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Vorläufiges Zuhause im Flüchtlingsheim Planegg: Asyl-Koordinator Mohamed Chadid (4. v. re.) mit einem Teil seiner Schutzbefohlenen (v.li.), Said Ranim, Khalil Anmani, Abdul Gafar Mamozai, Muhammad Irfan, Adnan Akbar, Muhammad Sohail, Khyal Mohamed Nabizada und Abdikanim Xiiseen.

Asyl-Koordinator: Eine erste Bilanz

„Gold wert für Alltagsgeschichten“

Statt Bürgerbeschwerden über die Asylbewerber gehen in Planegg Anfragen nach Arbeitskräften ein. Zu verdanken ist dieser Wandel Mohamed Chadid.

Planegg – Martin Götz, Leiter des Planegger Ordnungsamtes, erinnert sich noch gut an den Sommer 2015. Damals diente eine der beiden Turnhallen des Feodor-Lynen-Gymnasiums (FLG) als Notunterkunft für Flüchtlinge. Hunderte E-Mails mit Pöbeleien, aber auch Morddrohungen gingen bei ihm und seinen Kollegen im Rathaus ein. Die FLG-Halle steht längst wieder Schülern und Sportvereinen zur Verfügung. Im Mai wurde eine eigens für Asylbewerber errichtete Unterkunft auf dem Friedhofsparkplatz in der Fürstenrieder Straße bezogen, im Juli eine zweite auf dem ehemaligen Bolzplatz im Parc de Meylan in Martinsried. Seit Juni beschäftigt die Gemeinde einen Asyl-Koordinator in Vollzeit, 40 Stunden pro Woche. Götz’ erstes Fazit: „Die Beschwerden haben sich minimiert.“

Mohamed Chadid kam vor 16 Jahren aus Marokko nach Deutschland. Er spricht neben Deutsch, Englisch, Französisch auch Arabisch. Seine Stelle als Asyl-Koordinator ist zunächst auf zwei Jahre befristet. In den knapp sechs Monaten seit seinem Arbeitsantritt hat er sich als unentbehrlich erwiesen. „Er ist Gold wert für Alltagsgeschichten“, sagt Bärbel Zeller, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsförderung im Planegger Rathaus. Chadid ist Ansprechpartner für die Bewohner der Unterkünfte, begleitet sie im Bedarfsfall zum Arzt oder zum Anwalt. Gemeinsam mit Mitgliedern des Helferkreises bereitet er die Asylbewerber auf die persönliche Anhörung vor, dem wichtigsten Termin innerhalb des Asylverfahrens. „Wir sind alle ein Team. Es klappt super mit dem Helferkreis“, sagt Chadid. Als Bürgermeister Heinrich Hofmann ein Arbeitsvermittlungsprogramm ins Leben rief, sorgte der Asyl-Koordinator dafür, dass jeder Bewohner einen Fragebogen ausfüllte mit Angaben zu seinen bisherigen Berufserfahrungen und Wünschen.

70 männliche, alleinstehende Asylbewerber sind in der Fürstenrieder Straße untergebracht, 48 Asylbewerber, darunter Familien mit insgesamt 14 Kindern, leben in der Bunsenstraße in Martinsried. 49 Personen gehen laut Chadid einer regelmäßigen Arbeit nach, in Gartenbaubetrieben, in Reinigungsfirmen oder Restaurantküchen. Ein Iraker fand auf Eigeninitiative eine Stelle als IT-Experte in Hallbergmoos.

Die Gemeinde konnte fünf Stellen vermitteln. „Die Nachfrage aus der Wirtschaft ist vorhanden“, sagt Ordnungsamtsleiter Götz. „Wir könnten vermutlich alle unterbringen, wenn ausreichende Deutschkenntnisse vorhanden wären.“ Sprach- und Integrationskurse laufen. Die zehn schulpflichtigen Kinder besuchen die Grundschule Martinsried.

Ein Pakistani, der keine Aussicht auf Bleiberecht hatte, kehrte in seine Heimat zurück. Zwei weitere Personen erhielten inzwischen ihren Abschiebungsbescheid. Der eine von ihnen ging nach Italien zurück, wo er zuerst als Asylbewerber registriert worden war. Vier Flüchtlinge sind mittlerweile anerkannt. Drei wohnen noch in den Planegger Unterkünften, einer ist nach Leipzig gezogen.

Nicole Kalenda

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