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Garry Lee-Winser überlegt, im Extremfall sogar die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Briten im Würmtal gegen EU-Austritt

„Wir wollen eine Familie bleiben“

Würmtal - Kommt der Brexit? Die Briten im Würmtal wünschen sich, dass alles beim Alten bleibt. Sollte es anders kommen, droht einer von ihnen mit harten Konsequenzen.

„Es gibt manche Kreise, die wollen sich am liebsten in kleinen Staaten einigeln, fast wie im Mittelalter“, sagt der Engländer Garry Lee-Winser (63) aus Gauting. Er ist überzeugt, dass Großbritannien in der Europäischen Union bleiben sollte. Die Stunde der Wahrheit naht. Die britische Regierung unter Premierminister David Cameron hat für Donnerstag, 23. Juni, ein Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union (EU) geplant. Ob es mehr Gegner oder Befürworter des Brexits, also des Exits, gibt, ist den Umfragen in Großbritannien bislang nicht deutlich zu entnehmen.

Susan Totterdell aus Planeggs Partnergemeinde Didcot bestätigt: „Viele Menschen haben sich noch nicht entschieden.“ Sie meint: „Die Frage ist einfach, die Antwort ist schwer“. Die meisten Wähler könnten nicht einschätzen, in welchem Fall es der Wirtschaft besser ginge, und ob die Sicherheit innerhalb oder außerhalb der EU besser oder schlechter sei. „Es gibt keinen Präzedenzfall“, erklärt sie. Und sie sagt etwas, was hierzulande für Verwunderung sorgen düfte. „Viele Menschen scheinen sich nicht für die Wahl registriert zu haben.“

Dies ist auch dem Briten Dave Thomas aus Planegg passiert. „Leider“, wie er sagt. Er ist darüber sehr betrübt. Gerne hätte er einen Beitrag geleistet, dass es nicht zu einem Brexit kommt. Denn die Briten im Würmtal haben sich klar positioniert. Nicht nur Lee-Winser und Thomas plädieren für einen Verbleib ihrer Heimat in der EU. „Wir wollen eine Familie bleiben“, sagt auch der 90-jährige James Williamson aus Gräfelfing. Er fände es traurig, wenn Großbritannien die EU verlassen würde. Er habe ihr zu verdanken, dass er als Arzt nicht noch einmal ein Examen machen musste, als ihn die Liebe vor 40 Jahren von England nach Deutschland verschlug. Dank den Regeln der EU habe er sich als Brite im Würmtal niederlassen und dort praktizieren dürfen. Er fände es sehr rückwärtsgewandt, würde das Vereinigte Königreich beschließen, auszutreten, erklärt er.

Da stimmt ihm die 26 Jahre alte Schottin Amy Gerc zu. Sie arbeitet am Martinsrieder Max-Planck-Institut und fürchtet, dass es für sie künftig komplizierter werden könnte, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, sollte Großbritannien den Brexit wählen. „Ich kann mir auch vorstellen, dass es für meinen deutschen Mann schwieriger werden könnte, sollten wir je ins Vereinigte Königreich zurückkehren wollen.“ Doch jenseits der Folgen für sie persönlich, meint sie: „Die EU ist derzeit mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Ich bin überzeugt, dass wir diese gemeinsam angehen sollten und wäre beschämt, wenn das Vereinigte Königreich jetzt entscheiden würde, dass es das Beste wäre, zu gehen.“ Amy Gerc sieht ihr Land ungern isoliert.

Dave Thomas hingegen führt wirtschaftliche Gründe für einen Verbleib an. „Auch meine Freunde im Alter zwischen 40 und 55 Jahren denken so und wollen drinnen bleiben“, erklärt er. Thomas lebt seit 35 Jahren in Bayern. „Ob ich künftig eine Arbeitserlaubnis beantragen muss, weiß ich nicht“, sagt er. Aber er ist zuversichtlich, dass es Jahre dauern werde, bis ein Austritt bürokratisch umgesetzt sei. Garry Lee-Winser hat Angst vor den Folgen des Referendums. Er befürchtet, dass sich die Briten politisch zerfleischen könnten, sollte das Abstimmungsergebnis nur knapp ausfallen. Und er sagt: „Falls es ganz schlimm kommt, bin ich am überlegen, die britische Staatsbürgerschaft aufzugeben und die deutsche anzunehmen. Zur Brexit-Frage brauche ich keine langen Worte: Ich bin überzeugter Europäer.“

Victoria Strachwitz

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