Angst vor Strafzinsen

"In den Minus-Bereich ist es nicht mehr weit"

Die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht den Gemeinden im Würmtal Sorgen.

Seit die EZB auf die Null-Zins-Politik setzt, führen einige Banken einen Negativzins ein: Wer zu hohe Beträge auf dem Konto hat, muss zahlen. Die Gemeinden im Würmtal hoffen, dass sie vom sogenannten Strafzins verschont bleiben.

In manchen Banken ist der Ernstfall bereits eingetreten: Wer zu hohe Beträge einzahlen will, muss mit einem „Strafzins“ von 0,4 Prozent rechnen. Diesen Betrag müssen die Banken mittlerweile zahlen, um Geld bei der  EZB aufzubewahren. Wollen Kunden hohe Summen einzahlen, müssen sie den „Strafzins“ übernehmen. Private Sparer bleiben davon weitestgehend verschont. Das Modell umfasst überwiegend gewerbliche Rücklagen.

Die Gemeinden im Würmtal sind derzeit noch nicht betroffen. „Wir können froh sein, dass die Banken in unserem Bereich noch keinen Negativzins verlangen“, sagt Gerhard Friedrich, Kämmerer der Gemeinde Krailling. Sollte es allerdings soweit kommen, müsse man jonglieren und Umschichtungen vornehmen. Die Gemeinde greift immer wieder kurzfristig auf Gelder zurück. „Deshalb würde es uns schon treffen, wenn die Bank auf ein Girokonto Negativzinsen erheben würde“, so Friedrich.

Zumal die Gemeinde eine hohe Summe zahlen müsste. Laut dem Kämmerer betragen die Rücklagen im Jahresdurchschnitt rund fünf Millionen Euro. Bei einem Strafzins von 0,4 Prozent würden dem Haushalt rund 20000 Euro fehlen, die man deutlich sinnvoller investieren könnte. Zum Beispiel in ein neues Dienstfahrzeug oder die Ausstattung eines Kindergartens. „Da würde sich der Aufwand, der mit einer Umschichtung verbunden wäre, auf jeden Fall rentieren.“

Gerhard Friedrich bemerkt die Abwärtsspirale schon länger. Während es am Anfang des Jahres noch Zinsen gegeben habe, sei die Gemeinde mittlerweile bei Null angekommen. „Da ist der Weg in den Minus-Bereich nicht mehr weit.“

Auch die Gemeinde Gräfelfing spürt die Auswirkungen der Null-Zins-Politik schon jetzt. „Wir bekommen deutlich weniger Zinsen“, berichtet Kämmerin Tanja Lindner. Noch auffälliger sei aber die Tatsache, dass immer weniger Banken an einem Auftrag interessiert seien. Geht es darum, einen Geldbetrag anzulegen, fragt die Gemeinde bei verschiedenen Anbietern an, woraufhin die Banken ihre Angebote abgeben. Der Auftrag geht an die Bank mit den besten Konditionen. „Mittlerweile bekommen wir deutlich weniger Rückmeldungen“, stellt Lindner fest. Auch wenn es laut der Kämmerin nicht das Hauptinteresse der Gemeinde ist, Gelder möglichst lange auf Konten zu parken, so hofft sie trotzdem, von den Negativzinsen verschont zu bleiben.

Die Gemeinde Neuried profitiert ebenfalls davon, dass die Banken im Würmtal noch keine Strafzinsen erheben. „Momentan sind wir Kunden bei der Sparkasse und der Raiffeisenbank vor Ort und haben noch kein Minus vor unseren Zinsen“, sagt Kämmerer Max Heindl. Ein großes Plus gibt es allerdings auch nicht mehr.

Während sich die Einnahmen durch Zinsen früher im fünfstelligen Bereich bewegt hatten, konnte die Gemeinde Neuried in den letzten Jahren nur noch Minimalbeträge ansetzen. „Mittlerweile rechnen wir mit null“, so Heindl. Ob und wann die Banken in der Umgebung einen Strafzins erheben werden, kann der Kämmerer nicht abschätzen.

Karin Priehler

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