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Zum Lenken im Isarkanal musste Ingrid Schnaller kräftig am Floßruder anziehen.

Eine kinoreife Zeitreise

Historische Floßfahrt begeistert die Filme-Macher

Wolfratshausen – Eine Floßfahrt wie im Jahr 1930: Für einen Film schipperte ein Floß in historischer Aufmachung und mit kostümierter Besatzung von Wolfratshausen nach München. Das Ergebnis wird im Kino gezeigt.

20 Holzstämme, Bierfässer, Reisigbesen und Weidenkörbe sowie Säcke mit Waren aus dem Süden: All das war auf dem historischen Transportfloß geladen. Das legte frühmorgens an der Floßlände von Josef Seitner in Weidach ab. In gut sieben Stunden ging es bis nach Thalkirchen. Aber nicht nur die Waren passten in die Zeit um das Jahr 1930. Ein altes Fahrrad lag zum Beispiel mit auf dem Floß. Mit dem sind die Flößer früher heimgefahren, nachdem sie Waren und Holz in München verkauft hatten. Selbst die Brotzeit für die Flößer Konrad „Konne“ Mair und Wendelin „Wende“ Schelle und die Passagiere war hergerichtet – wie eine zünftige Stärkung vor über 85 Jahren.

Die historische Floßfahrt war kein Privatvergnügen, obwohl der Spaß auf der Fahrt bis München nicht zu kurz kam. Das Ganze haben mehrere Kameraleute für den 90-minütigen Dokumentarfilm „Fahrn ma obi am Wasser“ von Walter Steffen festgehalten (wir berichteten).

Für Stimmung auf der Fahrt nach München sorgten der Geretsrieder Hans Ketelhut (li.) mit der Ziach und der Ickinger Wolfgang Ramadan mit der Gitarre.

Der historische Ausflug war eine Herausforderung. Für die Flößer, weil sie ihr Gefährt ganz anders handhaben mussten als gewöhnlich. Und für die kostümierten Passagiere, die die längst vergangene Zeit mit ihrem Verhalten möglichst überzeugend vermitteln sollten. Die Wolfratshauserin Ingrid Schnaller stand am Ruder – im feschen blauen Dirndl mit roter Schürze. „Die Flößer beneide ich nicht um ihren Job“, erzählte sie nach der Fahrt. „Am Kanal war die Strömung nicht stark, aber man muss trotzdem kräftig am Steuer anziehen.“ Außerdem fehlten auf dem Floß die Holzbretter am Boden, auf dem Touristen bei Ausflugsfahrten einen sicheren Halt haben. Stattdessen mussten die Passagiere über die Rundlinge balancieren. „Die waren nass und rutschig“, sagte Schnaller.
 
Mit an Bord war auch Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller und Musiker Hans Ketelhut aus Geretsried sowie Wolfgang Ramadan aus Icking. Sie sorgten mit Ziach und Gitarre für eine fröhliche Stimmung.

Ingrid Schnaller war vor dem Dreh in der Maske hergerichtet worden. Eigentlich hat sie kurzes Haar, aber für ihre historische Figur bekam sie einen Dutt angesteckt. „Es ging viel um die Mimik und die Gestik“, sagte sie. Besonderen Text musste sie für die Aufzeichnung nicht sprechen. Und deswegen habe sie auch kein Lampenfieber gehabt.

Die Fahrt hatten Floßmeister Seitner und der Wolfratshauser Verein Flößerstraße möglich gemacht. Seitner hatte den Floßbau historisch gestaltet, und der Verein Dekoration und Kostüme von der Loisachtaler Bauernbühne besorgt. Hermann Paetzmann half bei der Planung und Koordination. Von Andreas Binder vom Tölzer Binderbräu gab es gebrautes Bier in alten Fässern. Und für das Verdauungsschnapserl sorgte die Firma Hirschkuss aus Lenggries.

Damit die Zuschauer später einen möglichst historischen Eindruck vom Flößerhandwerk bekommen, waren die Kameras auf starren Stativen installiert. Die besten Filmszenen werden in schwarz-weiß gezeigt – weil man 1930 nur in dieser Technik drehen konnte. Andere Aufnahmen sind in Farbe, etwa aus den Flößerorten an Isar und Loisach, von Interviews mit Historikern sowie Sagenerzählungen.

Mit 10 000 Euro Zuschuss trägt die Stadt Wolfratshausen den größten Anteil zur Finanzierung bei. Der Film ist frei produziert und auf Förderer und Sponsoren angewiesen. Premiere ist am 30. Deutschen Flößertag, der kommendes Jahr vom 18. bis 21. Mai in Wolfratshausen stattfindet. Anschließend wird der Film auf Filmfestivals sowie deutschlandweit in den Kinos gezeigt. Auch auf DVD wird er erhältlich sein.

von Gabriele Rüth und Sebastian Dorn

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