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Gespannte Blicke: Die Besucher auf der Empore verfolgen die Hallenbad-Debatte.

Interkommunales Hallenbad

„Sind nicht fähig zu entscheiden“

Wolfratshausen - Der Wolfratshauser Stadtrat hat im Rahmen der Debatte über das interkommunale Hallenbad die Verwaltung kritisiert. Die meisten Räte hatten erwartet, dass am Dienstag über die Beteiligung am Betriebskostendefizit abgestimmt wird. Das war nicht der Fall.

Als erste ergriff Annette Heinloth das Wort. „Ärgerlich“ nannte es die Grünen-Rätin, dass auf der Tagesordnung für die Stadtratssitzung am Dienstag zwar der Antrag der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) auftauchte, nicht aber die Beschlussvorlage zur Beteiligung am Betriebskostendefizit des interkommunalen Hallenbads in Geretsried. „Dabei hatten wir das vereinbart, nachdem Landrat Josef Niedermaier und der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller im Mai bei uns waren.“ Das Gremium beriet lediglich die BVW-Idee, die Wolfratshauser Schwimmstunden im neuen Bad auf zehn Jahre im Voraus zu buchen und Geretsried mit diesen knapp 30 000 Euro jährlich zu unterstützen.

Heinloth nannte den Antrag „grundsätzlich eine gute Idee“, die allerdings der einen oder anderen Änderung bedurft hätte. Weder dieser Bitte noch der Bitte um weitere Gespräche mit Geretsried sei die Verwaltung jedoch nachgekommen. Ein umfangreicher Fragenkatalog ihres Grünen-Kollegen Dr. Hans Schmidt sei erst kurz vor der Sitzung beantwortet worden. Unter diesen Voraussetzungen sei es schwierig, dem Antrag zuzustimmen, ergänzte Heinloth.

Unterstützung erhielt sie von Günther Eibl. „Auch die CSU hätte erwartet, dass wir heute darüber abstimmen“, monierte der Fraktionssprecher der Christsozialen. In dieser Erwartung habe er im Vorfeld der Sitzung viele Gespräche geführt. „Darüber hätte ich hier gerne gesprochen.“

Auch Fritz Meixner, Fraktionssprecher der SPD, bemängelte die Vorgehensweise der Verwaltung. Er sei „verwundert darüber, dass wir heute nicht über das jüngste Geretsrieder Angebot abstimmen, uns mit jährlich 105 000 Euro am Betriebskostendefizit zu beteiligen“. In der Fraktionssprechersitzung sei nicht darüber gesprochen worden, dass nur über einen Antrag abgestimmt wird. Die Entgegnung von Bürgermeister Klaus Heilinglechner – „Sie hätten ja einen Antrag stellen können“ – ließ Meixner nicht gelten. „Wir dachten, es sei selbstverständlich, dass dieser Punkt besprochen wird.“

„Nach dem Eingang der Tagesordnung gab es gar keine Möglichkeit mehr, einen anderen Antrag zu stellen, weil die Fristen verstrichen waren“, ergänzte Hans Schmidt. Er nannte es „menschlich nachvollziehbar“, dass sich etliche Gremiumsmitglieder getäuscht fühlen, weil nach dem Wechsel der Bürgermeister in Geretsried „plötzlich ein deftiges Betriebskostendefizit umgelegt werden soll, während der Landkreis sich nicht mehr daran beteiligen darf“. Dennoch sollte man das Angebot von Bürgermeister Müller nutzen „und uns alle, nicht nur die Fraktionsspitzen, von ihm erklären lassen, was hinter den Zahlen der Management-Präsentation der letzten Stadtratssitzung steht, damit Vertrauen entsteht“. In der September-Sitzung könne man dann „entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen wir uns beteiligen“.

Helmut Forster (Bürgervereinigung) zeigte sich über viele Wortmeldungen verwundert. „Seit 2011 haben wir fünf einstimmige Stadtratsbeschlüsse zu diesem Thema gefasst“, sagte der Wirtschaftsreferent. „Wir übernehmen die Schulstunden, die wir buchen, aber keine weiteren Kosten. Und wir halten uns an unsere Beschlüsse.“ Sein Fraktionskollege Josef Praller sagte, dass man zwar gerne im September erneut über das Thema sprechen könne. „Ob das zielführend ist, ist eine andere Nummer.“ Für Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) kristallisierte sich eines heraus: „Wir sind scheinbar nicht fähig zu entscheiden.“

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