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Besondere Klänge in der Loisachhalle: (v. li.) Pianistin Christine Schornsheim mit Assistentin am Hammerklavier und Kristin von der Goltz am Barockcello.

Ehrwürdige Klänge

„Klassik Pur!“: Publikum steht plötzlich auf der Bühne

Wolfratshausen – Da war etwas außergewöhnliches los am Samstagabend in der Loisachhalle. Beim Auftritt von Pianistin und Cellistin kam es zu einer ungewöhnlichen Szene.

Da war etwas außergewöhnliches los am Samstagabend in der Loisachhalle. Denn in der Pause standen plötzlich viele der Zuhörer im halb gefüllten Konzertsaal auf der vorgelagerten Zusatzbühne und umkreisten neugierig das historische Hammerklavier. Ein Original aus dem Jahr 1803, welches es erstens nur noch selten gibt und zweitens noch seltener für Konzerte in der Gegend herum transportiert wird, erklärte Konzertpianistin Christine Schornsheim. Sie und Violoncellistin Kristin von der Goltz präsentierten ein eindrucksvolles Konzert im Rahmen von „Klassik pur im Isartal“: mit Werken der Komponisten Helene Liebmann, Ferdinand Ries und Ludwig van Beethoven.

Das Hammerklavier war eine Augenweide. Kleiner und kantiger als die heutigen Flügel und aus einem honigfarbigen Holz gebaut, stand es ehrwürdig auf der Bühne. Kristin von der Goltz präsentierte dazu ein Barockcello, dass sich von den heutigen Cellos unterscheidet, weil es keinen Standfuß besitzt. So musste die Virtuosin es mit zusammengepressten Knien halten. Die hochkarätige Musikprofessorin aus Frankfurt spielte dieses Instrument mit unglaublicher Energie und Empathie. Ihr Körper bebte, ihr Gesichtsausdruck verriet höchste Konzentration.

Auch Christine Schornsheim ist Professorin für historische Tasteninstrumente an der Hochschule für Musik und Theater in München. Die beiden Vollblutmusikerinnen lieferten ein Konzerterlebnis, das an Klangreichtum, an spielerischen Variationen und der Interpretierfähigkeit für Alte Musik alles zu bieten hatte. Ein Konzerterlebnis, das durch jede Faser des Körpers drang, obwohl das Klangvolumen dem Alter der Instrumente geschuldet heller und archaisch-einfacher war. Aber genau das machte das Konzert so ungewöhnlich.

In der dreisätzigen „Grande Sonate“ für Klavier und Cello orientierte sich die jüdische Komponistin Helene Liebmann, das Vorbild Beethovens, an der Idee, dem Klavier die erste Rolle zu geben. Am Ende schloss dieses Werk mit einem Variationszyklus, angelehnt an das bekannte Duett „La ci darem la mano“ aus Mozarts „Don Giovanni“. Das Allegro war temporeich. Das Adagio mit einer seidigen Melancholie versetzt. Und schließlich endete Liebmanns Werk mit spielerischer Vielfalt im Andante con Variazioni. Es folgte ein reines Klavierstück von Ferdinand Ries. Auch das in acht Variationen, die verschiedene musikalische Aspekte beschrieben. Zuvor hatte Schornsheim das Publikum gewarnt: „Erschrecken Sie nicht, es wird laut.“ Eine überraschende Raffinesse bot sie am Hammerklavier. Denn pedalgesteuert erklangen laute Töne wie Pauken- und Beckenschläge.

Das Thema Variationen war der rote Faden des Abends, schließlich auch bei Beethovens „Sieben Variationen“ und einer Sonate in G-Moll für Klavier und Violoncello.

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