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Ein wildes „Rattfratz“: Auch in der Planegger Bahnhofstraße gibt es Pokémon.

Smartphone-Spiel auch im Würmtal beliebt

„Pokémon Go“ verschafft Bewegung

Ein Trend, der um die Welt geht: das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“. Aber wie funktioniert es, was macht seinen Reiz aus und wer spielt es? Auf Spurensuche im Würmtal.

Es ist seit Wochen das gleiche Bild: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene laufen mit Blick aufs Smartphone durch die Straßen – mal alleine, mal zu zweit oder in kleineren Gruppen. Zwischendurch hört man Ausrufe wie „Ui, ein ,Paras‘“, woraufhin alle Handyträger binnen kürzester Zeit wie wild auf ihrem Display herumwischen. Seit über einem Monat ist die Smartphone-App „Pokémon Go“ inzwischen auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Begeisterung hält an.

An sogenannten „Pokéstops“, die in jeder Ortschaft vielfach vorkommen, treffen sich weiter etliche Monsterjäger, sitzen beisammen und warten darauf, dass ein neues virtuelles Objekt der Begierde auftaucht. Im Planegger Wellenbad befindet sich ein solcher Treffpunkt. „Ich komme häufiger hierher, meistens am frühen Abend“, erzählt Leon, 17-jähriger Pokémon-Go-Spieler aus Planegg. „Von hier sind zwei Pokéstops gut zu erreichen.“ Das sei wichtig, um stets Nachschub an Pokébällen zu erhalten, und außerdem könne man hier sogenannte Lockmodule installieren, die die Pokémon anziehen. „Da spart man sich das lange Suchen“, stimmt ihm Benny zu. Der 17-Jährige ist erst durch die Smartphone-Version zum Pokémon-Fan geworden und gehört damit eher zu einer Randgruppe unter den Spielern.

Das Gros sind Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits in ihrer Kindheit mit Pokémon zu tun hatten, sagt Luis (23) aus Krailling. „Ich spiele eigentlich nur aus nostalgischen Gründen. Als Kind hatte ich bereits die Game-Boy-Spiele. Aber klar, Spaß macht es heute schon auch noch.“ Doch als Berufstätiger komme er nicht sonderlich oft zum Spielen. „Es ist bei mir eher ein spaßiger Zeitvertreib an der frischen Luft.“ Daher sei sein ausgefallenstes Pokémon auch „nur ein ,Rossana‘“. Darüber kann Benny – unter anderem stolzer Besitzer eines „Aerodactyl“ – nur lachen. „Ich spiele aber auch viel, da ist großes Suchtpotential da“, so der Planegger.

Fabian (19) bringt eine zusätzliche Komponente ins Spiel: „Ich gehe kürzere Strecken inzwischen häufiger zu Fuß.“ Da könne man den Weg für die „Jagd“ nutzen. Aber so langsam ist der Hype beim Gräfelfinger vorbei: „Anfangs, als die App auf den Markt kam, habe ich deutlich mehr gespielt. Inzwischen hält es sich in Grenzen.“ Ähnlich ergeht es Tom (22) aus Gauting: „Es war lustig, aber hat irgendwie seinen Reiz verloren. Jetzt spiele ich nur noch zum Zeitvertreib.“

In Gauting kommen die Spieler zumeist an der Würmbrücke zusammen. „Da gibt es sowohl Pokémon vom Typ Wasser als auch andere“, zählt Bircan die Vorteile auf. Der 18-Jährige ist Spieler seit dem ersten Tag und hatte bereits nach den anfänglichen Gerüchten über die Entstehung der App im vergangenen Jahr vor, sie sich herunterzuladen. „Die Fernsehserie war schon in meiner Kindheit meine Lieblingssendung, und ich habe auch Pokémon-Karten gesammelt“, sagt der Gautinger, der sich gerne in seiner Freizeit mit Freunden trifft, um gemeinsam auf die „Jagd“ zu gehen. Dafür hat Maximilian (23) nicht genug Zeit. „Wegen der Arbeit“, wie der Buchendorfer sagt. „Und auf alltägliche Aktivitäten wie Sport will ich nicht verzichten.“ Daher ist er dazu übergegangen, das Spiel im Hintergrund laufen zu lassen, wenn er unterwegs ist. „Überall, aber natürlich nicht im Auto“, sagt er.

Denn auch diese Pokémon-Jäger gibt es. Sie bringen sich und andere in Gefahr, indem sie während des Autofahrens spielen und ihre Umgebung komplett ausblenden. „Das finde ich übertrieben und leichtsinnig“, meint Fabian. Zwar gibt es beim Starten des Spiels einen Warnhinweis, doch wird er viel zu oft ignoriert. In den USA sind bereits Spieler von einer Klippe gestürzt, weil sie so sehr in ihr Handy vertieft waren. Ein weiterer Amerikaner rammte mit seinem Auto einen parkenden Polizeiwagen, als er am Steuer „Pokémon Go“ spielte. Auch in Deutschland kam es zu Vorfällen. So machten in Niedersachsen drei Spieler von sich reden, weil sie auf der „Jagd“ in ein Militär-Sperrgebiet eindrangen und in eine Schießübung mit scharfer Munition gerieten. Versicherungen bieten inzwischen spezielle Pokémon-Policen an, und in Bangkok soll eine Sondereinheit der Polizei dafür sorgen, dass keine Verkehrsunfälle aufgrund des Smartphone-Spiels passieren. Von alledem ist das Würmtal weit entfernt. „Ich wüsste da bei uns jetzt keinen Fall“, sagt Erich Greiner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Planegg.

Michael Grözinger

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