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Um Energie zu sparen, werden Styroporplatten seit Jahrzehnten als Dämmmaterial eingesetzt, im Innen- wie Außenbereich. Seit Oktober gilt HBCDD-haltiges Styropor als Sondermüll und muss teuer entsorgt werden.

Gesetzesänderung

Dachdecker versinken im Müll

Bei Dachdeckern im Würmtal häufen sich Müllberge, seit sie Styropor separat entsorgen müssen. Auch von Entlassungen ist deshalb die Rede.

Hans-Peter Gallaun gibt sich erst gar keine Mühe, seine Wut zu verbergen. „Ich finde es mehr als bedenklich, was hier abläuft“, sagt der Geschäftsführer der Bavaria Dachbau in Frohnloh. Hintergrund ist eine neue Verordnung, die Styropor als gefährlichen Abfall einstuft. Altes Material enthält das gesundheitsschädliche Brandschutzmittel HBCDD und darf ab sofort nicht mehr mit sonstigem Bauschutt entsorgt werden. Stattdessen müssen die alten Dämmplatten separat verbrannt werden.

Die wenigen Müllverbrennungsanlagen, die über die entsprechende Zulassung verfügen, sind teuer. Und schon jetzt völlig ausgelastet. Dachdecker, die vor Ort altes Dämmmaterial durch neue Baustoffe ersetzen wollen, sind dadurch nicht mehr in der Lage, den anfallenden Bauschutt ordnungsgemäß zu entsorgen. Wie der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks mitteilte, seien bundesweit bereits mehrere hundert Baustellen stillgelegt. Auch von Entlassungen sei vielerorts die Rede. Das bestätigt auch Hans-Peter Gallaun. Seine Lagerkapazitäten reichen gerade noch für seine beiden aktuellen Baustellen. Sollte sich an der derzeitigen Situation nichts ändern, kann er keine neuen Aufträge annehmen. Im schlimmsten Fall müsse er Mitarbeiter entlassen.

Der Geschäftsführer der Bavaria Dachbau hätte sogar ein geeignetes Entsorgungsunternehmen gefunden. Allerdings sind die Preise derart gestiegen, dass er sich dieses nicht leisten kann. Zumal er gar keine Zeit gehabt hätte, entsprechend zu kalkulieren. „Am 29. September ist die Verordnung rausgekommen und bereits am 1. Oktober in Kraft getreten“, so Hans-Peter Gallaun.

„Die Kosten der Entsorger sind ein Witz“, findet auch Helmut Riß. Er ist leitender Angestellter des Gautinger Haustechnik-Unternehmens Krebs. Momentan sei ein Preis von 180 Euro pro Kubikmeter im Gespräch. Das wäre dreimal so viel, wie das Material ursprünglich kostet. Doch selbst wenn der Betrieb bereit wäre, die Kosten zu tragen, hätte er immer noch ein Problem. „Wir ersticken im Müll“, sagt er. Er hat noch keine Anlage gefunden, die ihm die 40 Kubikmeter abnimmt, auf denen er derzeit sitzt. „Man hätte die Anlagen erst umrüsten müssen, bevor man uns von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen stellt.“

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks weist indes jegliche Verantwortung von sich. Die Notlage sei durch den Bundesrat veranlasst worden. Zuvor hatte Brüssel den giftigen Bestandteil Brom auf die Liste gefährlicher Stoffe gesetzt. Deswegen musste das deutsche Umweltrecht angepasst werden.

Die Kraillinger Dachdeckerei Erwin Miller hingegen hatte noch einmal Glück im Unglück. Der Betrieb konnte den Müll, der sich auch dort bereits getürmt hatte, endlich loswerden. „Wir hatten einige Kubikmeter im Lager stehen und wussten schon gar nicht mehr, wohin damit“, berichtet Geschäftsführer Jürgen Knörich. Nach langer Suche hätten sie endlich eine geeignete Verbrennungsanlage gefunden.

Auch Privatpersonen, die Styropor in haushaltsüblichen Mengen entsorgen wollen, bekommen Probleme. An den Wertstoffhöfen im Landkreis Starnberg wird man es nicht mehr los. „Das Personal ist angehalten, alles zu kontrollieren und das Material abzuweisen“, sagt Peter Wiedemann, Geschäftsleiter des Starnberger Abfallwirtschaftsverbands. Der Verband könnte zwar 0,5 Kubikmeter Styropor pro Tonne im Bauschutt mitentsorgen – dafür wäre aber eine Umladestation nötig, die genau abmisst. Bessere Karten haben offenbar noch die Bürger im Landkreis München. So nimmt der Planegger Bauhof das Material auch weiterhin an. Laut einer Mitarbeiterin des Planegger Rathauses arbeitet das Landratsamt München derzeit eine Entsorgungsstrategie aus, ehe es die Gemeinde über die weitere Vorgehensweise informiert. „Wir werden versuchen, den Bürgern auch weiterhin so viel wie möglich abzunehmen.

Karin Priehler

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