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Ein Motorradunfall brachte die Wende: Stefan Oettl entdeckte nach der Reha den Sport für sich und fährt nun auf Sieg – wie hier beim „Kolsassberg Classic“ Ende September in Tirol. 

Radsport

Stefan Oettl: Einst starker Raucher, jetzt Rennrad-Ass

Wolfratshausen - Stefan Oettl vom RSC Wolfratshausen macht eine ungewöhnliche Karriere. Früher wog er 90 Kilo und war Raucher, jetzt gehört er zu den schnellsten Rennradfahrern Bayerns.

Kühtai, Brenner, Jauffenpass und Timmelsjoch – vier große Alpenpässe müssen die Teilnehmer des Ötztaler Radmarathons überwinden. Mit 238 Kilometern und 5500 Höhenmetern ist es einer der anspruchsvollsten und bekanntesten Radmarathons der Welt. „Eine ganz schöne Quälerei“, sagt Stefan Oettl lachend. Mit Rang elf hat er das beste Resultat eingefahren, das je ein Sportler des RSC Wolfratshausen beim „Ötzi“ erreicht hat. Ihm fehlten nur wenige Minuten auf das Podium. „Mit ein bisschen mehr Glück bei der Vorbereitung wäre vielleicht mehr drin gewesen“, sagt Oettl, der dennoch bewies, dass er zu den stärksten Rennradfahrern im Alpenraum zählt.

Seine Erfolgsliste ist lange. Unter anderem gewann er 2014 die Tour Transalp, ein Etappenrennen über die Alpen. In dieser Saison wurde der Tölzer Bayerischer Bergmeister und gewann das berühmte Bergrennen auf das Kitzbüheler Horn. Hinzu kommen zahlreiche weitere Top-Platzierungen in den vergangenen Jahren. 15 000 Kilometer pro Jahr trainiert Oettl, der aus der Jachenau stammt. Bei 1,75 Metern Körpergröße bringt er 63 Kilogramm auf die Waage – ein „Bergfloh“, wie es im Radsport heißt.

Das war nicht immer so: „Mit Mitte 20 hatte ich 90 Kilo und habe eine Schachtel Zigaretten am Tag geraucht“, erzählt er. Ein Motorradunfall und die folgende Rehabilitation brachten die Wende: „Ich habe zu joggen begonnen. Am Anfang musste ich schon nach 500 Metern pausieren – ich war fix und fertig. Ein Höhepunkt war es, als ich einmal zwei Kilometer geschafft habe“, erinnert er sich. Spinning im Fitnessstudio brachte ihn schließlich zum Radeln, das erste Rennrad kaufte er sich 2006 – mit 32.

Den ersten Radmarathon, seine Spezialdisziplin, fuhr er zwei Jahre später. Schon damals zeigte sich Oettls ungewöhnliches Talent für lange, schwierige Strecken: Bei seinem zweiten Wettkampf, dem „Engadin Radmarathon“, wurde er Zweiter – nur knapp geschlagen im Zielsprint von Ex-Radprofi Andreas Ortner. „Ich hatte gute Chancen auf den Sieg, aber überhaupt keine Ahnung von Renntaktik. Ich bin einfach immer Vollgas gefahren“, erinnert er sich. Ein erstes Ausrufezeichen in der Szene hatte er gesetzt.

Steil bergauf ging es mit seiner Laufbahn trotzdem nicht. Zwar tauchte der Name Oettl auch in den Wochen nach dem „Engadiner“ regelmäßig in den Ergebnislisten auf. Aber ein Bandscheibenvorfall Ende 2008 bremste ihn jäh aus. „Familie, Haus bauen, Job, Rennen fahren – das war damals einfach alles zu viel. Mein Körper hat gestreikt“, erzählt der Software-Entwickler, Vater von Sophie (15) und Hansi (13).

Der Bandscheibenvorfall war gleichzeitig der Beginn einer Verletzungsserie, die bis in diesen Sommer hinein reichte. Nachdem er die Rückenprobleme überstanden hatte, brach er sich 2010 den Oberschenkel und fiel die ganze Saison 2011 aus. „Anschließend bin ich im Prinzip kein Rennen schmerzfrei gefahren“, sagt er. Trotzdem gab es einige Erfolge, und seit Juli seien die Schmerzen weg. „Endlich läuft es wieder. Da merkt man, wie viel Spaß das Radeln macht.“ Und schon war er erneut an der Spitze – zum Beispiel beim „Kolsassberg Classic“ zum Saisonabschluss, einem bekannten Bergrennen in Tirol.

Deswegen ist Oettl, der überregional für das Rosenheimer Team Corratec in die Pedale tritt, zuversichtlich, in den kommenden Jahren weiter für Furore zu sorgen – auch wenn er sich mit 42 im Spätherbst seiner Karriere befindet. „Wegen der Verletzungen bin ich in den letzten Jahren immer unter meinem Potenzial gefahren, es geht aber noch viel mehr. Ich fühle mich besser denn je.“

Nach einer kurzen Erholungspause will er ab November wieder fleißig trainieren – 2017 soll der „Ötzi“ schließlich wieder einer seiner Saisonhöhepunkte sein: 238 Kilometer Kletterei, Qualen und Leiden über mehr als sieben Stunden. Der Tölzer freut sich darauf: „Wer weiß, mit etwas Glück ist diesmal vielleicht sogar das Stockerl drin.“

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