Nach dem Urteil zum Tanzverbot am Karfreitag 

Zwischen Party und Besinnung

Wolfratshausen - Das Bundesverfassungsgericht lockert das Tanzverbot am Karfreitag. Auslöser war eine Klage des Bunds für Geistesfreiheit. Dessen Vize-Vorsitzende: Assunta Tammelleo aus Waldram. Sie spricht nach dem Urteil von einem „Meilenstein“. Münsings Pfarrer Martin Kirchbichler befürchtet eine Zurückdrängung des christlichen Glaubens.

Assunta Tammelleo lässt die Sektkorken knallen. Wie es der Zufall will, trifft sich an diesem Donnerstag der Bund für Geistesfreiheit (BfG) zu einer Vorstandssitzung. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Tanzverbot am Karfreitag kommt der 55-Jährigen und ihren Mitstreitern gerade recht. „Ich habe am Dienstagabend einen Anruf vom Rechtsanwalt bekommen und erfahren, dass sich etwas tun wird“, sagt Tammelleo, die auch die Kulturbühne Hinterhalt in Gelting betreibt. Am Mittwoch um 8.30 Uhr hat er ihr das Urteil geschickt. „Klar habe ich mich darüber gefreut“, sagt sie. „Schließlich haben wir lange dafür gekämpft.“

Genau gesagt waren es neun Jahre. 2007 hat der BfG Beschwerde gegen das bayerische Feierverbot an Karfreitag beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Der Bund ist eine aus mehreren Ortsgemeinschaften bestehende freireligiöse Vereinigung in Bayern, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Trennung von Staat und Kirche zu erreichen. Tammelleo war damals Vorsitzende. „Wir haben das natürlich provoziert“, erinnert sie sich. An besagtem Karfreitag hätten rund 400 Partys, Musik- und Tanzveranstaltungen in München und Umgebung stattgefunden. „Wir haben gezielt in Aufmachung und Werbung dafür gesorgt, dass gerade unsere geplante Party unter dem Motto ,Heidenspaß statt Höllenqualen‘ vom Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising entdeckt und beim Kreisverwaltungsreferat München angezeigt wurde.“ Die Folge: Das Amt verbot die Party und kassierte für seinen Bescheid 300 Euro. Dem BfG stand der Klageweg frei.

Neun Jahre und vier gerichtliche Niederlagen später spricht Tammelleo von einem „Meilenstein der deutschen Rechtsprechung“. Immerhin bedeute das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dass Menschen, die nicht im christlichen Sinne gläubig sind, nicht dazu gezwungen werden dürften, diesen Tag in der bisherigen strengen Auslegung leben zu müssen. „Wir sind nicht mehr dazu gezwungen, still zu sein. Mehr hat man nicht erwarten können.“ In Deutschland herrsche Religionsfreiheit, das schließt die negative Religionsfreiheit mit ein. „Warum sollen wir an einem für alle Menschen freien Tag nicht zu einem Fest oder zu einer Party in eine Gaststätte oder ein Theater einladen dürfen, um dort zu feiern und zur Musik zu tanzen?“

Pfarrer Martin Kirchbichler aus Münsing verteidigt das Tanzverbot am Karfreitag. „Es gibt Zeit zu lachen und Zeit zu trauern“, sagt er. Die Kartage vor dem Osterfest würden zu letzterem Bereich gehören, um dem Tod Jesu zu gedenken. „Das ist ein Tag im Jahr, an dem vieles anders ist als sonst“, sagt er. „Das hat die Funktion, einmal innezuhalten und nachzudenken.“ Grundsätzlich hält das Bundesverfassungsgericht an dem stillen Feiertag fest, sagt aber, dass es Ausnahmen geben muss. Pfarrer Kirchbichler findet, der Bund für Geistesfreiheit habe mit seiner Klage versucht, „dass ein bisschen an der christlichen Feiertagskultur gekratzt wird“. Schließlich stehe das Bündnis für die Förderung des Atheismus. „Es ist mir ein Dorn im Auge“, sagt der Münsinger, „dass die Bedeutung des Christentums zurückgedrängt werden soll“.

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