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Nordlicht in der Provinz: Jörg Knuppe (Bernd Helfrich) bringt Leben nach Bollerbach. 

Loisachhalle

Tote Hose im Blauen Krug

Wolfratshausen – Entwicklungshilfe aus Berlin: Das Chiemgauer Volkstheater hat in der Wolfratshauser Loisachhalle mit „Nordlicht über Bollerbach“ rund 400 Zuschauer begeistert.

Als die unsichtbare Kuhglocke laut und nachhaltig bimmelt, wird es schlagartig ruhig in der Wolfratshauser Loisachhalle. Die rund 400 Zuschauer blicken erwartungsvoll Richtung Bühne. Der rote Vorhang geht auf und gibt den Blick frei auf ein gemütliches, offensichtlich bayerisches Wirtshaus, in dem allerdings nicht viel los ist. Schnell stellt sich heraus, dass den Wirtsleuten Monika und Matthias Birkmoser die Gäste fehlen.

Im Blauen Krug zu Bollerbach, irgendwo im ländlichen Bayern, ist „tote Hose“ und die Stimmung auf dem Nullpunkt. Wären da nicht die alte wissbegierige Nachbarin Thilde und der dem Alkoholgenuss selten abgeneigte Mesner Benedikt, die Wirtsleute hätten sicherlich schon lange zu gesperrt. Mitten hinein in die bedrohliche Lage platzt unvermittelt ein Nordlicht mit Berliner Zungenschlag und dickem Auto, der spendierfreudige Jörg Knuppe, dessen Vorauszahlung in bar auf mehrere Nächte im Gasthaus die prekäre Lage sichtbar entspannt. Noch dazu als Knuppe, offensichtlich sehr wohlhabend, kaum in der bayerischen Provinz angekommen, mit den Wirtsleuten am Stammtisch verlockende Ideen zur wirtschaftlichen Sanierung des Blauen Kruges diskutiert. Er scheint nicht abgeneigt, diese zinslos zu finanzieren.

So viel unverhoffte Aussichten auf bessere Zeiten wecken auch in Bollerbach Skepsis und Misstrauen, besonders bei der alleinstehenden Thilde und dem quirligen Bäckergesellen Rudi, der durch häufige Abstecher ins Wirtshaus seinem Arbeitsalltag in der Backstube ab und an zu entfliehen versucht.

Als ein Bankraub in der unmittelbaren Nachbarschaft Schlagzeilen macht, ist für Thilde der Fall klar. Das Nordlicht war’s! Doch mit der unerwarteten Ankunft von Frau Knuppe auf der Suche nach ihrem verschwundenen Gatten klärt sich alles auf. Ein Lotteriegewinn hat Herrn Knuppe über Nacht zum Millionär und seine Gattin zur berechnenden Kauffrau werden lassen, die mit dem unerwarteten Geldsegen bereits große Pläne hat.

Doch Knuppe – und das ist die Moral von der Geschichte – hat sofort erkannt, dass Geld alleine nicht nur nicht glücklich macht, sondern auch Begierden weckt und Missgunst fördert. Große Summen für wohltätige Zwecke zu nutzen, könnte diesem Umstand Abhilfe verschaffen. Was läge näher, als ein sterbendes historisches Wirtshaus wie den Blauen Krug mit neuen Nutzungsideen und zinslosen Krediten für Investitionen beispielsweise als Land-Disco zum neuen touristischen Anziehungspunkt zu machen und den Wirtsleuten die Zukunft zu sichern?

Erwartungsgemäß finden die sieben Protagonisten nach zwei Akten wunderbar zueinander. Knuppe überzeugt seine Gattin und macht Pläne für den Bau des eigenen Hauses neben dem Blauen Krug; die Thilde bekommt mit Mesner Rudi auf ihre alten Tage doch noch den ersehnten Lebenspartner; die Wirtsleute Birkmoser strahlen einer guten Zukunft entgegen, und der Rudi wird vom kinderlosen Knuppe vom Fleck weg adoptiert.

Ein fabelhaft berlinernder Knuppe (Harald Helfrich) neben der herrlich alten Schachtel Thilde (Mona Freiberg) und dem schlitzohrigen Kirchendiener Rudi (Egon Biscan) erheiterten ihr Publikum in einer routiniert gespielten, mit slapstickartigen Szenen garnierten Komödie. Dessen Botschaft mag dem einen oder anderen vielleicht banal vorkommen. Am Wahrheitsgehalt gibt es letztlich wenig zu rütteln.

Assunta Tammelleo

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