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Modell für die Zukunft? Radlschutzstreifen an der Pfaffenrieder Straße.

„Geht nicht so schnell, wie manche wollen“

Interview: Ist die Stadt fahrradfreundlich?

Wolfratshausen – Fahrradfreundlich ja oder nein? Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard reagiert auf Bedenken von Grünen-Stadtrat Schmidt.

Stadtrat Dr. Hans Schmidt schlug vergangene Woche Alarm: Die Stadt Wolfratshausen habe akuten Nachholbedarf in puncto Fahrradfreundlichkeit. Auf einer Rundfahrt mit unserer Zeitung zeigte er einige Mängel auf, die Wolfratshauser Radfahrern ein Dorn im Auge sind. Einige Stellen, die er anfuhr, seien nicht einmal regelkonform, meint der Grünen-Sprecher. Unser Mitarbeiter Dominik Stallein fragte bei der Susanne Leonhard nach, Abteilungsleiterin im Bauamt, Leiterin der Projektgruppe Radroutenkonzept und selbst passionierte Radlerin.

-Frau Leonhard, sehen Sie auch noch Nachholbedarf in puncto Fahrradfreundlichkeit?

Es ist ganz grundsätzlich so, dass man immer etwas verbessern kann. Gelegentlich erreichen mich Beschwerden über manche Stellen im Stadtgebiet. Ein Problem, auf das wir immer wieder stoßen, ist, dass die Stadt nicht für alle Straßen in Wolfratshausen zuständig ist. Für Bundesstraßen muss das Straßenbauamt Maßnahmen ergreifen.

-Dr. Hans Schmidt vermutet, dass einige Straßen nicht den gängigen Baunormen entsprechen. Sind alle Straßen in Wolfratshausen regelkonform?

Susanne Leonhard, Fahrradspezialistin im Bauamt

Es ist so, dass einige Straßen im Laufe der Benutzung in einen Zustand geraten, der Reparaturen oder Ausbesserungen notwendig macht. Das ist bei jedem Haus oder Auto schließlich auch so. Ob und wann man diese Maßnahmen dann ergreift, hängt jedoch von einigen Faktoren ab. Man muss erst klären, ob es sich überhaupt noch lohnt, nur einzelne Mängel zu beheben oder ob möglicherweise eine große Maßnahme ansteht, in deren Zuge man auch das andere Problem lösen kann. Außerdem ist es eine Finanzfrage: Wenn nur ein gewisses Budget zur Verfügung steht, muss man damit auskommen. Dann gilt es, abzuwägen, welche Mängel am schlimmsten oder am dringendsten sind. Ich kann zwar verstehen, dass jeder die Probleme in seiner Nachbarschaft für die dringendsten hält, aber das muss nicht heißen, dass das auch stimmt.

-Wolfratshausen möchte das Siegel „Fahrradfreundliche Kommune“ erlangen. Ist das momentan überhaupt möglich?

Zuerst einmal sei gesagt, dass man dieses Siegel nicht dafür erhält, dass alles zu 100 Prozent perfekt ist. Wäre das das Kriterium, glaube ich, dass es keine einzige „Fahrradfreundliche Kommune“ in ganz Bayern geben würde. Es ist vielmehr eine Auszeichnung dafür, dass ein Grundmaß vorhanden ist und die Kommune auf einem guten Weg ist. Sprich: die Fahrradfreundlichkeit laufend verbessert. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Fahrradfreundliche Kommune“ eine Testfahrt durch die Stadt gemacht. Da sind zwar natürlich einige Mängel aufgefallen, der Tenor ist aber: Wir sind auf einem guten Weg.

-Was sind die nächsten Schritte?

Wir führen derzeit eine so genannte Modal-Split-Erhebung durch. Mit Verkehrszählungen und Haushaltsbefragungen wollen wir herausfinden, wie groß der Anteil an Fahrrädern im Straßenverkehr bei uns ist. Dann werden wir ein Ziel formulieren, welchen Anteil wir erreichen wollen. Wir sind außerdem laufend dabei, Einzelfallverbesserungen vorzunehmen. Wie schon gesagt, ist dies aber manchmal nur in Absprache mit anderen Behörden möglich. Da geht es dann nicht so schnell, wie es sich manche Menschen wünschen würden.

-An der Pfaffenrieder Straße gibt es seit einigen Monaten einen Fahrradschutzstreifen. Ist das ein Modell für andere Stellen?

Ja. Wir haben diesen Streifen auch deswegen geschaffen, weil wir wollten, dass sich die Menschen an diese Verkehrssituation gewöhnen können. Schließlich gibt es die Möglichkeit auch an anderen Stellen in Wolfratshausen. An der Königsdorfer Straße könnte man zum Beispiel darüber nachdenken, eine Schutzzone anzulegen. Das wird sich aber zeigen, ob es da im Stadtrat eine Bereitschaft dazu gibt. Diese Stelle wird nämlich sehr unterschiedlich betrachtet. Um mit dem Straßenbauamt über diese Stelle verhandeln zu können, brauchen wir einen Beschluss. (Die Königsdorfer Straße ist eine Bundesstraße, Anm. d. Red.).

-Zurück zur Pfaffenrieder Straße.

Wir haben bewusst gesagt, wir machen das jetzt und schauen uns an, wie es angenommen wird. Bisher gibt es sowohl positive Stimmen, insbesondere von Radfahrern, als auch negative Stimmen, insbesondere von Autofahrern. Das ganz große Echo ist aber noch nicht zu mir durchgedrungen. Es wäre aber schön, wenn solche Schutzstreifen dazu beitragen könnten, dass sich die Radfahrer sicher fühlen und noch ein paar Wolfratshauser mehr auf das Fahrrad steigen.

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