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Familienbetrieb eingestellt: Die Ehe von Wirtin Juliane Kuhlmann (M.) und Partner Werner nahm im Wirtshaus ihren Anfang. Auch Tochter Teresa half bisweilen im Restaurant aus. Nun schließt die „Alm“ ihre Türen.

Wirtshaus "Planegger Alm" schließt

Herzenswunsch der Wirtin: Ein Nachfolger

Mitte Juni geht eine Ära zu Ende – jedenfalls für die Stammgäste der „Planegger Alm“. Das Wirtshaus schließt, obwohl die Pächter eigentlich genug Gäste und genug Spaß an der Arbeit haben.

Am liebsten würden sie ihr „Baby“, das Wirtshaus „Planegger Alm“, noch länger beknuddeln: Juliane und Werner Kuhlmann bekunden, dass sie die Gaststube längst als Wohnzimmer und die Stammgäste längst als Freunde sehen. „Aber manchmal verlangt einem einfach die Gesundheit einen Schnitt ab“, bedauert Juliane Kuhlmann. Bei ihr sind es Vorfälle am Knie, welche eine Tätigkeit in der Gastronomie eigentlich schon seit Ende 2015 ausschließen. „Aber dann hatten im Advent 150 Feuerwehrleute zum Essen reserviert, und jetzt, Anfang Juni, sollte es noch eine Hochzeitsfeier geben.“ Für die begeisterte Wirtin war klar: Storniert wird nichts, und deshalb kann vor Mitte Juni nicht Schluss sein.

Die Geschichte mit der „Alm“ sei am Anfang ganz schön verzwickt gewesen, erinnert sie sich. Als sie im Oktober 2008 nach Planegg kam, hatte das Lokal viele Pächterwechsel hinter sich. „Das schätzen die Planegger nicht, und so war die Nachfrage zunächst überschaubar.“ Zehn Essen am Tag hätten zudem ihren Koch nicht wirklich motiviert. Entschlossen riss die bei Starnberg geborene und in Niederbayern aufgewachsene Gastronomin das Ruder herum: Sie kochte einfach selbst und ließ den Ruhetag weg. Und verbreitete nebenbei ganz viel gute Laune. So viel, dass zwei Wochen nach ihrer Eröffnung ein gewisser Werner Kuhlmann auf sie aufmerksam wurde. „Acht Monate später haben wir hier im Lokal einen Teil unserer Hochzeitsfeier abgehalten.“

Der heute 64-Jährige hatte eigentlich nicht vor, in die Gastronomie zu gehen, denn er hatte einen Job in Gräfelfing. Doch auch er fing Feuer für die gemütliche Atmosphäre der „Alm“. Sechs Jahre lang bewältigte der gebürtige Essener die Abendschicht hinterm Tresen anschließend an seine normale Arbeit. An Sonntagen half zudem Juliane Kuhlmanns Tochter Teresa mit – denn zusehends war die Nachfrage gestiegen: „Zuletzt tendierte die Zahl der Essen pro Tag oft dreistellig, und die Frühstücks-Büffets sonntags waren meist ausgebucht.“

Zu den magischen Zutaten für den Gästezuspruch zählte das offene Ohr. „Wir waren Kummerkasten, Seelentröster und Beratungsstelle; bei uns wurden alle Entwicklungen des Lebens besprochen“, erinnern sich die Kuhlmanns. Die zweite Zutat war der konsequente Spaß am (Mit-)Feiern. Von der Fußball-Übertragung – „Da haben wir einfach mal den Fernseher im Fenster nach draußen gedreht“, sagt Werner Kuhlmann grinsend – bis hin zu großen Familienfesten und Silvesterfeten ging das Programm. Mindestens genauso geschätzt war das Verständnis für spätabendliche Tischrunden, die sich einfach nicht trennen konnten. Natürlich durfte als drittes Erfolgselement die gute Küche nicht fehlen. „Manchmal dauerte es etwas, aber wenn ein Gast hörte, dass ich ein Schnitzel klopfe, wusste er: Es ist frisch, und es ist meins“, sagt die 59-jährige Wirtin. Auch der Schweinsbraten habe viele Fans gehabt.

„Mit unseren Gästen haben wir offen geredet und schon seit Januar gesagt, dass dies die letzten Monate werden.“ Am Freitag, 17. Juni, öffne die „Alm“ das letzte Mal offiziell. Danach stünden Aufräumarbeiten an und im Juli ein längerer Urlaub. Der anschließende Herzenswunsch wäre „dass jemand das Lokal fortführt – dann hätten wir einen Treffpunkt, wo wir mit all den Stammgästen zusammenkommen können, die schließlich längst Freunde geworden sind.“ Gerne würden sie den Kontakt zum Hauseigentümer vermitteln, sagen die beiden.

amb

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