„Es riecht wie im Schwimmbad“

Seit vier Monaten Bakterien im Trinkwasser

Wolfratshausen - In Königsdorf haben die Einwohner seit vier Monaten den Geruch von Chlor in der Nase. Die Gemeinde kämpft gegen Bakterien im Trinkwasser: Eine Belastung für alle Bürger.

Wenn der Geruch von Trinkwasser daheim an einen Besuch im Schwimmbad erinnert, kann etwas nicht stimmen. Das ist seit gut vier Monaten in Königsdorf der Fall: Das gesamte Leitungsnetz wird mit Chlor behandelt, weil immer wieder gesundheitsschädliche Bakterien festgestellt wurden.

Die Jugendsiedlung Hochland mit rund 8000 Übernachtungsgästen pro Jahr stellt das Trinkwasserproblem vor besondere Herausforderungen. Wie von der Gemeinde vorgegeben, kocht die Königsdorfer Jugendsiedlung das Wasser ab, bevor es serviert wird. Für die derzeit gut 200 Übernachtungsgäste müssen laut Leiter Josef Birzele etwa 180 Liter Trinkwasser pro Tag erhitzt und anschließend wieder abgekühlt werden. „Wir servieren das Wasser bei den Mahlzeiten und verwenden es für die Essenszubereitung“, sagt Birzele. „Den Kauf von Mineralwasser können wir uns nicht leisten.“

Weil an alle Gruppenbetreuer ein Informationsschreiben der Gemeinde zur aktuellen Situation weitergereicht wird, hätten die meisten Gäste Verständnis. „Der Geschmack ist verwunderlich, aber erträglich.“ Laut Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel erfüllt das Trinkwasser trotz des Chlors alle Qualitätsvorgaben der Trinkwasserverordnung. Bis zum nächsten großen Gästeansturm in den Pfingstferien hofft Birzele, dass die Probleme gelöst sind. Dann tummeln sich pro Tag gut 500 Kinder im Zeltlager und den Blockhäusern des Feriencamps. Birzele: „Die dann nötigen Trinkwassermengen könnten wir abgekocht wohl nicht bereitstellen.“

Damit wieder sauberes Wasser in den Leitungen sprudelt, hat die Gemeinde Königsdorf eine speziell angefertigte UV-Anlage im Wert von etwa 25 000 Euro bestellt. Sie soll im Mai eingebaut werden und zerstört die Erbinformation aller Enterokokken, die am Brunnen in das Leitungsnetz gelangen. Dadurch sind die Mikroorganismen faktisch tot - und ungefährlich. Alle Mineralstoffe bleiben laut Demmel dagegen erhalten. „Ob die UV-Anlage die perfekte Lösung ist, ist eine Glaubensfrage“, räumt der Rathauschef ein. Er habe zuerst versucht, den Brunnen „auf natürliche Art sauber zu bekommen“.

Den Bürgern stinkt das Chlorwasser gewaltig. Eine davon ist Anja Schikora (43). Die Mutter von drei Kindern kocht seit Wochen das Wasser ab. „Es ist ziemlich umständlich“, klagt sie. Egal ob zum Salatwaschen oder für die Kaffeemaschine, der Wasserkocher steht immer bereit. „Das ist eine Einbuße von Lebensqualität“, schimpft Schikora weiter. Statt Trinkwasser aus der Leitung gibt es bei Schikoras jetzt Wasser aus dem Supermarkt. Das bekommen sogar die drei Hasen der Familie. Geduscht wird mit Chlorwasser. „Es riecht wie im Schwimmbad.“ Ab Mai wird hoffentlich alles besser. „Es ist nicht mehr zu ertragen.“

In Briefen an den Bürgermeister fordern die Einwohner, den Wasserpreis als Entschädigung zu senken. Das steht laut Demmel aber nicht zur Debatte. Im Gegenteil: es soll sogar teurer werden, weil die Wasserversorgung derzeit „deutlich defizitär“ sei. Mit momentan 60 Cent netto pro Kubikmeter Wasser ist das Königsdorfer Wasser unterm Strich sehr günstig. In Nachbargemeinden kostet das kühle Nass bis zu 1,74 Euro, in München sind für 1000 Liter der Stadtwerke sogar 1,48 Euro netto fällig.

VON SEBASTIAN DORN

UND MATTHIAS STREHLER

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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