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1200 Besucher, hunderte Musiker, Workshops und ganz viel Party: All das sind die Zutaten des Festivals „Trubal Gathering“ in Panama.

„Festival hat mein Herz geklaut“

Julia Kratzer organisiert Musikfestival in Panama

Wolfratshausen/Panama – 18 Tage karibischer Sandstrand, 200 Workshops, hunderte Musiker aus über 30 Ländern und dazu noch Gutes tun. All das verspricht das Festival „Tribal Gathering“ 2017, das vom 24. Februar bis zum 13. März in Panama stattfindet. Eine der Organisatoren ist Julia Kratzer aus Wolfratshausen.

Angefangen hat alles ganz harmlos. Nach einer Ausbildung zur Tierarzthelferin unternahm Julia Kratzer eine zehnmonatige Backpackerreise nach Australien, wie das viele junge Menschen machen. Zurück in Deutschland bekam sie eine Stelle am Max-Planck-Institut in Köln, wurde dort aber nicht richtig glücklich. „Im deutschen Alltagsleben hat mir irgendwie die Herausforderung gefehlt“, berichtet Julia Kratzer. „Australien war ein guter Einstieg.

Hilft dabei, Menschen zusammenzubringen: Julia Kratzer.

Ziel der nächsten Tour war Südostasien, auch weil dort das Backpacken relativ einfach ist. Mit 24 wagte sie sich dann nach Mittel- und Südamerika. Allein für die Reise von Guatemala bis hinunter nach Panama nahm sie sich eineinhalb Jahre Zeit. Immer wieder kommt Julia nach Deutschland zurück und besucht ihre Eltern. Außerdem arbeitet sie hier so viel wie möglich. Mit dem verdienten Geld finanziert sie die nächste Reise. Unterwegs lebt sie extrem sparsam: „Ich kaufe nichts, man braucht nicht wirklich viel. Je weniger man unterwegs hat, desto leichter fühlt man sich.“ Außerdem arbeitet Julia auch unterwegs, bisher jobbte sie unter anderem in Kinderhorten, betreute auf Segelbooten Touristen, unterrichtete Englisch und arbeitete in Jugendherbergen. Alles gegen Kost und Logis.
 
Von „Tribal Gathering“ hörte sie zum ersten Mal 2013 von einer mitreisenden Freundin. Sie fuhr mit ihr hin und begann, bei der Organisation zu helfen. „Mein Job ist vor allem die Kommunikation“, berichtet sie mit leuchtenden Augen. „Das erste Jahr habe ich im Küchen-Management gearbeitet, das zweite Jahr in der Transport-Organisation, und nächstes Jahr werde ich in der Produktion mithelfen. Wir müssen die Welt wieder zusammen an einen Tisch bringen und Verbindungen schließen. Teamarbeit und Herz sind der richtige Antrieb dazu.“

Der Dschungel, bunt beleuchtet: Illuminationen wie diese sind Teil des Festivals.

Auf dem Programm des Festivals, das vergangenes Jahr 1200 Besucher anlockte, stehen erst vier Tage Vorparty. „Zuerst wird gefeiert“, erzählt die junge Frau. „Es wird viel handgemachte Musik geben, von 30 verschiedenen indigenen Gruppen aus der ganzen Welt.“ Dann ist zehn Tage lang Ruhe, es finden verschiedene Workshops statt. „Das Ziel ist, Menschen zusammen zu bringen, damit sie ihr Wissen teilen können“, erläutert Julia. „Man kann zum Beispiel lernen, wie Kakao hergestellt wird. Den trinken wir dann alle zusammen, und Kakao öffnet das Herz.“ Ein weiteres mögliches Thema wäre Permakultur: „Man lernt, wie eine Pflanze der anderen helfen kann. Auch eher spirituelle Punkte wie Temazcals (eine Art Sauna, die Körper und Seele reinigen soll) stehen auf dem Programm.“
 
Anschließend wird noch einmal vier Tage lang gefeiert. „Und zwar laut“, ergänzt Julia Kratzer. „Kaltes Bier, farbenfrohe Mandalas und Lichteffekte des Dschungels lassen diese Nächte zu einer magischen Erfahrung am karibischen Strand werden.“ Die Tickets kosten für sogenannte ‘Westler‘, je nachdem wie früh man sie kauft, 150 bis 300 Dollar. Die (meist indigenen) Teilnehmer, die die Workshops geben, bekommen von der Anreise bis zu Unterkunft und Verpflegung alles bezahlt.

Organisiert wird das Ganze von GeoParadise, einer Non-Profit-Organisation, die sich die Unterstützung indigener Gemeinschaften und die Erhaltung ihrer kulturellen Identität zum Ziel gesetzt hat. Mit dem Geld aus dem Ticketverkauf unterstützt GeoParadise traditionell lebende Gruppen auf der ganzen Welt, vor allem aber in der Umgebung des Festival-Geländes.

In der Vergangenheit wurde zum Beispiel bei den Kamayura in der Xingu-Region am Amazonas eine große Gemeinschaftsbehausung errichtet. Für eine neugegründete Wounaan-Siedlung in Panama spendete GeoParadise Lebensmittel, Medikamente und Haushaltsgegenstände. Bei den Tz‘utujil in Guatemala legte man einen großen Kräutergarten an, die getrockneten Pflanzen können die Menschen dann wieder beim Festival verkaufen.

Bei der Arbeit: Julia Kratzer bringt Kindern die Grundzüge der englischen Sprache bei.

Diese Auflistung ließe sich noch fortsetzen, ständig kommen neue Projekte dazu. Langfristig möchte GeoParadise das Gelände kaufen, auf dem „Tribal Gathering“ stattfindet. Hier soll eine Art Backpacker-Dorf entstehen, zum Beispiel für Reisende, die die nahe gelegenen San-Blass-Islands besuchen. Die würden dann hier Station machen, auftanken, sich in einem Yoga-Zentrum entspannen.
 
Julia Kratzer könnte sich vorstellen, hier ein Hostel aufzumachen. „Mein Traum wäre ein großes Haus mit vielen glücklichen Menschen, die das machen, was sie gerne tun“, erzählt sie. „Man sollte viel öfter seinen Glücklichkeitsgefühlen folgen“, rät die 27-Jährige. „Frag Dich, was Dich jetzt am meisten glücklich machen würde. In der Sekunde, wo es dir in den Sinn kommt, tu es, und zögere keine Sekunde, und lass die Angst nicht siegen. Man hat doch nur ein Leben.“
 
Wem das eigene „Glücklichkeitsgefühl“ zu einem Festivalbesuch rät, der kann sich auch als freiwilliger Helfer melden. Die werden nämlich noch gesucht. Ein Ticket braucht man so zwar trotzdem, aber dafür ist die Verpflegung umsonst.

Ihren Vater hat Julia bereits überzeugt: Der Wolfratshauser Bäckermeister wird in Panama Brot in einem Steinofen backen. Wer sich gerne weiter informieren möchte, kann sich das Festival online auf geoparadise.org ansehen oder sich gerne über juk.kratzer@gmail.com bei Julia Kratzer melden.

von Carina Sappl

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