Dem Baumsterben zum Trotz

Würmtal setzt weiter auf Kastanien

Kastanienbäume sollen in Deutschland vom Aussterben bedroht sein. Anders im Würmtal. Dort wird fleißig weiter gepflanzt – außer in Planegg.

Würmtal – Es ist schwer vorstellbar, dass es in Bayern keine Kastanie mehr geben könnte. Sie gehört zum Biergarten wie das Bier und die Brotzeit. Doch die Miniermotte und ein Bakterium namens Pseudomonas machen dem Baum zu schaffen. München soll den Kampf gegen die beiden Feinde der Kastanie bereits aufgegeben haben. Die Bäume sollen dort nur noch in Ausnahmefällen gepflanzt werden.

Im Würmtal scheint das Bakterium noch nicht aufgetreten zu sein. „An der Miniermotte sterben die Bäume nicht“, sagt Lydia Brooks vom Gräfelfinger Umweltamt. Und so widersetzen sich die meisten Gemeinden einem Trend, der in deutschen Großstädten zu grassieren scheint: Sie pflanzen weiter. Nur in Planegg darf der Baum so gut wie keine Wurzeln mehr schlagen. „Ich pflanze keine Kastanie, weil es kein heimischer Baum ist“, erklärt der Leiter des Umweltamtes Richard Richter. Höchstens an prominenten Stellen, an denen immer schon eine Kastanie gestanden habe, macht Richter eine Ausnahme. Und wenn, dann pflanzt er eher rot- als weißblühende Kastanien. Obwohl er meint, dass auch die Rotblühenden nicht mehr von der Miniermotte sicher seien.

In den anderen Gemeinden will man dem Baum weiter eine Heimat bieten. „Ausgefallene Bäume werden grundsätzlich nachgepflanzt“, erklärt Alexander Broschell, Sprecher der Gemeinde Krailling. Miniermottenbefall ist auch in Krailling zu beobachten. „Von Bakterienbefall ist bislang nichts bekannt, auch keine Ausfälle, die eindeutig auf die genannten Schadbilder zurückzuführen sind“, sagt Broschell.

Der Gärtner der Gemeinde Neuried, Karl-Heinz Mosch, weiß, dass der Kastanie noch etwas anderes zu schaffen macht. „Im Winter reißen die Stämme durch den Frost auf und dann wachsen dort Pilze“, erklärt er. Erst sterben die Äste, dann der Baum. Dafür habe Mosch aber eine Geheimwaffe: „Wir haben die Bäume weiß angestrichen“, erklärt er. Dann reflektiere der angemalte Stamm die Sonne und absorbiere sie nicht. Er werde damit nicht warm, ziehe keinen Saft aus der Erde und platze dann bei Frost nicht auf.

In Neuried wird um den Erhalt der Kastanie gekämpft. „Die Miniermotte schwächt den Baum“, bedauert Mosch. „Da gibt es kein Mittel dagegen.“ Aber: Man könne die Verbreitung des Falters reduzieren, indem man jetzt das Laub entferne. „Restlos räumen“ sei angesagt, erläutert Mosch. So wird es auch in Zukunft in Neuried noch einige Kastanien geben. Allerdings sagt auch er: „Wir pflanzen mehr die Rotblühenden.“

In Gräfelfing stünden nicht viele Kastanien, meint Lydia Brooks. Und sie findet: „Es wäre schade, wenn die Kastanie gar nicht mehr gepflanzt würde."

Victoria Strachwitz

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