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Ein undatiertes Foto aus den Jahren 1910 bis 1920.

Historischer Verein Wolfratshausen hat keine Bedenken

Wird das ehemalige Isar-Kaufhaus abgebrochen?

Wolfratshausen - Wie viel Denkmalschutz braucht das Gebäude, das bis Ende 2012 das Isar-Kaufhaus beherbergte? Der Historische Verein Wolfratshausen sagt: keinen. Das Landratsamt prüft noch. Und ein potenzieller Investor steht in den Startlöchern.

Es wäre alles viel einfacher: Die Arbeiter würden mit ihrem schweren Gerät leichter zur Baustelle gelangen. Man könnte das schmale Happ-Gassl als Zufahrt nutzen. Und die Bauzeit würde sich eventuell verkürzen. Von der Entscheidung, ob alle drei Gebäude, die einst das Isar-Kaufhaus an der Wolfratshauser Marktstraße gebildet haben, abgerissen werden dürfen, hängt viel ab.

Dr. Harald Mosler vertritt die Immobilieneigentümerin Angela Scheller juristisch, hat ein Flächenkonzept für das seit mehr als dreieinhalb Jahren leer stehende Gebäude ausgearbeitet und eigenen Worten zufolge einen Investor an der Hand, der in den Startlöchern steht. Der Wolfratshauser Rechtsanwalt hat immer wieder betont, dass ein Komplettabriss des prominenten Gebäudes für ihn die einzig wirtschaftlich vertretbare Lösung wäre. Unterstützung erhält der Jurist jetzt vom Historischen Verein Wolfratshausen.

Als Frequenzbringer ist ein H&M im Gespräch

Dr. Harald Mosler

Wie berichtet plant Mosler im Auftrag von Scheller zusammen mit dem in der Flößerstadt alteingesessenen Architekten Tom Ferster eine 900 Quadratmeter große Verkaufsfläche im Erdgeschoss der Immobilie – die einzige ebenerdige, zusammenhängende Ladenfläche dieser Größe an Ober- und Untermarkt. Hier soll ein Zugpferd einziehen, ein Frequenzbringer. Im Gespräch sind die Modekette Hennes & Mauritz (H&M) und ein Biomarkt. Andere Interessenten stehen Mosler zufolge bereit. Im ersten und zweiten Stock könnten Praxen oder Wohnungen Platz finden, darüber sind Wohnungen vorgesehen. In einer Tiefgarage sollen 28 Stellplätze entstehen, mit Zufahrt über das Happ-Gassl.

Das Problem: Die drei Gebäude fallen unter den Ensembleschutz der Altstadt. Bis vor drei Jahren war eines davon, das ehemalige Seifensiederhaus, das ans Happ-Gassl grenzt, sogar noch als Einzeldenkmal geschützt. Es wurde aber aus der Denkmalliste genommen, da der historische Bestand in den vergangenen Jahren stark verändert worden war.

Der städtische Bauausschuss hat nichts gegen den Abriss. Die Entscheidung trifft jedoch das Landratsamt. Dort wartet man noch auf Stellungnahmen vom Landesamt für Denkmalpflege sowie dem Staatlichen Bauamt in Weilheim. Sobald die vorliegen, könne man in die technische Prüfung gehen, teilt Marlis Peischer, Pressesprecherin der Kreisbehörde, auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Historischer Verein: "Es ist keine historische Bausubstanz mehr da"

Aus Sicht des Historischen Vereins spricht nichts gegen den Totalabriss. „Beim ehemaligen Isar-Kaufhaus gibt es nichts mehr zu schützen“, sagt der Zweite Vorsitzende Bernhard Reisner. „Es ist keine historische Bausubstanz mehr da.“ Natürlich, betont Reisner, sei die Aussage des Vereins nicht bindend. Man sei aber um eine Stellungnahme gebeten worden. Daraufhin habe man sich mit Rechtsanwalt Mosler und Architekt Ferster zusammengesetzt, alte Pläne studiert und festgestellt: Bei diversen Umbauten in den 1960er-Jahren wurden Kornkasten, Knabenschule und Seifensiederhaus so massiv umgebaut, „dass das mit Denkmalschutz nichts mehr zu tun hat“.

Bernhard Reisner

Natürlich, sagt Reisner mit Nachdruck, stehe für die Mitglieder des Vereins Denkmalschutz über allem. „Aber wo nichts ist, kann man nichts schützen.“ Einzige Ausnahme sei die Bordüre am geschwungenen Giebel des Seifensiederhauses. Aus diesem Grund und weil der jetzige Zustand unbedingt ein Ende haben müsse, spreche aus Vereinssicht nichts gegen die Pläne für das Gebäude. Reisner: „So viel Pragmatiker sind wir auch.“ Voraussetzung: Die alte Fassade wird möglichst originalgetreu wieder aufgebaut, damit das optische Gesamtbild wieder stimmt. „Auch wenn das dann nicht mehr als ein Kulissenbau ist“, sagt Reisner.

Dass man genau das vorhat, hat Mosler immer wieder betont – wohlwissend, dass alles andere bei den Behörden sowieso nicht durchsetzbar wäre. Es gebe genügend Fotos aus dem Fundus des Historischen Vereins, die bei diesem Vorhaben helfen würden. Auch will er Stadt und Verein eng in die Planungen einbeziehen.

Mosler: Verträge sind unterschriftsreif

Sobald das Landratsamt in Bad Tölz seinen Segen erteilt hat, kann es losgehen, sagt Mosler. Der Investor, den er nach eigenen Worten gefunden hat, habe viel Erfahrung in der Immobilienbranche und sei über jeden Zweifel erhaben. Die Verträge seien unterschriftsreif. Mit den Änderungswünschen des Wolfratshauser Bauausschusses – der hintere Bereich war dem Gremium wie berichtet zu massiv geplant – könne man gut leben. Mosler: „Wir harren der Dinge.“

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