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Drastische Symbolik: Anfang Juni demonstrierten zahlreiche Bauern vor Beginn des Agrargipfels in München gegen die niedrigen Milchpreise. Die Wolfratshauser Grünen griffen das Thema auf. Heraus kam eine emotionsgeladene Diskussion.

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

Grüne fordern: Lebensmittel-Qualität in Lehrplan aufnehmen

Wolfratshausen - Die Wolfratshauser Grünen üben schwere Kritik an der bayerischen Agrarpolitik. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Walther Mauk, bezeichnete das Vorgehen von Politik und Bauernverband gar als „verbrecherisch“.

Bei einer Veranstaltung in der Flößerei entbrannte eine kontroverse Diskussion. Der Tenor der über 30 Anwesenden: „So geht’s nicht weiter.“ Dabei steht der Freistaat noch vergleichsweise gut da. Rund ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands sind in Bayern angesiedelt. Das bedeutet, laut Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, dass vor allem viele kleine Höfe in Bayern zuhause sind. Gerade die kleineren Betriebe hätten aber mit großen Problemen zu kämpfen. „Die Agrarpolitik wird von den großen Konzernen beherrscht“, klagte der Beuerberger Mauk. Schuld daran sei unter anderem der Bauernverband. „Der ist doch auch bloß ein großes Unternehmen.“ Die größte Interessenvertretung der Landwirte habe einst beispielsweise die Milchquote abgeschafft. Außerdem habe der Verband Subventionen zugestimmt, die sich an der Größe des Landwirtschaftsbetriebs orientieren. „Davon profitieren nur die Großen.“ Dabei müsse es ein Anliegen der Politik sein, dass auch die kleineren Bauernhöfe bestehen können. „Wer nur 20 Kühe hat, muss von denen auch leben können.“

Auch Gisela Sengl sorgt sich um den Fortbestand der kleinen Höfe im Freistaat. „Der Erzeuger ist das letzte Glied in der Verkaufskette. An ihm wird gespart.“ Die Arbeitsteilung in der Landwirtschaft – sprich: Erzeugung, Lieferung, Abfüllung und Verkauf werden unabhängig voneinander vorgenommen – sei für die Bauern problematisch. „Deshalb sollten sich einige Höfe überlegen, in den Direktverkauf einzusteigen.“ Bei einem Hofverkauf könne sich der Verbraucher beispielsweise genau über die Qualität vor Ort informieren. Das ist im Supermarkt anders: „Im Moment ist es doch so, dass der Kunde die Milch kauft, die die beste Werbung macht.“ Und das, obwohl bei einer offiziellen Umfrage über 90 Prozent der Konsumenten angaben, dass ihnen die Qualität der Lebensmittel und das Wohl der Tiere wichtig sei.

Einige Anwesende sprachen sich dafür aus, die Bürger besser über Lebensmittelqualität und die bäuerliche Arbeit zu informieren. Lucia Schmidt forderte, dass das Thema in den Lehrplan bayerischer Schulen aufgenommen werden solle. „Die Kinder brauchen einen Bezug zu Pflanzen und Tieren.“ Sengl gab ihr recht: „Die Entfremdung einiger Bürger zur Landwirtschaft ist riesig.“ Sengl wie Mauk plädierten dafür, noch mehr Höfe nach Bio-Richtlinien zu betreiben. „Dieser Markt boomt“, berichtete die Grünen-Politikerin. Sie wolle zudem für ein Gesetz kämpfen, das Schulen und Krankenhäuser verpflichtet, Bio-Produkte aus der Region in den Speiseplan aufzunehmen. „Das ist ein riesiger Absatzmarkt, der für die Bauern wichtig wäre.“

Ein Gärtner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtete von eigenen Erfahrungen. Regelmäßig öffnet er seinen Betrieb für Verbraucher. Er ist überzeugt: „Wer die Hintergründe der Lebensmittelerzeugung kennt, kauft nicht mehr im Supermarkt.“

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