Bewährungsstrafen für vier Kiffer

Mit 720 Gramm Marihuana erwischt

Erst ein Zufall ließ die „Kiffer-WG“ in Krailling auffliegen. Ein bestelltes Paket mit Marihuana-Samen landete bei der Nachbarin, die es vermutlich versehentlich öffnete.

Einer der vier Angeklagten hinterließ ihr auf dem Klingelschild seine Handynummer und den Hinweis, sie solle sich doch bitte bei ihm melden. Das tat sie auch – aber nach Rücksprache mit der Polizei. Die Beamten durchsuchten das Anwesen. Das Ergebnis: 29 Pflanzen zum Anbau von Marihuana, zudem über 720 Gramm der Droge. Im Keller fanden sich zwei Zelte, Beleuchtung und Lüftung – professionelle Ausstattung zum Anbau von Marihuana.

Drei Kraillinger lebten in der WG, ein Starnberger half offenbar mit. Einer der Angeklagten, ein 32-jähriger Student aus Krailling, erklärte für seine Freunde vor dem Starnberger Amtsgericht: „Die Qualität auf dem Markt ist immer schlechter geworden, wir sind von dem Zeug alle krank geworden. Da kam uns der Gedanke, wir können es uns selbst ziehen.“ Erfolgreich stellten die Vier die Droge aber nur hinsichtlich der Quantität her, der THC-Gehalt war weit unter dem Durchschnitt. „Wenn ich das verkaufen müsste“, erklärte daher eine Verteidigerin, „müsste ich ja mit zwei vollen Aldi-Tüten spazieren gehen.“

Dass die Produktion lediglich für den eigenen Konsum und nicht für den Handel bestimmt war, kam den Angeklagten, die nicht vorbestraft waren, zugute. Ebenso der positive Lebensweg, den die geständigen Männer nach dem Vorfall beschritten haben. Nun sind alle Vier in Vollzeitjobs oder im Studium. Vom Rauschgiftmilieu, so die Verteidigung, hätten sich die Angeklagten längst entfernt. Zeit genug, diesen Weg zu gehen, hatten sie – die Anzeige gab es im Januar 2014, das Verfahren nun erst zweieinhalb Jahre später.

Für Diskussion im Gerichtssaal sorgte die Frage, ob es sich um einen bandenmäßigen Anbau von Marihuana handelte. Richterin Brigitte Braun: „Es liegt sicher im unteren Bereich, aber ist nach der Rechtsprechung verwirklicht.“ Auch der vierte Angeklagte aus Starnberg, der nicht in der WG lebte, habe Besitz an den Drogen gehabt.

Braun verurteilte die vier Männer zu Haftstrafen zwischen 15 und 18 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, sowie Zahlungen von bis zu 1800 Euro an die Starnberger Suchtberatung Condrobs, beziehungsweise die Ableistung von Sozialstunden. Die Verurteilten müssen zudem weiterhin über Haar- und Urinproben nachweisen, dass sie kein Rauschgift mehr konsumieren. Drei der Angeklagten nahmen ihre Strafe an. Der Starnberger (30) erwägt, das Urteil anzufechten.

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