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Ans Herz gewachsen sind Christina Grüner die Menschen in Ritsona. Ende September fliegt sie wieder hin.

Martinsriederin hilft in griechischem Flüchtlingslager

Leid, das nicht mehr loslässt

Christina Grüner hat vier Wochen in einem griechischen Flüchtlingslager mitgeholfen. Ende September will die Martinsriederin wieder hinfliegen – mit Spenden für einen Toilettencontainer.

Sie hat es sofort bereut. Doch als Christina Grüner Ende Juli im Flieger nach Hause sitzt, muss sie erst einmal zurück nach Bayern. „Ich wusste aber in diesem Augenblick, dass ich wieder kommen werde“, sagt die 19-jährige Martinsriederin.

Viele, die im Sommer ihr Abitur erfolgreich bestanden haben, denken erst einmal an Party, Urlaub oder die Welt sehen. Christina Grüner nicht. Seit Monaten hatte sie die Nachrichten über das Flüchtlingscamp Idomeni in Griechenland verfolgt. Das große Leid der Menschen, die versuchen, sich und ihren Familien ein besseres Leben zu verschaffen, ließ sie nicht mehr los. „Ich wollte selbst etwas tun.“ Die junge Frau informierte sich im Internet über verschiedene Organisationen, die in Griechenland Flüchtlingscamps betreuen und entschied sich dann für „Echo 100Plus“, eine österreichische Wohltätigkeitsorganisation.

Ende Juni ging es los. Sehr aufgeregt, aber auch sehr neugierig, was da wohl alles auf sie in den nächsten vier Wochen zukommen würde. „Ich war noch nie so lange alleine weg“, sagt Grüner. Ihr Ziel: Das Camp Ritsona, zwei Stunden Autofahrt von Athen entfernt. Eine Zeltstadt mit 154 Zelten und über 600 Flüchtlingen. „Fast die Hälfte sind Kinder und fast ausschließlich sind sie aus Syrien geflüchtet.“

Die ersten beiden Wochen unterstützte sie „Echo Plus100“. Nach dieser Zeit übernahm das Militär, das sich schon davor um die tägliche Essenslieferung gekümmert hatte, die Leitung des Camps, und Grüner half in den letzten 14 Tagen als „Independent Volunteer“ – als unabhängiger Helfer.

„In einem Zelt leben zwischen einer und zehn Personen“, berichtet die Absolventin der Münchner FOS für Wirtschaft. Die Anzahl der Menschen pro Zelt hänge von der jeweiligen Familienzugehörigkeit ab. So kann ein Zelt auch mit nur einem Mann belegt sein. Eine nicht gerechte Verteilung findet Grüner. „Gerade jetzt im Sommer ist es unglaublich heiß in Griechenland. Wir haben in den Zelten teilweise über 50 Grad gemessen.“ Eine Tatsache, die laut der freiwilligen Helferin der Privatsphäre in keinster Weise zuträglich ist, da die Zelttüren ob der Hitze ständig offen stünden.

Die Unterkunft Ritsona liegt im Nirgendwo, so Grüner. Die nächste Stadt sei in vier Stunden Fußmarsch zu erreichen. „Damit besteht kein Kontakt zur Außenwelt. Die Menschen sind isoliert wie in einem Gefängnis.“ Grüner empfindet die Lage im Camp als unzumutbar. Ein paar Mal übernachtete sie selbst dort, um genau zu wissen, wie es ist. „Tagsüber schwirren viele Fliegen umher. Nachts sind es massenhaft Moskitos.“ Auch an die Geräusche, weinende Kleinkinder, die dünnen Matten direkt auf dem Boden – all dies sei sehr gewöhnungsbedürftig.

„Die Flüchtlinge müssen mit weniger als wenig zurechtkommen“, sagt Christina Grüner. Trotzdem seien sie sehr kreativ. So hätte ein Mann zum Beispiel sein Zelt mit einer alten Plastikplane vergrößert, sich mit Brettern und Nägel ein Bett gezimmert und aus Lehm und Wasser einen Ofen gebaut. Grüner: „Die Leute bemühen sich, ihre paar Quadratmeter sauber zu halten.“ Es sei schließlich ihr einziges Zuhause.

Der 19-Jährigen ist anzumerken, wie sehr sie diese Thematik bewegt und dass sie die Schicksale dieser Menschen nicht beiseiteschieben kann. Das liegt sicherlich auch daran, dass sie mit einigen der Bewohner Freundschaften geschlossen hat. Menschen, die ihr ihre Geschichten anvertraut haben. „Einer hat mir erzählt“, so Christina, „wie die Bomben in Syrien auf sein Haus gefallen sind.“ Ein Junge hielt seine Mutter sterbende Mutter in den Armen. Frauen berichten, wie sie ihre Babys mitten auf der Straße gebären mussten. Alpträume.

Jetzt sind sie zwar faktisch in Sicherheit, warten jedoch monatelang auf ihre Registrierung. „In den vier Wochen, in denen ich dort war, verließen das Camp genau drei Personen. Dafür kamen 30 Neue dazu.“ Teilweise desillusioniert, denken auch viele syrische Flüchtlinge über eine Rückkehr in ihr Heimatland nach. Grüner weiß warum: „Lieber dort einen schnelleren Tod finden, als hier einen langsamen zu sterben.“

Das Los der Menschen bleibt für die angehende Studentin ein ständiger Begleiter. „Ich möchte unbedingt zurück nach Ritsona.“ Mit zwei Freundinnen plant sie, Ende September wieder nach Griechenland zu fliegen. Diesmal länger und mit einem Projekt im Gepäck. „Die hygienische Zustände, gerade die Toiletten für Kinder, sind völlig unzureichend. Mit einer Spendenaktion via Internet möchten wir deshalb einen Toilettencontainer speziell für Kinder anschaffen und ihn im Camp aufstellen.“ Damit die Menschen in ihrem Heimatland mehr über die Situation im Flüchtlingscamp erfahren, zeigte Grüner am Münchner Richard-Strauss-Brunnen bereits eine kleine Ausstellung mit Fotos und Berichten über die Menschen in Ritsona.

hoe

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