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Links ein Zugang, rechts ein Zugang: Über den einen wird Lukas von Stülpnagel Blut entnommen, über den anderen wird es wieder zurückgeführt.

„Ich war einfach nur fertig“

Stammzellen für einen Todkranken gespendet

Wolfratshausen – Lukas von Stülpnagel hat sich bei der Typisierungsaktion für die an Leukämie erkrankte Sabine Müller aus Ascholding registrieren lassen. Acht Monate später bekam der 24-Jährige Post: Er ist idealer Stammzellenspender für einen anderen Todkranken. Stülpnagel will ihm helfen.

 „Vier Tage vor der Entnahme musste ich anfangen, mir täglich zwei Spritzen zu setzen“, berichtet der Wolfratshauser. Der darin enthaltene Wirkstoff soll dem Körper eine Art Blutvergiftung vorgaukeln, auf die er dann mit einer erhöhten Stammzellenproduktion reagiert. Das verläuft nicht ganz schmerzfrei: „Die Stammzellen werden im Knochenmark gebildet – doch viele Stammzellen brauchen auch viel Platz.“ Die Folge: Glieder- und Gelenkschmerzen, ähnlich wie bei einer starken Grippe. Auch der Wolfratshauser blieb davon nicht verschont. „Ich merke es hauptsächlich im Kreuz, es fühlt sich an wie ein Klopfen, das immer wieder schubweise auftritt.“ Die Schmerzen wurden, je näher der Entnahmetermin heranrückte, immer stärker. „Zum Glück bekommt man Tabletten mit, um das Ganze erträglicher zu machen.“

Fünf Stunden wurde ihm Blut entnommen 

Dann war es soweit: Lukas von Stülpnagel meldete sich um acht Uhr in der Klinik, ein letzter Gesundheitscheck wurde durchgeführt. Dem Wolfratshauser wurden zwei Zugänge in die Armvenen gelegt. Einer diente der Blutentnahme, der andere sollte das Blut, aus dem die Stammzellen sofort herausgewaschen werden, wieder zurückführen. Nach zwei Stunden wurde die herausgefilterte Menge untersucht. Dieser Wert wiederum bestimmte die Dauer der Entnahme. „Schließlich braucht man für den Empfänger eine bestimmte Mindestmenge.“ Fünf Stunden blieb Stülpnagel an der Maschine – das Maximum. Der 24-Jährige vertrieb sich die Zeit mit DVDs und Gesprächen mit den Bettnachbarn. Außer ihm waren noch ein paar Trombozyten- und ein weiterer Stammzellenspender im Zimmer.

Ohne Spende wäre der Unbekannte gestorben

„Natürlich kommt man zwischendurch ins Nachdenken – schließlich lädt man sich da für einen Fremden eine ganze Menge auf.“ Manchmal hätte sich der Wolfratshauser gewünscht, den Empfänger kennen gelernt oder auf einem Foto gesehen zu haben. „So fehlt mir einfach ein Bild, um alles greifbarer zu machen.“ Dennoch, der Gedanke, dass der andere ohne die geleistete Spende stirbt, half dabei, sich bei einem Durchhänger wieder aufzubauen. Genauso wichtig war der Zuspruch von Freunden und Familie. „Die standen alle hinter mir.“

Jetzt geht es dem Wolfratshauser wieder gut

Nach der Entnahme und weiteren Gesundheitsuntersuchungen durfte Stülpnagel endlich nach Hause. „Ich bin gleich ins Bett, ich war einfach nur fertig.“ Zwei Tage später ging es ihm wieder gut, die Schmerzen sind zurückgegangen. Im Nachhinein würde sich der 24-Jährige wieder für eine Stammzellenspende entscheiden. Ob die Transplantation erfolgreich war, wird der Wolfratshauser in etwa einem halben Jahr erfahren. „Ich hoffe, dass ich helfen konnte.“

Von Sabine Hermsdorf

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