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Sammelt Kilometer und Medaillen: Marathon-Mann Klaus Mannweiler, hier im Juli 2015 beim Hohenburger Schlosslauf, der zur Raiffeisen-Oberland-Challenge gehört.

Mein Sport in Rio

Bekenntnisse des Marathon-Mannes

Wolfratshausen - Klaus Mannweiler aus Farchet (49) ist der schnellste Marathonläufer weit und breit, sein Name wird in der Szene mit einer gehörigen Ehrfurcht ausgesprochen. Die Königsdisziplin der Leichtathleten verfolgt er auch in Rio.

Wer Marathon läuft, muss fleißig Kilometer sammeln. Ausreden gibt es nicht, und wenn man dringende Termine hat, muss man es sich halt irgendwie einrichten. Klaus Mannweiler hatte am vergangenen Sonntag so einen Termin, er wollte den Frauen-Marathon in Rio im Fernsehen sehen. Also war er zeitig von Farchet aus die Isar entlang nach München gelaufen und hatte sich dort von seiner Frau mit dem Auto abholen lassen. „Ich wollte unbedingt live dabei sein“, erzählt er. Als er den Fernseher gegen 14 Uhr einschaltete, hatte er selbst schon 40 Kilometer in den Beinen. So machen das die echten Läufer.

Seine Bestzeit lief Mannweiler in Hamburg - 2:34 Stunden

Fleiß und eine gewaltige Portion Talent haben Klaus Mannweiler (49) vom TSV Wolfratshausen zum schnellsten Marathonläufer weit und breit gemacht. Der Autor dieser Zeilen hat es einige Mal leidvoll erfahren, wenn der Ausnahmeathlet ihn bei Wettbewerben in München mit federndem Schritt überholt hat. 2010 etwa wurde der Wolfratshauser, der bei Eagle-Burgmann ganztags arbeitet, Bayerischer Meister in Würzburg, mit einer Zeit von 2:35 Stunden - wohl sein größter Erfolg. Dabei ist das noch gar nicht seine Bestzeit. Die liegt bei 2:34 Stunden, erzielt 2012 in Hamburg. Dort fühlt er sich besonders wohl. „Die Sache mit den kühlen Nordlichtern kann ich überhaupt nicht bestätigen“, sagt er. „Da wird 42 Kilometer lang Party gemacht, die Stimmung ist gigantisch“, erzählt er. Übrigens: Mit der besten deutschen Läuferin in Rio, Anja Scherl (44. im Klassement), ist er vor einigen Jahren praktisch zeitgleich über die Ziellinie an der Waterkant gelaufen. „Ich habe mich über ihren Erfolg wahnsinnig gefreut“, sagt er. Die Szene der Spitzenläufer ist relativ klein, man kennt sich.

Zum Laufen kam er erst mit 30 Jahren

Nun sollte man glauben, dass Zeiten wie die von Klaus Mannweiler das Ergebnis lebenslangen Trainings ist, quasi von Kindesbeinen an. Das ist bei ihm nicht der Fall. Mannweiler war schon knapp 30 Jahre alt, als er zum ersten Mal an den Start über die Königsdisziplin der Leichtathleten ging. Damals wurde er zum ersten Mal Vater und war auf der Suche nach einem Sport, der weniger Zeit frisst als das Radfahren, das zuvor Hobby Nummer eins war. Sicher, das Laufen dauert auch Stunden, aber beim Radfahren gehen schnell mal ganze Tage drauf. „Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich nicht in Frankfurt mitlaufen möchte, und ich dachte mir: Klar, warum nicht?“ Was folgte, war ein bisschen Training und im Wettkampf eine Zeit von 3.26 – schneller übrigens, als es der Autor dieser Zeilen je geschafft hat. So ging es los.

Irgendwann war die magische 3-Stunden-Grenze geknackt

Was folgte, war stetiges Training. Die Zeiten wurden immer schneller. „Ich habe vielleicht zehn Wettkämpfe gebraucht, um die magische Drei-Stunden-Grenze zu knacken“, erzählt er. Und damit war noch lange nicht Schluss. Inzwischen gehört Mannweiler zur Bayerischen Läufer-Elite, er geht für die LG München an den Start, einem der bedeutendsten Leichtathletikvereine in Deutschland. Mannweilers Name wird in der Szene mit einer gewissen Ehrfurcht ausgesprochen. Zu Hause in Farchet hat er 30 Medaillen liegen, und zwar allein für die gefinishten Marathons. Hinzu kommen noch die für Team-Wertungen, Halbmarathons, 10-Kilometer-Wettkämpfe und so weiter. „Meine Frau sagt immer, kannst Du nicht mal was zum Essen gewinnen?“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Dabei gibt es das auch, in Füssen, beim König-Ludwig-Laufen, wo Mannweiler natürlich schon auf dem Treppchen gelandet ist. Aus dem Allgäu brachte er damals neben einer Medaille auch einen Fresskorb mit nach Hause.

Seine Standardrunde führt vom Aujäger nach Aumühle und zurück

Mannweiler spult seine Kilometer meist auf derselben Runde ab: Vom Aujäger rennt er in seinen Adidas-Booster Zero-Schuhen in Richtung Fischzucht Aumühle und auf der anderen Seite wieder zurück. Das sind netto etwa neun Kilometer. Dann trinkt er einen Schluck Wasser und läuft die nächste Runde. So kommt er pro Woche – jedenfalls in der Zeit vor Wettkämpfen, in denen Läufer Umfang und Intensität ihrer Trainingseinheiten erhöhen – locker auf 120 Kilometer pro Woche. Das mit dem Wasser hat er sich angewöhnt, als er vor einigen Jahren einmal bei einem extrem langen Lauf dehydriert ist. Passiert ist es nach 60 Kilometern in der Nähe von Seeshaupt, „Da ist mir erst schwindelig geworden, und dann war Schluss“, erzählt er. Eine Porschefahrerin hat sich um ihn gekümmert, er verbrachte eine Nacht mit Infusionen im Krankenhaus. „Dass möchte ich nicht unbedingt noch einmal erleben.“

Irgendwie ist er froh, dass er kein Profi geworden ist

Manchmal spielt Mannweiler mit dem Gedanken, was wohl gewesen wäre, wenn er früher zu laufen angefangen hätte. „Ich vermute, eine Zeit unter 2:30 Stunden wäre drin gewesen.“ Damit hätte er zur deutschen Spitze gezählt. Doch dann ist der Wolfratshauser wieder froh, dass es nicht so gekommen ist. „Das Leben für einen Profiläufer ist ein ganz anderes, der Spaßfaktor nimmt da deutlich ab.“ So ist das Thema Ernährung extrem wichtig für Athleten, man darf längst nicht alles essen und trinken, was einem schmeckt. Für Mannweiler spielt das keine Rolle, er bevorzugt Pizza und Pasta. „Und wenn es pressiert, gerne auch einen Burger.“ Auch gegen ein kühles Weißbier zwischendurch hat er nicht das Geringste einzuwenden.

Sein Tipp für Sonntag: "Ein Kenianer macht's"

Am Sonntag, wenn der Marathon der Männer ansteht, wird Mannweiler wieder vor dem Fernseher sitzen. Sein Tipp: „Das macht ein Kenianer.“ Gehandelt wird Eliud Kipchoge, dessen Bestzeit bei 2:03 Stunden liegt. Warum sind die Afrikaner den Deutschen und den Europäern so weit voraus? „Für die ist das Laufen eine existenzielle Sache, um aus Armut und Elend herauszukommen, die haben einen anderen Druck“, sagt er. „Mit den Preisgeldern ernähren die ihre ganze Familie.“ Dass mit Doping nachgeholfen wird, will er nicht ausschließen, aber den Spaß am Zuschauen hat ihm das noch nicht verdorben. Start ist um 14.30 Uhr. Klaus Mannweiler ist vor dem Fernseher dabei. Und vermutlich ist selbst zu diesem Zeitpunkt seine Runde schon gelaufen.

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