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Ein Würmtaler in Australien: Der Planegger Jürgen Reinhold (li.) sorgte im Bolschoi und im Kupferhaus für guten Klang. Mit Kollege Gunter Engel nimmt er sich jetzt Sydney vor.

Planegger Firma Müller-BBM renoviert das Sydney Opera House

Eine Lösung für die große Muschel

Das Planegger Ingenieursbüro Müller-BBM ist sehr renommiert. Nun könnte das Ansehen weiter steigen, steht doch das Opernhaus in Sydney auf der Agenda.

Planegg – Gunter Engel und Jürgen Reinhold sind Spezialisten für Raumakustik bei Müller-BBM. Die beiden haben die Projektleitung für Sydney übernommen. Die Planegger Ingenieurgesellschaft war, wie eine Handvoll anderer Firmen auch, aufgefordert worden, ein Angebot für die Sanierung des Opernsaals abzugeben. Der befindet sich in der kleineren Muschel des Gebäudekomplexes. In der größeren Muschel ist der Konzertsaal untergebracht. In den ursprünglichen Plänen des dänischen Architekten Jørn Utzorn war das andersherum. „Oper hat dort nicht so eine Tradition wie in Europa“, sagt Reinhold. Das Sydney Symphony Orchestra hingegen gilt als Aushängeschild.

„Zwei, drei Mannwochen“, schätzt Reinhold, dauerte die Erarbeitung des Angebots. Statt persönlich in Sydney vorzusprechen, reichte letztlich ein Interview via Skype. Ein paar Fragen mussten noch geklärt werden. „Irgendwann kam die Entscheidung“, so Reinhold.

Die Planegger wurden außerdem eingeladen, für den größeren Konzertsaal ein Angebot zu erarbeiten. Wieder bekam Müller-BBM den Zuschlag. Die Renovierung des Konzertsaals wird mit 139 Millionen Euro veranschlagt, darin enthalten sind auch Aufzüge, Sicherheitskonzept, neue Stühle und ein behindertengerechter Zugang. Ein Großteil geht jedoch für die Verbesserung der Akustik drauf.

Im Februar 2015 wurde Müller-BBM der Auftrag für den Opernsaal erteilt, ein halbes Jahr später folgte die Konzertsaal-Entscheidung. Engel und Reinhold fliegen seitdem immer wieder nach Australien, mal zusammen, mal getrennt. Das Planegger Unternehmen arbeitet mit einem australischen Architekten und einem lokalen Partner zusammen, sodass ein Umzug der Projektleiter nach Sydney nicht notwendig ist. „Das ist auf der einen Seite reizvoll, auf der anderen ist man ganz schön weit weg von seinen anderen Aufgaben in Europa, wenn man in Sydney sitzt“, sagt Reinhold, dessen Schwerpunkt eigentlich in Italien liegt.

Reinhold betreute für Müller-BBM den Wiederaufbau des Teatro La Fenice in Venedig, nachdem es abgebrannt war, aber auch die Sanierung und Rekonstruktion des Bolschoi Theaters in Moskau. Und das Kupferhaus in Planegg. „Das Kupferhaus war ein Muss. Ich lebe seit 30 Jahren in Planegg“, sagt der Bauphysiker.

Die Erfahrung mit historischen Häusern und Opernsälen ist in Sydney von Vorteil. „Da ist man in der Restaurierung immer begrenzt“, sagt Reinhold. „Ich kann im Bolschoi nicht die Brüstung anders machen, nur weil ich denke, dass das heute besser ist.“ Das Sydney Opera House ist knapp 200 Jahre jünger. 1973 wurde es von Königin Elisabeth II. seiner Bestimmung übergeben. Doch der Status als Weltkulturerbe, den es seit 2007 genießt, bringt Zwänge mit sich. „Da kann man nicht so frei agieren wie bei manch anderen Renovierungen.“ Zumal das Gebäude das bekannteste Symbol Australiens ist. „Entsprechend hat es Gewicht, wenn Änderungen vorgenommen werden sollen.“ Ein Rat aus Historikern und Denkmalschützern diskutiere über die Vorschläge, dann werde im „Gold Book“ des Architekten Utzorn nachgeschaut, ob sich diese mit dessen Vorstellungen vereinbaren lassen. „Es ist eine Gratwanderung, was man darf und was man nicht darf.“

Im Augenblick laufen die Vorarbeiten und Planungen, ab Mitte 2019 soll der Konzertsaal für 18 Monate geschlossen werden. Bei Müller-BBM sind fünf bis zehn Mitarbeiter parallel mit dem Projekt beschäftigt. Da wird alles in 3D modelliert, um Maßnahmen reinzubauen, zu untersuchen und zu berechnen. Die vorhandene Bestuhlung wurde im Labor getestet. Weil in Australien kein Labor zu finden war, das den Auftrag zu einem akzeptablen Preis übernommen hätte, ließ Müller-BBM 24 Stühle einfliegen. Auch die neue Bestuhlung soll in Planegg erprobt werden.

Im April lief ein großer Test mit einer neuen Podiumssituation. Die Musiker wurden anders gesetzt. Im November werden neue Reflektoren ausprobiert. Gerade ist Reinhold wieder in Sydney, um die Planung für den Konzertsaal durchzusprechen. Lüftungsgeräusche im Saal will er auch noch messen. 2010 war der Planegger zum ersten Mal im Sydney Opera House. Sein Vortrag über die Renovierung des Teatro San Carlo in Neapel im Rahmen einer Akustiktagung ließ ihm genug Zeit, eine Oper zu besuchen. Begeistert war er damals nicht. „Ich habe damals nicht verstanden, wie es funktioniert. Die haben echt Probleme da drin. Deswegen müssen wir ja ran."

Nicole Kalenda

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