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Gespannt auf die ersten Bewohner der Flüchtlingsunterkunft (v.li.): Bürgermeisterin Uta Wüst, 3. Bürgermeister Jörg Scholler, Regine Langfeldt (Kirchenvorstand Waldkirche), Architekt Friedrich Barth, Pfarrer Bernhard Liess, Johanna Schrembs (Jugendhilfe Oberbayern) und Sabine Baumgartner (Vertrauensfrau des Kirchenvorstands).

Asyl-Premiere im Würmtal

Haus für unbegleitete Flüchtlinge eröffnet

Gräfelfing - In Gräfelfing sollen nach den Herbstferien die ersten unbegleiteten Flüchtlinge einziehen. Allen Beteiligten ist neben der Vorfreude auch etwas Anspannung anzumerken.

Die Doppelhaushälfte in der Wessobrunner Straße sieht aus wie neu. Und zu einem guten Teil ist sie das auch: Die Immobilie, die seit Jahrzehnten im Besitz der evangelischen Waldkirchengemeinde steht und lange Diakon Friedrich Doff-Sotta als Wohnsitz diente, erfuhr unter den Händen von Architekt Friedrich Barth eine Generalsanierung von Keller bis Dach, einschließlich neuer Fenster, Böden, Bäder und dem Dachausbau. Nun hält das Haus auf drei Ebenen Küche, Wohnzimmer, zwei Doppel- und ein Einzelzimmer sowie zwei Bäder vor, alles in strahlendem Weiß. Wie ein kurzes Atemholen zwischen der Sanierung und der neuen, fordernden Nutzung wirkte der Mittwoch: Da hatte die Kirchengemeinde die Bürgermeisterin, Nachbarn und die Öffentlichkeit eingeladen, sich ein Bild von dem neuen Wohnheim für unbetreute Flüchtlinge zu machen. Vieles ist noch nicht bekannt über die Neuen in der Wessobrunner Straße. Weder, aus welchem Land sie kommen, noch, wann sie genau einziehen. Nur so viel: Es werden fünf junge Männer zwischen 16 und 21 Jahren sein, die zuvor in anderen Wohngruppen und Einrichtungen lebten und sich dort als seriös und konstruktiv bewährt haben. „Mit ihrer Bewerbung für diese Einrichtung haben nur die gut organisierten Jungs eine Chance, die eine Schule oder Ausbildung besuchen“, sagt Johanna Schrembs von der Jugendhilfe Oberbayern, die die Einrichtung betreiben und die jungen Männer betreuen wird. Schrembs: „Diese Station ist für die jungen Leute der letzte Schritt vor der Verselbstständigung.“ Entsprechend selbstständig sollen sie auch ihren Alltag gestalten. Die Jungs sollen selber kochen, das Haus sauber halten, den Rasen mähen – „eher wie eine Familie, als eine Wohngemeinschaft“, so Schrembs. Auch das pünktliche Aufstehen und der Beginn des strukturierten Tagesablaufs soll in Eigenregie laufen. Betreuer werden täglich von 15 bis 22 Uhr und am Wochenende von 16 bis 23 Uhr vor Ort sein; zudem gibt es eine Rufbereitschaft für Sonderfälle. Außerdem steht nach Bedarf Lernhilfe oder die Begleitung zu einem Behördentermin zur Verfügung – „wie in einer normalen Familie auch“. Die Stimmung unter den acht Nachbarn, die der Einladung zur Besichtigung folgten, ist abwartend positiv bis skeptisch. Auch wenn die Bedenken nicht ganz abgeklungen sind, ist das ein Fortschritt; in den vergangenen Monaten gab es auch bittere Proteste. Freilich hätten sich manche in der Nachbarschaft auch heute eher eine Flüchtlingsfamilie gewünscht. „Dieses war ein Familienhaus, jetzt wird es eine Jugendherberge“, sagt der direkte Nachbar. „Aber es wird uns ja versprochen, dass die Jungs brav sind, also warten wir es mal ab.“ Dem Vernehmen nach wollte eine Nachbarin allerdings nicht abwarten: Sie soll im Zorn über die Planungen zur Flüchtlingsunterkunft ihren Wohnsitz aufgegeben und weggezogen sein.

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