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Virusträger: Der Kadaver einer solchen Reiherente wurde in Feldafing am Starnberger See gefunden. Der Verdacht auf den hochansteckenden Vogelgrippe-Virus H5N8 bestätigte sich.

Vogelgrippe-Verdacht bestätigt

Geflügel muss hinter Gitter

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Vogelgrippe hat den Starnberger See erreicht: Der Verdacht, dass die Reiherente, die Anfang der Woche tot in Feldafing gefunden worden war, am gefährlichen Virus gestorben ist, hat sich bestätigt. Seit Freitagnachmittag gilt in ganz Bayern eine allgemeine Stallpflicht für Geflügel. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut hatte das tote Tier untersucht und den derzeit grassierenden hochansteckenden Virustyp H5N8 nachgewiesen. Das hatte auch für den hiesigen Landkreis Konsequenzen: „Da sich das Tier möglicherweise an verschiedenen Uferabschnitten bewegt hat, müssen nun auch die Geflügelhalter, die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Umkreis von drei Kilometern um den Starnberger See angesiedelt sind, ihr Geflügel aufstallen“, teilte Pressesprecherin Marlis Peischer am Freitagvormittag mit. Auf Grundlage der Geflügelpestverordnung erließ die Kreisbehörde eine Allgemeinverfügung für die Beobachtungszone.

Nur wenige Stunden später verhängte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf für den ganzen Freistaat eine allgemeine Stallpflicht für Haus- und Nutzgeflügel. „Bayern geht entschlossen gegen eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe vor“, teilte die Ministerin am Freitagnachmittag mit. „Jetzt ist besonders wichtig, eine Ausweitung auf das Hausgeflügel zu verhindern.“ Zur engeren Vernetzung aller beteiligten Züchter, Halter und Privatpersonen sei bereits Anfang der Woche ein Koordinierungskreis auf Landesebene eingerichtet worden. Damit solle der bestmögliche Schutz gewährleistet werden. 

Wie Landratsamtssprecherin Peischer ergänzt, gelten für Geflügelhalter nun bestimmte Verhaltensregeln. Unter anderem müssen beim Betreten des Stalls die Schuhe desinfiziert werden. Betriebsfremde Personen dürfen nur mit Schutz- oder Einwegkleidung eintreten. Außerdem müssen alle Gerätschaften, die zur Aufstallung benötigt werden, nach dem Gebrauch gereinigt oder desinfiziert werden. Das gilt auch für Transportfahrzeuge oder Behälter, die das Virus tragen könnten. Geflügelhalter, die ihre Tiere noch nicht gemeldet haben, sind dazu angehalten, sich mit dem Veterinäramt in Verbindung zu setzen. Auch im Landratsamt ist man für den Ernstfall gerüstet. „Dort sind Schutzkleidung, Probenahmesäcke und andere Gegenstände zur Seuchenbekämpfung gelagert“, berichtet Amtstierarzt Dr. Georg Unterholzner auf Nachfrage unserer Zeitung. 

Wer einen toten Vogel findet, soll sich beim Veterinäramt oder der Polizei melden. Die Tierkörper können mit einem Plastikhandschuh aufgenommen und in eine dichte Plastiktüte gesteckt werden. Die Gefahr liegt laut Unterholzner momentan vor allem bei Wildwasservögeln wie Enten, Gänsen und Möwen. „Sie können an dem Erreger zwar erkranken und sterben, jedoch kommt es häufig auch nur zu einer latenten Infektion“, so der Amtstierarzt. „Dabei tragen die Tiere das Virus über Tröpfcheninfektion und Kot weiter, ohne selbst ernstlich zu erkranken. Das ist der Hauptgrund für die Ausbreitung der Vogelgrippe.“ Im Gegensatz zu Wildvögeln ende eine Infektion für Hühner und Puten immer tödlich. Auf Menschen und andere Säugetiere ist das Virus nicht übertragbar. Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern beruhigt: „Das für den Menschen gefährliche, mutierte Vogelgrippe-Virus H5N1 ist seit 2009 in Europa nicht mehr nachgewiesen worden.“ Allerdings können beispielsweise Hunde den Erreger über Futter, Wasser oder den Atem transportieren, weshalb aufgrund der derzeitigen Situation empfohlen wird, sie nicht frei laufen zu lassen. Dem Vögelfüttern im Winter sei allerdings nichts entgegenzusetzen, da auch Singvögel nicht als Überträger der Seuche infrage kommen. 

Brathendl-Liebhaber lassen sich den Appetit von der Vogelgrippe bislang nicht verderben. Abgesehen davon, dass der Erreger dem Menschen nicht schadet, „gibt es kein Virus, das 120 Grad aushält“, wie Unterholzner betont. Vince Balazs, der freitags den Hendlstand „Hertel’s Hähnchen“ vor der Tengelmann-Filiale an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen betreibt, meint: „Ich habe noch nicht feststellen können, dass weniger Leute Hähnchen kaufen.“ Auf die Vogelgrippe sei er noch nicht angesprochen worden. „Schlechtes Wetter schreckt die Leute eher ab, sich für ein Hähnchen anzustellen.“

Kleintiermarkt fällt aus 

Die Vogelgrippe hat auch Auswirkungen auf den Kleintiermarkt des Vereins für Rassegeflügel, Vogel- und Kaninchenzüchter in Weilheim. Die nächsten beiden Termine an den Sonntagen 10. Dezember und 8. Januar in der kleinen Hochlandhalle wurden abgesagt.

Magdalena Höcherl

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