+
Seine Stimme hat Gewicht: Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber und seine Ehefrau Karin – sie sprechen sich für das interkommunale Hallenbad aus.

Ex-Ministerpräsident unterstützt Bürgerbegehren

Stoiber im Interview: "Das Bad wäre etwas Gemeinsames"

Wolfratshausen - Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber unterstützt das Bürgerbegehren zum interkommunalen Hallenbad. Im Interview kritisiert er zudem den negativen Stadtratsentscheid Wolfratshausens.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens für eine Beteiligung Wolfratshausens am interkommunalen Hallenbad haben zwei prominente Fürsprecher bekommen: Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber und seine Ehefrau Karin unterstützen das Vorhaben. Es ist das erste Mal, dass sich Stoiber öffentlich in die Kommunalpolitik einmischt. Seit 1961 wohnt er im Landkreis – zunächst in Waldram, dann sechs Jahre in Geretsried und seit 1978 in Wolfratshausen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Stoiber, warum für ihn als Wolfratshauser Bürger die Vorteile des geplanten interkommunalen Hallenbads überwiegen.

Herr Dr. Stoiber, Sie stellen sich hinter das Bürgerbegehren fürs Hallenbad. Warum?

Die Initiatoren haben mir in einer E-Mail Glückwünsche zu meinem 75. Geburtstag geschickt und mich auf diesem Weg auch gefragt, wie ich zu ihrem Vorhaben stehe. Ich habe spontan geantwortet und erklärt, dass meine Frau und ich das Bürgerbegehren unterstützen. Die Entscheidung des Wolfratshauser Stadtrats bedaure ich, weil sie für mich ein falsches Signal an das Mittelzentrum sendet. Es geht um die Möglichkeit, ein großzügiges Schwimmbad zu bekommen. Im Nordlandkreis gab es große Einigkeit, nur in Wolfratshausen ist es leider knapp dagegen ausgegangen. Mir ist in der Diskussion bislang zu kurz gekommen, dass alle Kommunen geschlossen mitmachen wollen.

Gehen Sie selbst gern Schwimmen?

Früher war ich mit meinen kleinen Kindern gern im Schwimmbad und in der Sauna in Geretsried. Das ist schon lange her – aber ich bin nicht der Maßstab. Es geht bei der Entscheidung für oder gegen ein interkommunales Bad nicht um mich persönlich. Es geht darum, dass wir möglichst viel Wasserfläche für die Familien, die Kinder, Schüler und Vereine wie die Wasserwacht bekommen.

Die Gegner des Projekts in Wolfratshausen sagen, die Beteiligung am Betriebskostendefizit ist mit 105 000 Euro jährlich zu teuer.

Ja, es geht um eine beachtliche Summe. Aber das Schwimmbad wäre für das Mittelzentrum etwas Gemeinsames, das so lange vorbereitet worden ist. Das Thema Hallenbad spielte schon in den 1960er- und 1970er-Jahren in Wolfratshausen eine große Rolle – aber ein eigenes, großes Bad ist nie realisiert worden. Jetzt ist die Chance da, etwas gemeinsam zu machen. Dem habe ich in meiner persönlichen Entscheidung als Wolfratshauser Bürger höhere Priorität zugewiesen als dem fiskalischen Gesichtspunkt.

In Ihrer Zeit als Staatssekretär, Innenminister und Ministerpräsident haben Sie nie öffentlich zu kommunalpolitischen Themen Stellung bezogen. Warum gerade jetzt?

Ich habe die Politik vor Ort immer schon intensiv verfolgt, aber habe mich nie eingemischt. Es sei denn, mich hat eine Stadt oder Gemeinde gebeten, politische Entscheidungen zu begleiten – zum Beispiel beim Thema Umgehungsstraße, der Städteplanung, der geplanten S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried oder den Problemen mit dem Geretsrieder Trinkwasser. Durch meine langjährige politische Arbeit kenne ich alle Akteure. Und als Wolfratshauser nehme ich natürlich auch immer an Bürgerbegehren in unserer Stadt teil.

Als Ministerpräsident galten Sie nicht als großer Freund der direkten Bürgerbeteiligung.

Inzwischen sehe ich das anders. Bürgerbegehren haben sich in Bayern sehr gut entwickelt. Sie sind eine neue Partizipationsmöglichkeit. Das Bürgerbegehren zum interkommunalen Hallenbad bedeutet, dass die Lokalpolitik nochmal mit den Bürgern reden und ihnen die Argumente pro und kontra erläutern muss. Das begrüße ich.

Mit den Stadträten Helmut Forster (Bürgervereinigung) und Dr. Manfred Fleischer (CSU) sind Sie oft gemeinsam beim Fußballverein BCF Wolfratshausen zusammen. Beide haben im Stadtrat gegen eine Beteiligung am Hallenbad in Geretsried gestimmt.

Ich habe mit ihnen lange über das Thema gesprochen. Es gibt auch gute Gründe für ihre Sichtweisen. Am Ende muss jeder für sich abwägen, wie viel ihm die gemeinsame Infrastrukturmaßnahme wert ist.

Auch die CSU-Stadtratsfraktion ist in der Frage Hallenbad gespalten.

Es geht hier um eine Sache, bei der jeder sehr schnell eine eigene Meinung hat. Ich glaube, meine Position hat auf das Klima in der Fraktion keinen großen Einfluss. Möglicherweise gibt es jetzt Leute, die sich bestätigt fühlen. Aber seien wir ehrlich: Bei landes- oder bundespolitischen Themen sagt der ein oder andere vielleicht: „Der Stoiber wird’s schon wissen.“ Bei lokalen Angelegenheiten ist das anders: Da ist jeder einzelne Bürger kompetent. Weil sich jeder damit beschäftigt, weil es jeden betrifft und sich jeder an der Diskussion beteiligen kann.

Lesen Sie auch: Kommentar - "Ein gelungener Coup" von Carl-Christian Eick

Das Gespräch führte Sebastian Dorn

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Gackerl im Gläschen</center>

Gackerl im Gläschen

Gackerl im Gläschen
<center>Mahlzeit - Die besten Rezepte aus ganz Bayern</center>

Mahlzeit - Die besten Rezepte aus ganz Bayern

Mahlzeit - Die besten Rezepte aus ganz Bayern
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas

Meistgelesene Artikel

Ein „Werk der Hoffnung“

Icking – Seit 70 Jahren gilt im Freistaat die bayerische Verfassung. Am Tag nach dem Festakt im Münchner Nationaltheater folgte Landtagsabgeordneter Florian Streibl der …
Ein „Werk der Hoffnung“

Besinnliche Sternstunde – von Kindern für Kinder

Wolfratshausen – Ein traditionelles vorweihnachtliches Konzert mit Krippenspiel erlebten die Besucher des „Wolfratshauser Advent“ am Sonntag in der Loisachhalle. Stadt, …
Besinnliche Sternstunde – von Kindern für Kinder

Ex-Merkur-Volontär will zum ESC: So lief das Casting

Waldram - Unter den besten 33 Deutschlands steht Alessandro Capasso aus Waldram schonmal. Jetzt soll es der große Wurf werden. Der 22-Jährige will zum Eurovision Song …
Ex-Merkur-Volontär will zum ESC: So lief das Casting

„Gut genug für die Bezirksliga“

Wolfratshausen - HSG-Teamsprecher Sebastian Raviol über den Sieg in Partenkirchen und unsportliche Szenen.
„Gut genug für die Bezirksliga“

Kommentare