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Großbaustelle: Bis Ende des Jahres sollen die Umbauarbeiten an der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofstraße beendet sein.

Ehemalige Landwirtschaftsschule

Groß-Projekt auf der Zielgeraden

Wolfratshausen - Es ist eines der größten Bauprojekte der vergangenen Jahre: der 2,6 Millionen teure Umbau der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Spätestens zum Jahreswechsel sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Ein Rundgang mit Bauamtsmitarbeiter Thomas Wenig.

Bis Jahresende 2014 stand das Gebäude an der Bahnhofstraße 12 ganz im Zeichen der Landwirtschaft. In dem 1908 fertiggestellten Haus waren das Landwirtschafts- und Forstamt der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach sowie die dazugehörige Schule und eine Ernährungsberatungsstelle untergebracht. Die Einrichtung schloss zum Jahreswechsel. Zu diesem Zeitpunkt gehörte der Stadt bereits der westliche Teil des Gebäudekarrees. Die zweite Hälfte kaufte die Kommune dem Landkreis ab – Kostenpunkt: 1,25 Millionen Euro. Das historische Bauwerk wird künftig für verschiedene Zwecke genutzt.

Seit September 2015 ist in einem Gebäudeteil wieder eine Schule untergebracht. Im Nord-Ost-Flügel an der Bahnhofstraße ist die Fachschule für Heilerziehungspflege (hep) beheimatet. Träger der Einrichtung ist der Verbund Beruflicher Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz). Große Umbauten waren nicht notwendig: Der Gebäudeteil wurde zum größten Teil in den 1980er-Jahre errichtet, außerdem wurde er bereits zuvor für Lehrzwecke genutzt.

Im hinteren Gebäudetrakt – entlang der Ludwig-Thoma-Straße – war bis zu den Sommerferien das Kinderland Weyarn mit einer Gruppe untergebracht. Die Einrichtung zog interimsweise an die Königsdorfer Straße. Seit Beginn des Kindergartenjahres belegt ein Hort des Kinder- und Jugendfördervereins die Räume. Im ersten Stock sowie im ehemaligen Ost-Flügel ist die „unisono“-Wohngruppe mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen untergebracht. Im Westflügel entstehen ein Büro im Erdgeschoss sowie vier Wohnungen im Obergeschoss. Ins Hauptgebäude des Altbaus soll das Stadtarchiv ziehen (siehe Text unten). Im Keller gibt es einen Vereinsraum, den der TSV Wolfratshausen nutzt.

Der Zeitplan für den Umbau ist sportlich. „Wir wollen am Jahresende fertig sein“, sagt Wenig. Dann soll das Archiv vom Loisachufer an die Bahnhofstraße umziehen. Da der Komplex verschiedene Einrichtungen beherbergen wird, mussten die Verbindungsbauten zwischen Hauptgebäude und der neuen hep-Schule fallen. An dieser Stelle soll ein Aufzugturm für das Archiv entstehen. „Das liegt einmal daran, dass schwere Archivgüter besser transportiert werden können“, erläutert der Bauleiter. „Zum anderen soll das Archiv barrierefrei zugänglich sein.“ Das „Gedächtnis der Stadt“ (Bürgermeister Klaus Heilinglechner) soll zwei Stockwerke belegen. Hinzu kommen Lagermöglichkeiten im Dachgeschoss.

Der Altbau ist eine Großbaustelle. „Wir bauen das Gebäude fast komplett um“, berichtet Wenig. Nahezu die komplette Haustechnik, Elektronik und Lüftungen werden überholt. Einen Grundsatz verfolgen die Planer bei ihrer Umgestaltung jedoch. „Es ist uns sehr wichtig, den Grundcharakter des Gebäudes zu erhalten.“ Die Optik des Bauwerks ist eigenwillig: Das steile Dach und die Lüftlmalerei an der Front sind ortsbildprägend. Die Malerei wurde zwar entfernt, „aber die Front erhält den Charakter“, sagt Wenig. Die Mauer wird um die Fenster klassisch in Altweiß mit Grau abgesetztem Sockel und Putz-Faschen gehalten. Auch im Inneren soll einiges an den historischen Bau erinnern. „Wir wollen viele der alten Türen behalten, die Bodenbeläge werden ähnlich, und auch die alten Vitrinen der Landwirtschaftsschule werden wir weiter verwenden“, erläutert Wenig. Auch ein Gedenkstein im Eingangsbereich bleibt, wo er ist. Die historische Optik, so Wenig, würde „gut ins Bild eines Stadtarchivs passen“.

Einige Veränderungen wird es dennoch geben. Zum Beispiel muss der Brandschutz ertüchtigt werden. Im Erdgeschoss entsteht ein großer Vortragsraum. „Über 70 Menschen werden hier Platz finden“, sagt Wenig. Der Saal soll nicht nur für das Archiv zur Verfügung stehen. Auch städtische Veranstaltungen könnten hier stattfinden, außerdem soll ein Leseraum eingerichtet werden, in dem Besucher die Ausstellungsstücke genauer studieren können. Außerdem sind zwei Büros für städtische Mitarbeiter vorgesehen. „Im Erdgeschoss wird der Publikumsverkehr stattfinden“, erläutert der Bauleiter. Deshalb sollen hier sowohl Besucherräume als auch Ansprechpartner untergebracht werden.

Auch an der Decke müssen Arbeiten vorgenommen werden. Der Grund: Im Obergeschoss entstehen Lagerräume, drei kleine und ein großer Magazinraum. „Wir müssen wegen der Lagerung an der Statik nachbessern“, erklärt Wenig. Daher werden schwere Eisenträger angebracht.

Die bisherige Traglast des Gebäudes würde für die schweren Archiv-Stücke nicht ausreichen. Rund 1000 Kilogramm pro Quadratmeter muss der Boden aushalten. „Das ist viel mehr als bei einem normalen Haus“, sagt Wenig. Im Schnitt tragen Wohnhäuser etwa 400 Kilogramm pro Quadratmeter.

Im Obergeschoss muss zudem eine Kühlung eingebaut werden. „Die Magazine, die hier eingelagert werden, sind sensibel“, erläutert Wenig. Die Lagerräume dürfen Temperaturen von 18 Grad nicht überschreiten. Der Raum für Fotos muss sogar noch kühler sein, zwischen acht und zwölf Grad. Das Dachgeschoss wird vorerst nicht genutzt. Die Fläche, früher waren hier Wohnungen, soll für Archiv-Material freigehalten werden. Verbesserungen an der Statik und einige Sanierungen sind aber auch hier notwendig.

Das Ziel, bis Ende des Jahres fertig zu werden, ist nicht unrealistisch. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt Wenig. Auch der Kostenrahmen wird vermutlich ausreichen: „Bislang sieht es gut aus.“ 2019 soll auf dem Grundstück noch eine Kindertagesstätte entstehen. Am Steghiaslweg 10, wo einst ein inzwischen abgerissenes, Verwaltungsgebäude des Forstamtes stand, ist ein Neubau geplant. Hier sollen sechs Kita-Gruppen Platz finden. Wenig: „Mit der Arbeit können wir voraussichtlich nächstes Jahr anfangen.“

dst

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