sie habe eine Vorbildfunktion, und der Scheibenwischer sei eine Beleidigung. „Ganz egal, gegen wen.“ Ihre Tochter darf die 47-Jährige im Rahmen des B17-Führerscheins übrigens weiter begleiten. Der Polizist hatte auch die Führerscheinbehörde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. „Wenn sie so ausflippt, halte ich sie als Begleiterin ungeeignet“, erklärte der Beamte. Die Behörde sah aber keinen Anlass, zu handeln.

von Sebastian Dorn

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Sebastian Dorn

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