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Zu wenig Spielgeräte: Grünen-Fraktionssprecherin Anette Heinloth (li.), Landschaftsgärtnerin und Mutter Carolin Mayr sowie Landschaftsgärtner Dieter Scheller tauschen sich über den Spielplatz hinter der Mehrzweckhalle aus.

Rostige Rutsche, altes Kletternetz

Im Check: Wie gut sind die Wolfratshauser Spielplätze?

Wolfratshausen – Der Kies unter der Schaukel ist abgetragen, der Sandkasten schaut wenig ansehnlich aus, die Rutsche ist rostig. Der Anblick des Spielplatzes hinter der Mehrzweckhalle in Farchet lässt kaum ein Kinderherz höher hüpfen.

Bei einer Radrundfahrt der Grünen zu vier Wolfratshauser Spielplätzen wurde eines klar: Es gibt viel Nachholbedarf.

Mehrzweckhalle

Anette Heinloths Tochter Ella hat genug. Nur wenige Minuten weiß sie sich auf dem Spielplatz an der Mehrzweckhalle zu beschäftigen. Dann wird der Sechsjährigen langweilig. „Es ist nicht viel geboten hier“, findet die Mutter, Grünen-Fraktionssprecherin im Stadtrat. Eine hohe Rutsche, eine Schaukel, ein in die Jahre gekommenes Kletternetz, ein Sandkasten und kleine Einzelwippen gibt es auf dem Platz am Loisach-Isar-Kanal. Zusammen mit Landschaftsgärtner Dieter Scheller und Carolin Mayr, einer jungen Wolfratshauser Mutter, die ein Konzept für einen Abenteuerspielplatz an der Mehrzweckhalle erstellt hat, prüfte Heinloth drei weitere Spielplätze im Stadtgebiet auf Herz und Nieren. Ziel des Ausflugs: ein Überblick über das, was für die Jüngsten geboten ist und wo es Nachbesserungsbedarf gibt.

Margeritenstraße

Der Spielplatz liegt idyllisch. Einige Bäume sorgen für Schatten, von der Geräuschkulisse der Wohnsiedlung oder der Kräuterstraße, die nur wenige Meter entfernt liegen, bekommt man hier nur wenig mit. Das Angebot an Spielgeräten ist etwas größer: Einige Klettergerüste, mehrere Schaukeln, eine Rutsche, Sandkasten, eine Tischtennisplatte (jedoch ohne Netz), Einzelwippen – das Standardangebot. Doch der Spielplatz entspricht nicht den Vorstellungen von Carolin Mayr. „Ich glaube nicht, dass das so noch zeitgemäß ist.“ Eine Tischtennisplatte ohne Netz verspreche nur wenig Spielspaß, das Klettergerüst wirke nicht unbedingt sicher. Unter den Spielgeräten ist eine Kiesschicht. „Ich bin unsicher, ob man das heute noch so anlegen dürfte“, zweifelt auch Landschaftsgärtner Scheller. Vorschrift sei nach seinem Wissen eine 20 Zentimeter dicke Schicht Rindenmulch, die mögliche Stürze abfangen soll. Grünen-Sprecherin Heinloth beobachtet skeptisch, wie Tochter Ella kurz an einem Klettergerüst turnt, dann vergeht der Sechsjährigen die Lust. Der Spielplatz hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verändert: „Auf den Geräten haben schon meine Kinder gespielt“, berichtet eine Frau, die ihren Enkelkindern beim Herumtollen zusieht. „Das ist aber 35 Jahre her. Seitdem hat sich hier nichts getan.“

Badstraße

Deutlich jünger ist der Spielplatz an der Badstraße. Zwischen Campingplatz und Kindergarten lädt ein großes Klettergerüst mit mehreren Stationen zum Spielen ein. Ella Heinloth turnt mit zwei kleinen Mädchen auf der Anlage herum. „Früher gab es hier ein noch größeres Gerüst“, weiß Landschaftsgärtner Scheller. Außerdem gibt es Schaukeln und Wippen. Der Spielplatz liegt im Schatten einiger Bäume – unter anderem Haselnüsse wachsen dort. Das gefällt Carolin Mayr besonders: „Dann können die Kinder hier im Herbst auch etwas sammeln.“ Eine solche Möglichkeit habe sie auf den anderen Spielplätzen vermisst. Dennoch gibt es Verbesserungsbedarf: „Ich verstehe nicht, wieso man die Bänke so weit auseinander stellt“, klagt die gelernte Landschaftsgärtnerin, die ihr zweites Kind erwartet. „Als würde man vermeiden wollen, dass die Eltern miteinander in Kontakt kommen.“ Dabei sei gerade der soziale Aspekt für viele Eltern ein Grund, mit ihren Kindern einen Spielplatz zu besuchen. „Wir wollen nicht, dass die Kinder in Wolfratshausen einsam hinter Gartenzäunen groß werden“, äußert auch Heinloth Unverständnis über die Verteilung der Bänke. Man müsse auch für die Eltern Anreize schaffen, mit ihren Kindern auf Spielplätze zu gehen.

Gartenstraße

Der mit Abstand am besten ausgerüstete Spielplatz, den die Teilnehmer der Aktion besuchen, ist der an der Gartenstraße. Inmitten eines großen Wohngebietes, in dem viele junge Familien leben, wartet ein abwechslungsreiches Angebot. Um einen Schlittenhügel herum stehen Rutschen, Wippen, Schaukeln, ein Spielhaus, ein gepflegter Sandkasten und andere Spielmöglichkeiten. Besonders der Hügel gefällt den Besuchern. „Der ist im Winter und im Sommer eine tolle Sache“, findet Heinloth. Auch Tochter Ella findet Gefallen an diesem Spielplatz.

Fazit

Zehn öffentliche Spielplätze gibt es in der Loisachstadt, ein elfter soll auf einer Wiese an der Bürgermeister-Schwaiger-Straße entstehen. „Das ist für eine Stadt von der Größe Wolfratshausens in Ordnung“, findet Stadträtin Heinloth. Auch die Verteilung gefällt der Fraktionssprecherin. „Nur im Bereich der Innenstadt gibt es keinen Spielplatz.“ Dort hätten die Kinder ihr eigenes Angebot geschaffen. „Der japanische Garten wird immer öfter als Spielplatz zweckentfremdet.“ Rund 20 000 bis 30 000 Euro stünden jährlich für die Instandhaltung im städtischen Haushalt. „Damit kann man natürlich keine großen Sprünge machen“, weiß Landschaftgärtner Scheller. Neue, moderne Spielgeräte seien dafür zu teuer.

Ziele

Die Grünen um Anette Heinloth haben ein optimistisches Ziel: „Ich möchte, dass Wolfratshausen bis 2025 eine bespielbare Stadt wird.“ Derzeit sei die Kommune, was das Angebot an Spielmöglichkeiten betrifft, wenig kinderfreundlich. Positiv stimmt die Wolfratshauserin, dass bei der Planung des neuen Platzes erstmals die Anwohner befragt wurden. Carolin Mayr entwickelte außerdem mit einigen anderen Familien ein Konzept für den Spielplatz an der Mehrzweckhalle. Die 31-Jährige wünscht sich ein Multifunktionsspielgerät mit Klettermöglichkeiten, Rutschen und weiteren Geräten, ein Trampolin, einen Sandbagger sowie eine Wasserspielanlage. „Wir hätten gerne einen Themenspielplatz mit Piratenmotto“, sagt die Mutter einer einjährigen Tochter. Rund 35 000 Euro würde der kosten – hinzu kommen das Abtragen des alten Spielplatzes und die Montage der neuen Geräte. Sponsoren könnten die Elternwünsche finanzieren.

von Dominik Stallein

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