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Hündin Sina: Sie starb an einem vergifteten Köder.

Polizei überprüft Rentner

Giftköder: Staatsanwalt ist am Zug

Wolfratshausen - Ein 77-jähriger Wolfratshauser wird verdächtigt, Hunde mit präparierten Ködern vergiftet zu haben. Ob gegen ihn weiter ermittelt wird, steht jedoch noch nicht fest. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft München.

Ein Zeuge meldete sich bei der Wolfratshauser Polizei. Er habe am 10. November, einem Dienstag, einen älteren Herrn dabei beobachtet, wie er Hühnerknochen auf einen Grünstreifen der Margeritenstraße in Farchet geworfen und sich dabei immer wieder umgeschaut habe – so, als wolle er sichergehen, dass ihn niemand dabei beobachtet.

Die Polizei, berichtet Hauptkommissar Christian Neubert, nahm den Hinweis ernst. Schließlich treibt seit Monaten, eigentlich seit Jahren, ein Unbekannter sein Unwesen. Mit Vorliebe im Stadtteil Farchet legt er Wurststücke aus, die mit Tabletten präpariert sind. In mindestens einem Fall war sogar Gift im Spiel. In den meisten Fällen ging die Sache gut aus, Hündin Sina starb allerdings an dem Rattengift. Die Hundehalter leben seither in Angst, lassen ihre vierbeinigen Begleiter kaum noch aus den Augen.

Die Polizei überprüfte den Rentner. Dabei stellte sich heraus, dass er Zugriff auf Substanzen hat, die auch Bestandteil der in den Ködern gefundenen Tabletten sind. „Das allein macht ihn aber nicht zum Täter“, warnt Neubert vor einer Vorverurteilung. „Hunderte von Menschen können diese Tabletten haben.“ Der 77-Jährige habe in seiner Vernehmung beteuert, nichts mit den vergifteten Ködern zu tun zu haben.

Wie Neubert weiter ausführt, gibt es ein weiteres Indiz: „Die Aussagen des Zeugen und des Verdächtigen weichen stark voneinander ab.“ Der 77-Jährige habe behauptet, die Hühnerknochen auf dem Gehweg gefunden zu haben. Weil er sich darüber geärgert habe, habe er sich gebückt, die Knochen in ein Tuch gewickelt und in den Grünstreifen geworfen. „Der Zeuge ist sich jedoch absolut sicher, dass sich der Mann nicht gebückt hat“, betonte Neubert. „Wir bewerten das so, dass aufgrund dieser Indizien ein dringender Tatverdacht besteht.“

Jetzt ist die Staatsanwaltschaft am Zug. Sie bekommt den Sachverhalt, der sich neben den Indizien auf insgesamt 16 Anzeigen gegen Unbekannt stützt, demnächst vorgelegt. „Dann wird entschieden, ob der Anfangsverdacht zu gering ist und das Verfahren eingestellt oder ob weiter ermittelt wird“, erläutert Neubert.

Wer auch immer der Täter ist – das Motiv bleibt nebulös. Schließlich geht von den Blutdrucktabletten keine unmittelbare Gefahr für die Tiere aus. Will der Unbekannte den Besitzern also nur Angst machen? Unklar ist auch der eine Fall mit dem Rattengift. Wo hat der Täter das Gift her? Hat er es bewusst eingesetzt? „Es kann auch sein, dass es tatsächlich zur Bekämpfung von Nagern eingesetzt wurde und der Hund davon etwas erwischt hat“, so Neubert.

Er rät jedem, der in Sachen Giftköder verdächtige Beobachtungen macht, sich bei der Polizei zu melden. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, betont Neubert. Wer jemanden sieht, der Köder verteilt oder auslegt, darf die Person auch fotografieren oder sogar festhalten. Von Letzterem rät der Polizeihauptkommissar allerdings ab. „Man weiß ja nie, wie der Betreffende reagiert.“

Frederik Lang

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