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Wissenschaftler schieben das in Silberfolie verpackte Super-Teleskop eROSITA in den PANTER-Vakuumtank. Dort wird es auf die im Weltraum herrschenden extremen Temperaturen getestet.

Max-Planck-Institut

Super-Teleskop: Aus Neuried ins All

Neuried - Ein 87 Millionen Euro teures Super-Teleskop wird derzeit in einem unscheinbaren Tank im Neurieder Gewerbegebiet auf Herz und Nieren geprüft. Bald hat es eine Mission im Weltall zu erfüllen.

Wenn man Vadim Burwitz zuhört, hört sich das an wie Science-Fiction. Nur: Mit Fiktion hat das nichts zu tun. Mit Wissenschaft dafür umso mehr. Burwitz und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching haben vor, den Himmel zu vermessen. Sie sind auf der Suche nach dunkler Energie und Galaxienhaufen. Sie wollen ganz tief ins Universum schauen und bis zu eine Million neue Sterne entdecken.

Was für den Laien abstrakt klingt, ist kurz davor, Realität zu werden; das Ziel von Burwitz und seinen Kollegen ist bereits zum Greifen nah. In der Röntgentestanlage des MPE mit Namen PANTER, versteckt im Neurieder Gewerbegebiet, testen sie gerade ein Teleskop, wie es die Welt noch nicht gesehen hat: eROSITA. Erstmals wurde es dort im Oktober komplett zusammengebaut, und seit anderthalb Monaten wird es jetzt auf Herz und Nieren überprüft. Seine Daten laufen auf 30 Monitoren zusammen und werden genauestens überwacht.

Im Jumbo geht es nach Moskau

Diese Woche finden noch einige finale Tests statt. Nächste Woche soll das Gerät dann das Würmtal verlassen. In Neuried wird es verpackt und soll Anfang Januar mit einem Jumbo nach Moskau fliegen. Anschließend wird es auf einen russischen Satelliten geschraubt und im kommenden Jahr von Baikonur / Kasachstan ins All geschickt.

Dann können Burwitz und die Wissenschaft genauer beobachten, wie schnell das Universum weiter auseinanderdriftet. „Und wir können die Röntgensignatur von 100 000 Galaxienhaufen finden“, sagt er in Vorfreude. Mit ROSAT, dem Vorgänger von eROSITA, wurden in acht Jahren etwa 200 000 Objekte im All entdeckt. Jetzt sagt der Leiter der Röntgentestanlage Burwitz: „Wir erwarten fast eine Million neue Sterne und Millionen aktive Galaxien.“

eROSITA wiegt fast 850 Kilogramm, ist drei Meter hoch und hat einen Durchmesser von zwei Metern. „Es ist eigentlich sehr leicht“, sagt Burwitz. Denn er hat im Hinterkopf, was es alles kann. Das Teleskop besteht aus sieben einzelnen Teleskopen, sieben Spiegeleinheiten und sieben Kameras. „Da kann man viel mehr sehen als mit einer Kamera“, sagt er.

Im Testtank herrschen eisige -180 Grad Celsius

Damit oben im Weltall später so wenig schief geht wie möglich, wird jetzt in Neuried simuliert. Im Tank, in dem getestet wird, wurden einige Kühlflächen auf -180 Grad Celsius heruntergekühlt, um Weltraumbedingungen zu simulieren. Das Teleskop wurde dafür mit mehreren Schichten einer Art Rettungsfolie verpackt, damit es ihm nicht zu kalt wird im All. Soweit so klar. Doch jetzt wird es kompliziert: Während die Teleskopspiegel vor der extremen Weltraumkälte geschützt und auf Raumtemperatur gehalten werden sollen, müssen die Detektoren und die Elektronik gleichzeitig heruntergekühlt werden, damit sie nicht überhitzen. Im Weltall gebe es keine Luft, die die Hitze ableiten kann, erklärt Burwitz. Also herrscht im Tank ein Vakuum, ein teils bitterkaltes Vakuum. „Es ist die Suche nach dem optimalen Gleichgewicht“, sagt Burwitz.

Obgleich die Tests mit dem Teleskop diese Woche ein Ende finden sollen und dies der letze Schritt vor dem Flug ins All war, wartet auf Burwitz und seine Kollegen noch jede Menge Arbeit. Denn eROSITA wird ihnen künftig einmal täglich Daten schicken, die dann in Garching verarbeitet werden – allerdings wird nur die Hälfte der Daten von Wissenschaftlern aus Deutschland ausgewertet. Die andere Hälfte der Daten wird den russischen Wissenschaftlern gehören und von ihnen ausgewertet. „Wir zahlen mit Daten“, erklärt Burwitz. Die Russen finanzieren den Satelliten und den Start ins All und betreuen die Mission. Als Gegenleistung bekommen sie die Hälfte des Himmels. Das wiederum klingt nicht nach Science-Fiction, sondern nach James Bond. „Aber diese Aufteilung ist üblich bei wissenschaftlichen Kollaborationen“, erklärt Burwitz. Immerhin hat eROSITA rund 87 Millionen Euro gekostet.

Viktoria Strachwitz

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