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Und weg sind sie: (v. li.) BCF-Trainer Patrik Peltram, sein Assistent Basti Pummer und der Sportliche Leiter Klaus Brand mussten gehen beziehungsweise traten zurück, weil sie sich gegen ein Comeback von Innenverteidiger Onur Misirlioglu aussprachen.

Fussball

Die Kräuterstraße bebt

Wolfratshausen -  BCF-Spartenchef Manfred Fleischer entlässt Trainer Patrik Peltram. Manager Klaus Brand, die Technische Leiterin Hilde Kluge und Torwarttrainer Manuel Kluge treten daraufhin zurück.  

Beim BCF Wolfratshausen läuft in dieser Saison nicht nur sportlich einiges schief. Der Fußball-Bayernligist steckt am Tabellenende fest, die Aussicht auf eine zeitnahe Besserung ist bescheiden. Verletzungspech, genehmigte Urlaube in ungewöhnlich großer Anzahl und eine Transferpolitik, die zumindest kritisch zu hinterfragen ist – das selbst ernannte Aushängeschild der Region steckt in einer tiefen Krise. In dieser verfahrenen Situation scheinen nun auch die Nerven der Verantwortlichen blank zu liegen. Sie entbanden am Dienstagabend die gesamte sportliche Leitung von ihren Aufgaben. Trainer Patrik Peltram, Co-Trainer Basti Pummer und Sportchef Klaus Brand sind ebenso betroffen wie Hilde Kluge als Technische Leiterin und deren Filius Manuel, zuletzt zweiter Keeper und Torwarttrainer.

Auslöser dieser kolossalen Entscheidung war die Personalie Onur Misirlioglu, seines Zeichens Innenverteidiger in den vergangenen Spielzeiten. Vor dieser Runde hatte sich Misirlioglu unter dubiosen Umständen aus Farchet zurückgezogen. War es mangelnde Wertschätzung oder gekränkte Eitelkeit? Egal. Das Thema schien durch. Denkste. Aufgrund der sportlichen Misere spielte der 32-Jährige in den Gedanken der Spartenführung offensichtlich plötzlich wieder eine Rolle. Und das zeitnah: Am morgigen Samstag empfängt der BCF den Vorletzten Jahn Regensburg zum Kellerduell. Für die Übungsleiter war ein Comeback Misirlioglus ein Unding. Er könne der Mannschaft nicht den Einsatz eines Spielers verklickern, der sich „vor acht Wochen verabschiedet und nicht trainiert hat“, stellt Peltram klar. Die Abteilungsleitung sah dies anders. Sie wollte Misirlioglu per Dekret zurückholen – und teilte das den Trainern am Dienstag fünf Minuten vor Trainingsbeginn mit. „Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, bedauert Peltram. Der 42-Jährige betont, dass er nicht der Typ sei, der seinen Trainerjob wegen einer Übereinkunft, die er nicht mittrage, retten wolle. Enttäuscht ist Peltram dennoch. Er habe viel Zeit investiert, und auch die Causa Misirlioglu hätte man im Konsens lösen können. Nicht aber mit Druck von oben. Er definiere sich über Werte wie „Loyalität, Aufrichtigkeit und Vertrauen“, versichert der Fußball-Lehrer. „Damit fällt man offensichtlich manchmal auf die Fresse.“ Am Donnerstag verabschiedete sich der Rechtmehringer vom Team. „Das gehört sich so.“ Peltram schiebt nach, dass derlei Beschlüsse „das gute Recht“ eines Vereins seine. Aber ein solches Gebaren sei ihm noch nie untergekommen: „Das war extrem, da war ich baff.“

Emotionslos kommentiert der Abteilungsleiter die Geschehnisse. Den nachdrücklichen Hinweis an die Trainer, sich mit der Person Misirlioglu eiligst auseinander zu setzen „halten wir für richtig“, sagt Manfred Fleischer stellvertretend für seine beiden Mitstreiter, Helmut Forster und Michael Krentscher. Misirlioglu habe in der Vorsaison eine „wichtige Rolle“ gespielt. Über die Umstände der Demission des Kickers verlor Fleischer kein Wort. Es gehe darum, den Ballclub „wieder zu stärken und sich aufzubäumen“. Ein Konsens sei nicht zu erzielen gewesen, deswegen habe man gemeinsam beschlossen, sich auf den einzelnen Positionen neu aufzustellen. Wobei Fleischer präzisiert, dass Klaus Brand, der sich gestern zu den Geschehnissen nicht äußern mochte, seinen Rücktritt angeboten habe. Die Kluges hätten nachgezogen. Nur Peltram und Pummer seien von Vereinsseite ihrer Aufgaben entbunden worden.

Wie geht’s nun weiter? „Wir werden eine Lösung finden“, verspricht Fleischer. Den geschassten Mitarbeitern sprach der Abteilungsleiter seinen „herzlichen Dank für die geleistete Arbeit“ aus. In den Ohren der Ur-Farcheterin Hilde Kluge klingt das wie Hohn. „Die Art und Weise war unmöglich“, sagt die 61-Jährige. Es sei ein „Friss oder stirb‘“ gewesen, andere Meinungen waren nicht gewünscht. Zurückzutreten sei für sie hart, weil sie ihren Job „mit Herzblut“ ausgeübt habe. Doch sie musste, so Kluge unmissverständlich, die Entscheidung der Trainer sowie Brands mittragen. „Wir waren ein Team. Ein tolles Team“.

Oliver Rabuser

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