Claudia Costa hält Mischling Pipo auf dem Arm: Die Neuriederin ist glücklich, dass ihr Hund die Gift-Attacke vom Samstag überlebte – dank intensiver ärztlicher Behandlung. Foto: dr

Mischling Pipo überlebt Giftköder

Neuried - Der Radius, in dem giftige Köder auftauchen, wird immer größer. Auch in Neuried hat jetzt ein Hund Schneckenkorn gefressen.

Die Zahl der präparierten Köder, die offenbar gezielt Hunde töten sollen, steigt stetig an. Und auch das betroffene Gebiet wird immer größer. Nachdem mit Schneckenkorn oder Rasierklingen versetzte Fleischstücke in den letzten Monaten schon in der Umgebung von Starnberg, Tutzing, Germering, Krailling, Gauting und Unterbrunn aufgetaucht waren, ist nun auch Neuried betroffen.

Am Samstag bemerkte die Neuriederin Claudia Costa, dass ihr drei Jahre alter Mischling Pipo plötzlich motorische Störungen zeigte. Eine Stunde zuvor war ihr Mann mit dem Tier spazieren gewesen. Der hatte dabei beobachtet, wie der Hund am Neurieder Ortsrand, im Bereich von Haderner Winkel und Falkenweg, einen dunklen Gegenstand ins Maul genommen und geschluckt hatte. So machte sich Claudia Costa umgehend auf den Weg in die Praxis von Dr. Hans Schwarz. Der verabreichte ein Brechmittel, woraufhin das fünf Kilo schwere Tier laut Schwarz „zwei Handvoll“ eines blauen Granulats von sich gab, bei dem es sich um Schneckenkorn gehandelt haben dürfte. Aussehen und Symptome passten.

Bei Hunden wirkt das Gift auf das Nervensystem. Sie zittern stark, dazu kommen so genannte tonisch-klonische Krämpfe, ähnlich einem epileptischen Anfall. Werde die Vergiftung nicht rechtzeitig behandelt, führe letztlich Kreislaufversagen durch Überanstrengung zum Tod, erklärt Dr. Schwarz. Magenspülung und Abführmittel sollen möglichst viel von dem Gift aus dem Körper befördern. Dann wird das Tier so lange immer wieder in Narkose gelegt, bis beim Aufwachen keine Krämpfe mehr auftreten.

Der Hund von Claudia Costa war erst am Montag wieder außer Gefahr. Sie selbst sei „erstmal total happy“, aber sehr verunsichert. In der Zwischenzeit hatte sie warnende Plakate aufgehängt und den Vorfall bei der Polizei in Planegg gemeldet. Auf eine Anzeige hat sie verzichtet, auch weil man ihr gesagt habe, dass das wenig bringe.

Auf der Dienststelle gingen am Wochenende auch mehrere Meldungen über verendete Füchse ein, die aber zunächst im Zusammenhang mit einem Fund im Forstenrieder Park gesehen wurden. Dort waren auf einer Wiese neben einem Spielplatz größere Mengen eines blauen Granulats entdeckt worden (wir berichteten). Die Polizei sperrte den Bereich ab, die Feuerwehr nahm Proben. Die liegen derzeit zur Untersuchung in der Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

So lange die chemische Analyse nicht vorliegt, will die Planegger Polizei nichts tun. „Wir gehen im Moment davon aus, dass es sich um Dünger, so genanntes Blaukorn, handelt“, sagt der stellvertretende Inspektionsleiter Erich Greiner. Und auch wenn in seinem Inspektionsbereich Schneckengift verteilt würde, seien die Möglichkeiten begrenzt. „Nur wenn jemand einen Täter sieht und uns sofort benachrichtigt, kann man etwas machen.“

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