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Immer schön die Hände desinfizieren: Hygienefachkraft Carmen Drieschner und Dr. Stefan Schmidbauer, Ärztlicher Direktor der Kreisklinik legen größten Wert auf Sauberkeit. So müssen Mitarbeiter nach jedem Patientenkontakt ihre Hände reinigen. 

Wolfratshauser Kreisklinik

Vorreiter im Kampf gegen Keime

Wolfratshausen - Ins Krankenhaus geht man eigentlich, um gesund zu werden. Doch über 91.000 Menschen in Europa sterben jedes Jahr an Krankenhausinfektionen. Wie groß ist die Gefahr in der Wolfratshauser Kreisklinik?

Schon am Eingang der Kreisklinik steht ein Desinfektionsmittel-Spender. Die meisten Besucher gehen achtlos daran vorüber. Die Ärzte und das Pflegepersonal nehmen es genauer. Vor und nach jedem Patientenkontakt müssen sie ihre Hände vorschriftsgemäß von Keimen befreien. Tun sie es nicht, bekommen sie Ärger mit Hygienefachkraft Carmen Drieschner: „Manchmal überrasche ich sie und prüfe mit der UV-Lampe, wie gut ihre Händehygiene ist.“ Zu bemängeln hat sie allerdings nicht allzu oft etwas.

„Wir nehmen das Thema Krankenhausinfektionen extrem ernst“, sagt Dr. Stefan Schmidbauer, Ärztlicher Direktor und Hygienebeauftragter Arzt der Kreisklinik. Vor acht Jahren seien sie im Landkreis noch dafür belächelt worden, dass sie sich freiwillig als eine der ersten Gesundheitseinrichtungen an der bundesweiten „Aktion Saubere Hände“ beteiligten. Er weiß, wie überlebenswichtig Krankenhaushygiene für seine Patienten ist: In Europa stecken sich laut einer kürzlich veröffentlichten Studie jedes Jahr rund 2,6 Millionen Menschen mit Bakterien an, die sie in einer Klinik eingefangen haben. Viele dieser Erreger sind multiresistent, lassen sich also mit den gängigen Antibiotika kaum behandeln. Über 91 000 Patienten sterben daran – meist an einer Lungenentzündung oder einer Blutvergiftung. In Wolfratshausen habe es aber in den vergangenen drei Jahren keinen einzigen Todesfall infolge einer Krankenhausinfektion gegeben, betont Schmidbauer.

Das Gesundheitsamt in Bad Tölz, dem solche Ansteckungen gemeldet werden müssen, bestätigt das. Insgesamt holt sich etwa einer von 30 Patienten eine – meist weniger schwere – Infektion im Krankenhaus. „Da entsprechen unsere Zahlen dem deutschlandweiten Durchschnitt“, meint der Chefarzt der Chirurgie. Viele der Patienten tragen multiresistente Keime bereits in sich, wenn sie in die Klinik kommen. Besonders groß ist die Gefahr beispielsweise bei Heimbewohnern, Katheterträgern, Menschen mit chronischen Wunden oder auch Mitarbeitern von Schweinezuchtbetrieben, wie Schmidbauer erklärt. Denn: Resistenzen entstehen vor allem dort, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden.

Patienten aus diesen Risikogruppen werden deshalb bereits bei der Aufnahme auf gefährliche Erreger untersucht. Bei einem entsprechenden Verdacht werden sie sofort isoliert und „nach einem ausgefeilten Konzept behandelt“. Das soll dazu beitragen, dass sich resistente Keime nicht weiterverbreiten. Treffen solche schwer behandelbaren Erreger nämlich auf abwehrgeschwächte oder ältere Menschen mit anderen Grunderkrankungen, können sie schwere Infektionen verursachen.

Die besonders gefürchteten MRSA-Bakterien (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) fanden sich in der Kreisklinik im Jahr 2014 bei über 400 Patienten. „Doch nur in einem Fall konnte nicht ausgeschlossen werden, dass er sich hier bei uns infiziert hatte“, betont Schmidbauer.

Um Resistenzbildungen bei Bakterien einzudämmen, fordern Experten einen rationalen und sparsameren Umgang mit Antibiotika. In der Kreisklinik gibt es deshalb abteilungsspezifische Standards, die festlegen, welches Mittel bei welcher Infektion in welcher Dosierung und Therapiedauer sinnvoll ist. „Das kann der Arzt jederzeit über unser Intranet abfragen“, erklärt Schmidbauer: „Das Keimspektrum innerhalb der Klinik ist dabei bereits berücksichtigt.“ Ziel ist es, den jeweiligen Erreger wirkungsvoll zu bekämpfen und den Einsatz von Breitbandantibiotika zu minimieren.

Trotz all dieser Maßnahmen kann das Risiko von Krankenhausinfektionen nicht hundertprozentig vermieden werden. Das wissen auch die Hygienespezialisten Schmidbauer und Drieschner. Für umso wichtiger halten sie es, dass sich alle Klinikmitarbeiter an die strengen Regeln halten. Dafür sollen regelmäßige Schulungen und Kontrollen sorgen. Aber auch für Patienten und Angehörige hält Drieschner Aufklärungsbroschüren und individuelle Tipps bereit. Eine ihrer wichtigsten Empfehlungen: die gründliche Händedesinfektion vor und nach dem Besuch eines Patienten.

Clara Wildenrath

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