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Mann in Orange: Georgios Maroulidis ist im Alter von 56 Jahren gestorben.

Große Trauer um Georgios Maroulidis

Der netteste Straßenfeger der Welt ist tot

Wolfratshausen – Jeder kannte Georgios Maroulidis. Er kehrte den Dreck weg, den andere hinterlassen haben – und versprühte permanent gute Laune. Jetzt ist er unerwartet gestorben. Ein Nachruf.

Er kehrte den Dreck weg, den die Wolfratshauser hinterlassen haben – und versprühte dabei permanent gute Laune. „Hallo Meister, wie geht’s?“ So begrüßte er gewöhnlich die Herren der Schöpfung, die seinen Weg kreuzten. „Hallo, schöne Frau“, rief er den Damen zu, denen er besonders höflich begegnete. Um einen Spruch war Georgios Maroulidis nie verlegen, wenn er im orangefarbenen Straßenkehreranzug in der Stadt die Papierkörbe leerte. Und er war immer für einen kurzen Plausch zu haben. „Das war sein Ding“, sagt Matthias Schmidberger, sein Vorgesetzter bei den Wolfratshauser Stadtwerken, wo der „Giorgio“, wie ihn seine Kollegen riefen, 25 Jahre beschäftigt war. Womöglich wäre alles anders gekommen, wenn da nicht dieser schreckliche Unfall gewesen wäre.

Nach einem schweren Unfall in Geretsried war nichts mehr wie zuvor

Aufgewachsen in Kavisos, einem kleinen Dorf im Hinterland der Hafenstadt Alexandropouli, im Südosten Griechenlands nahe der türkischen Grenze, war der damals sechsjährige Georgios zusammen mit seiner Mutter und seinen drei älteren Schwestern dem Vater nach Geretsried gefolgt. Nur ein halbes Jahr später, im Juni 1967, war nichts mehr wie zuvor. Beim Überqueren der Egerlandstraße wurde der Junge von einem Auto erfasst. Schädelbasisbruch. Drei Monate Koma. Danach weitere drei Monate im Krankenhaus.

„Vorher war er ein aufgewecktes, wissbegieriges Kind. Aber ab dem Zeitpunkt hat er sich verändert“, erzählt seine Schwester Chrisoula. Er musste alles neu lernen, doch was ihm vorher Spaß gemacht hat, strengte ihn nun an. Vieles sei ihm egal geworden. Aber er habe nicht gehadert, habe den Unfall akzeptiert und seinen Weg gefunden. „Erst viel später hat er mal gesagt: Vielleicht hätte ich auch studiert wie Du, wenn der Unfall nicht gewesen wäre.“

Womöglich hätte er sich auch für die Schauspielerei begeistert. Auf den Geschmack kam er beim Wolfratshauser Stadtjubiläum 2003, wo Regisseur Claus Steigenberger ihn für seine Revue „A Sixpack full of Hoamad“ entdeckte. Sein Auftritt war kurz, mehr als ein, zwei Sätze waren im Drehbuch nicht vorgesehen. Aber damit spielte sich der Mann in Orange in die Herzen des Wolfratshauser Publikums.

Der Straßenreiniger war die Rolle seines Lebens

Christine Noisser, die damals mit Maroulidis auf der Bühne stand, erinnert sich: „Er musste nicht schauspielern, er durfte so sein, wie er war.“ Der Straßenreiniger, das war die Rolle seines Lebens, und seine Bühne war der Markt. Dort war er am liebsten unterwegs. Er genoss den Kontakt mit den Bürgern, die Plaudereien, hier und da eine Einladung auf einen schnellen Kaffee und eine Zigarette zwischendurch. Dementsprechend groß sind die Reaktionen auf diesen Artikel in den sozialen Netzwerken.

Georgios Maroulidis , der in seiner Freizeit leidenschaftlich gern Bouzouki spielte, hat den Fröhlichen nicht gespielt. Er war es in jedem Augenblick. Deshalb konnte er auch mal „narrisch“ werden, wenn sich einer daneben benahm. Einen Bürger soll er sogar einmal mit seinem Besen verfolgt haben: Der Mann hatte vor Georgios Augen seinen Müll neben den Papierkorb geschmissen. „Er hat seinen Job nicht als minderwertige Arbeit angesehen: Er war glücklich so“, sagt seine Schwester.

Georgios Maroulidis starb am 29. September an den Folgen eines Herzinfarkts.

von Rudi Stallein

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