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Laptop, Bildschirm, Kopfhörer, Maus: Benedikt Strobl und sein Arbeitsmaterial.

"Ich war fix und fertig"

Benedikt Strobl (24) aus Weidach ist Deutschlands bester Hacker

Wolfratshausen - Er ist weder Freak noch Einzelgänger: Der Weidacher Benedikt Strobl (24) ist Deutschlands bester Hacker. Gemeinsam mit vier Teamkollegen belegte er beim Deutschland-Finale in Berlin Platz eins. 

Herr Strobl, wie wird man Hacker?

Man muss Interesse an Informatik und der Lösung von Problemen haben. Beim Hacken beschäftigt man sich schwerpunktmäßig mit Computersystemen und Schwierigkeiten, die auftreten können.

Das ist alles?

Ich hatte in der Schule nie Informatik. Mit 16 oder 17 Jahren habe ich erste Websites programmiert beziehungsweise mit Javascript kleine „Helferlein“ dafür geschrieben. Dann habe ich mein Studium begonnen, und als ich erstmals Kontakt mit Sicherheitsaspekten in der Informatik hatte, war mein Interesse geweckt.

Was genau ist Hacken eigentlich?

Im Prinzip geht es darum, Sicherheitslücken zu finden und diese den verantwortlichen Personen zu melden, damit sie geschlossen werden können. In der Regel werden Firmen, bei denen Hacker arbeiten, von anderen Unternehmen beauftragt, deren IT-Systeme wie zum Beispiel die Webseiten zu testen. Ein Beispiel: Sie kennen die Kontaktformulare auf Webseiten von Unternehmen?

Ja.

Es wäre theoretisch denkbar, dass man in eine der Zeilen Zeichen eingibt, die dort nicht erwartet werden, zum Beispiel das Dollar-Zeichen. Eine unerwartete Eingabe wie diese könnte dazu führen, dass von außen auf geheime Daten zugegriffen werden kann. Solche Lücken müssen gefunden und geschlossen werden. Das geschieht zunächst mit Hilfe eines Katalogs, der abgearbeitet wird. Im weiteren Verlauf spielt die Erfahrung eine große Rolle.

Das heißt, Sie sind einer von den Guten.

Ja. In der Öffentlichkeit spielt das Hacken meist eine Rolle, wenn es wieder einmal jemandem gelungen ist, die Webseite eines großen Unternehmens zu knacken und Daten abzuziehen. Ich versuche, dafür zu sorgen, dass das möglichst selten vorkommt. Natürlich verfolge ich aber sehr genau, was die „Bösen“ tun, wie sie vorgehen. Von der technischen Seite her gibt es allerdings kaum Unterschiede, die liegen hauptsächlich in der Zielsetzung.

Lust, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen?

Klar.

Also gut: Hacker sind Freaks.

Nein. Was wir machen, mag dem einen oder anderen, der damit nichts zu tun hat, ungewöhnlich vorkommen. Unsere Arbeit ist in Zeiten fortschreitender Technisierung und Digitalisierung aber einfach notwendig.

Nächstes Vorurteil: Hacker hängen nur vor dem Rechner.

Stimmt auch nicht. Ich bin ein richtiger Bergmensch, radle gerne, fahre gerne Ski oder mit meinen Spezln an den Gardasee. Wenn mich einer meiner Freunde anruft und fragt, ob wir am Wochenende was draußen unternehmen wollen, bin ich dabei. Das mache ich nicht einmal bewusst, das ist einfach in mir drin. Außer vielleicht an einem verregneten Samstagnachmittag.

Was machen Sie dann?

Dann sitze ich schon mal vor dem Rechner, löse Hackeraufgaben, lese in den Hacker-News über neue Hacks oder neue Sicherheitslücken, bin auf Facebook unterwegs, surfe im Internet und zocke. Aber nur ein bisschen.

Drittes Vorurteil: Hacker sind Einzelgänger.

Auch Quatsch. Beim Wettbewerb in Berlin zum Beispiel war Teamwork mit das wichtigste. Die Gruppen wurden gelost, man kannte sich also nicht, musste sich aufeinander einstellen. Wir haben vorher abgeklärt, wer welches Spezialgebiet hat und dann je nach Aufgabe reagiert. Manchmal saßen zwei oder drei von uns an einer Aufgabe, die anderen kümmerten sich parallel um ein anderes Problem, das haben wir situationsbedingt entschieden. Das hat echt gut funktioniert.

Ihr letzter Hack?

Das war bei dem Wettbewerb in Berlin, im Finale. Darüber darf ich aber nicht sprechen, weil die Aufgaben dieser Tage auch noch beim Finale in Österreich drankommen.

Worüber dürfen Sie denn sprechen?

Über das Drumherum. Das war eine tolle Erfahrung und hat richtig Spaß gemacht. Es gab Teambuilding-Maßnahmen, wir waren in Doppelzimmern im gleichen Hotel untergebracht, wurden hervorragend verpflegt, haben zusammen gegrillt und bei der Recruiting-Messe nach dem Wettbewerb Kontakte geknüpft. Im Mittelpunkt stand aber der Wettkampf. Da waren auch einige richtig knifflige Aufgaben dabei.

Über die Sie nicht reden dürfen...

Ich kann Ihnen ein Beispiel aus der Vorrunde nennen. Die lief von zuhause aus, übers Internet. Drei Monate lang mussten wir verschiedene Aufgaben lösen. Eine bestand darin, aus einer Audio-Datei – in diesem Fall war das ein Klavierstück – eine darin versteckte Text-Datei zu finden. Dafür muss man die Dateistruktur verstehen, an bestimmten Stellen einzelne Bits auslesen, in denen die Textinfos versteckt sind und neu zusammensetzen.

Puh.

Vereinfacht gesagt: Jeder Ton dieser Datei besteht aus mehreren Bits. Wenn eines dieser Bits verändert wird, spielt das für den Ton keine Rolle, man hört es nicht. Diese veränderten Bits zu finden, das ist dagegen ziemlich schwierig.

Ist Hacken anstrengend?

Kommt immer auf die Umstände an. Am Wettbewerbstag war es das. Acht Stunden vor dem Rechner unter höchster Anspannung und voller Konzentration mit einer kurzen Mittagspause – das hat es schon in sich. Danach war ich fix und fertig.

Die Mühe hat sich gelohnt. Sie und Ihre Mitstreiter sind die fünf besten Hacker bundesweit.

Das ist riesig, vor allem, weil die Jury nicht nur das Hacken bewertet hat, sondern auch die Präsentation. Schließlich muss man als Hacker seine Ergebnisse auch dem Management präsentieren. Das muss präzise und leicht zu verstehen sein, weil sich die Verantwortlichen in der Regel mit der Materie nicht so gut auskennen. Und es muss einigermaßen schnell gehen. Manager haben meistens nur wenig Zeit.

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