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Über 260 Christen haben heuer der katholischen und evangelischen Kirche im Würmtal bereits den Rücken gekehrt.

Kirchen im Würmtal spüren Schwund

Weiter hohe Austrittszahlen

Die Zahl der Kirchenaustritte im Würmtal ist seit 2014 kaum spürbar zurückgegangen. Den Pfarrern beider Konfessionen sind es deutlich zu viele, die den Kirchen den Rücken zukehren.

Viele Kirchenaustritte gibt es vor allem dann, wenn Skandale publik werden. Kindesmissbrauch und Geldverschwendung haben in den vergangenen Jahren die Zahl nach oben schnellen lassen. 2014 hatte dann ein Missverständnis zu Austrittsrekorden geführt. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird seit 2015 anders abgeführt. Aufgrund schlechter Kommunikation glaubten viele Menschen, sie müssten mehr Kirchensteuer zahlen.

Seitdem gab es keinen Auslöser für eine Austrittswelle. Trotzdem sind die Zahlen im Würmtal nicht richtig zurückgegangen. Und jetzt ist auch noch ein ehemaliger Pater des Klosters Ettal wegen Kindesmissbrauchs zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. „Wir werden sehen, wie die Reaktion ist“, sagt Manuela Fischer, Leiterin des Planegger Standesamtes. Bei ihr werden die Austritte registriert. Bislang haben sich in der Gemeinde heuer 35 Menschen offiziell von der Kirche abgewendet. 2015 seien es 97 gewesen. Ob es heuer deutlich weniger werden, will sie nicht prognostizieren. „Gegen Ende des Jahres kommen immer noch ein paar dazu“, weiß sie aus Erfahrung. Der aktuelle Prozess gegen den Pater könnte die Zahlen beeinflussen, meint sie.

„Das werden sicherlich noch mal Menschen als Grund nehmen“, glaubt auch der Pfarradministrator von St. Elisabeth in Planegg, Johannes von Bonhorst. „Dass das hohe Emotionen und Wellen schlagen kann, ist klar.“ Bonhorst findet es inakzeptabel, dass der Pater auch noch so lange seine Unschuld beteuert habe. Aber er gibt zu bedenken, dass die Kirche inzwischen viel getan hat. Sie habe versucht, organisatorische Schwächen anzugehen. „Das ist nicht spurlos und konsequenzlos an uns vorübergegangen“, erklärt er. Welchen Einfluss auch immer der Prozess haben wird, seiner Meinung gibt es zu viele Kirchenaustritte. „Es ist nach wie vor ein hohes Maß.“.

Derselben Meinung ist sein Kollege von der evangelischen Waldkirche, der Seelsorger für Krailling und Stockdorf, Pfarrer Thomas Krusche. „Die Zahl der Kirchenaustritte ist immer noch deutlich zu viel.“ Jedes Gemeindemitglied sei ein Verlust, nicht nur finanzieller Art, wie er betont. Er führt drei mögliche Gründe für die Austritte an. Zum einen schauten die Leute, wo sie sparen könnten. Dann hätten sie zu wenig Verbindung zur Kirche. Und drittens werde die Kirche zu wenig als große Solidargemeinschaft wahrgenommen. Diakonie und Caritas leisteten enorme Sozialarbeit, gibt er zu bedenken. „Die Kirchen müssen lernen, in der Öffentlichkeit besser damit rüberzukommen.“

Derweil nehmen die Kirchenaustritte nicht wesentlich ab. In Gauting waren es 2015 insgesamt 159, in diesem Jahr bis Anfang August 86. „Das kommt heuer wahrscheinlich auf das Gleiche raus“, sagt Gemeindesprecherin Charlotte Rieboldt. „Die zwischen 1965 und 1979 Geborenen treten verstärkt aus.“ In Neuried haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 35 Christen ihren Austritt aus der Kirche erklärt (2015: 87). Vor allem Menschen im Alter von 40 bis 55 Jahren, wie Gemeindesprecherin Inke Franzen berichtet.

Victoria Strachwitz

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