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Noch ist hier der Quell des Neurieder Wassers: Doch die Kaverne im Auerberg bei Oberau soll für die Gemeinden im Münchner Umland bald tabu sein.

Trinkwasserversorgung

Neuried will Wasserquelle nicht aufgeben

Neuried soll in Zukunft kein Trinkwasser mehr aus dem Loisachtal bekommen. Das will die Gemeinde offenbar nicht hinnehmen.

Ein alter Deal: Müll gegen Wasser

„Das hat uns wirklich überrascht“, sagt Bürgermeister Harald Zipfel. Er habe sich einfach nicht vorstellen können, dass Trinkwasser in Neuried zum Thema werden könnte. „Es gibt schließlich Vereinbarungen aus den 60er Jahren.“

Die Stadt München habe früher ihren Müll auf Neurieder Gebiet verklappt. Im Gegenzug habe die Stadt später zugesagt, die Wasserversorgung der Gemeinde zu übernehmen, sagt Zipfel. Das tun die Stadtwerke München zwar. Doch das Wasser, das in die Neurieder Haushalte fließt, kommt aus dem Loisachtal. Da liegt das Problem.

Wie der Münchner Merkur berichtet hatte, hat die Gemeinde Farchant durchgesetzt, dass in Zukunft nicht mehr so viel Wasser wie bisher aus ihrem Gebiet in den Hochbehälter der Stadtwerke im Forstenrieder Park fließen darf. Andernfalls hätte Farchant seine Wasserschutzgebiete ausweiten und sich damit in seiner Ortsentwicklung beschränken müssen.

Das Loisachtal ist das zweitgrößte Entnahmegebiet der Stadtwerke, die Neuried mit dem Wasser aus den Gemeinden Farchant und Oberau mitversorgen. Wegen der Reduzierung der maximalen Entnahmemenge hat das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen der Gemeinde Neuried nun nahegelegt, sich dem Würmtal-Zweckverband anzuschließen, der in Gauting, Krailling, Planegg und Gräfelfing die Trinkwasserversorgung und die Abwasserbeseitigung übernimmt.

Ein Bescheid aus dem Dezember 2015 besagt, eine Entnahme für Neuried und fünf weitere Gemeinden im Münchner Umland werde längstens bis 31. Dezember 2025 geduldet. Die Behörde stützt ihre Forderung auf das Wasserhaushaltsgesetz. Das sieht vor, dass der Bedarf der Bevölkerung „vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken“ sei.

Die Zukunft der Neurieder Trinkwasserversorgung scheint völlig offen. Den Zielen des Wasserhaushaltsgesetzes am nächsten käme wohl, wenn sich auf Neurieder Gebiet – oder auch im Forstenrieder Park, den Neuried in Teilen bekanntlich gerne eingemeinden würde – nutzbare Wasservorkommen fänden, die man dann aber wohl selber fördern müsste.

Es gibt gültige Verträge mit den Stadtwerken

Oder die Stadtwerke sehen sich trotz der reduzierten Entnahmerechte im Loisachtal weiter in der Lage, genug Trinkwasser bereit zu stellen. Nur etwa ein Fünftel des Münchner Gesamtwasserverbrauchs kommt von dort. Zudem gibt es Versorgungsverträge zwischen der Stadt und Neuried. Doch die Stadt wächst, und es bliebe die Frage der Rechtmäßigkeit, wenn das Wasser de facto weiter aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen kommt, der die Mitversorgung Neurieds und des Münchner Umlandes für die Zukunft ausdrücklich ablehnt. Die dritte Möglichkeit wäre die Aufnahme Neurieds in den Würmtal-Zweckverband – falls dessen Quellgebiete genug Trinkwasser für eine weitere Gemeinde hergeben. Dann würde sich auch die Frage stellen, ob der Zweckverband das Leitungsnetz übernehmen und umbauen müsste.

Bislang werden die Neurieder Haushalte direkt aus der großen Hauptleitung der Stadtwerke versorgt, die aus dem Hochbehälter im Forstenrieder Park quer durch die Gemeinde ins Münchner Stadtgebiet führt. Ein direkter Anschluss Neurieds an das Leitungsnetz des Zweckverbandes wäre aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und der geographischen Lage aufwendig.

 

Beim Zweckverband gibt man sich zurückhaltend. Geschäftsführer Klaus Krüger sagt: „Das ist bei uns derzeit kein Thema.“ Bevor er sich mit einer Aufnahme Neurieds befasse, müsse es erst eine Anfrage geben, dann eine politische Aussage der Mitgliedsgemeinden. Erst dann würde der Zweckverband prüfen, ob seine Quellen die gut 500 Millionen Liter Trinkwasser hergeben könnten, die Neuried im Jahr benötigt.

In Neuried meint man schon zu wissen, dass der Zweckverband das nicht dauerhaft leisten kann. Wegen eines Antrags des Gemeinderats Bernd Quintenz (W-BIN) auf Widerspruch gegen den Garmischer Bescheid kommt das Thema in den nächsten Gemeinderat. Letzte Woche hatte es im Rathaus noch geheißen, man wolle erst mit einem Fachbüro die Handlungsoptionen prüfen.

Gemeinde will weiter Wasser aus dem Loisachtal

In der jetzt veröffentlichten Sitzungsvorlage steht, die Verwaltung gehe davon aus, weder die Gemeinde selbst noch der Zweckverband könnten Neuried – mit „vertretbarem Aufwand“, wie es im Wasserhaushaltsgesetz heißt – versorgen. Kann die Gemeinde das nachweisen, müssen die Oberland-Gemeinden wohl weiter hinnehmen, dass Trinkwasser aus ihren Quellen aus Neurieder Hähnen fließt.

Vorerst keine eigene Klage

Von einer Klage gegen den Bescheid will die Neurieder Verwaltung zunächst absehen. Man könne von anderen Urteilen zu bereits eingereichten Klagen (aus Unterhaching und Neubiberg) profitieren. Eventuell würden auch die Stadtwerke selbst klagen

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