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Ein Produkt echter Handarbeit ist das Bier, welches Werner Schuegraf in seiner kleinen Brauerei in Neuried mit den Werkzeugen Maischepaddel und Messlatte herstellt.

500 Jahre Reinheitsgebot

Die Bierbrauer aus dem Würmtal

Das Reinheitsgebot wird am Wochenende ganz groß gefeiert. Doch Experten im Würmtal glauben, dass man schon bald auch andere Biere brauen darf.

Würmtal - Ein bayerisches Bier wird aus Wasser, Gerstenmalz und Hopfen gebraut. So will es das Reinheitsgebot von 1516. Zum 500. Jubiläum verwandelt sich München an diesem Wochenende, 23./24. Juli, in eine Bierfanmeile. Vom Odeonsplatz bis zum Wittelsbacherplatz, von der Brienner Straße bis zur Ludwigstraße präsentieren sich mehr als 100 bayerische Brauereien.

„Es zeigt, dass Lebensmittelrecht ganz einfach sein kann“, erklärt der Geschäftsführer der Gräfelfinger Brauakademie Doemens, Wolfgang Stempfl, im Hinblick auf das Reinheitsgebot. Zusatzstoffe sind im bayerischen Bier verboten. „Ich glaube, dass das Reinheitsgebot genauso seine Berechtigung hat wie vor 500 Jahren“, sagt Stempfl. „Es gibt dem Verbraucher Sicherheit.“ Und er ist sich sicher, dass es das Reinheitsgebot auch in 500 Jahren noch geben wird. Aber er meint, es könne künftig erlaubt werden, in Bayern noch andere Biere zu brauen, als die, die dem Reinheitsgebot entsprechen. In den übrigen Bundesländern sei dies in Ausnahmefällen bereits gestattet.

Auch Werner Schuegraf, der in Neuried die einzige Brauerei im Würmtal betreibt, spürt den Wind, der dem Reinheitsgebot derzeit entgegen weht. Er sagt, er wisse von einem in der Gründung befindlichen Verein, der sich gegen das Reinheitsgebot richte. Und er findet diese Bewegung nicht unangebracht. „Das muss sich aufweichen“, sagt Schuegraf. Er würde gerne ein Bier mit Bio-Hanfblüten brauen. „Etwas Reineres gibt es nicht, aber es entspricht nicht dem Reinheitsgebot“, erklärt er. Würde er in einem der anderen 15 Bundesländer Deutschlands brauen, bekäme er dafür vermutlich eine Ausnahmegenehmigung. Nicht aber in Bayern. „Das bringt Unmut in Bayern“, weiß auch Stempfl. Er spricht sich für eine bundesweite Regelung aus. So auch Schuegraf: „Das ist der erste Schritt, der geändert werden soll. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung und nicht EU-konform.“

Schon Weizen dürfte eigentlich nicht rein

Grundsätzlich begrüßt auch Werner Schuegraf das Reinheitsgebot als eine schöne Idee. Aber die Brauer brauten nicht nach dessen Regeln – auch nicht in Bayern, erklärt er. „Wenn wir nach dem Reinheitsgebot brauen würden, dürften wir nur Wasser, Gerste und Hopfen verwenden.“ Im Reinheitsgebot von 1516 werde die Hefe nicht erwähnt. „Hefe hat man nicht gekannt, da würde ich ein Auge zudrücken“, sagt er. Aber Weizen für das beliebte Weißbier sei im Reinheitsgebot bewusst als Zutat außen vor gelassen worden. Weizen sei damals für die Brotherstellung benötigt worden. „Ein Weißbier entspricht absolut nicht dem Reinheitsgebot“, erläutert er. Dem Biersteuergesetz allerdings schon. Dieses diene den Brauern als tatsächliche Rechtsgrundlage und lasse mehr Zutaten zu.

„Es wird irgendwann eine Regelung geben, dass man auch mit anderen natürlichen Zutaten brauen darf“, prophezeit Stempfl. „Und es wird der Biervielfalt gut tun.“ Der Verbraucher könne dann entscheiden, ob er ein nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier oder eine Bierspezialität trinke.

„Gerade junge Leute wollen mehr Geschmäcker“, sagt er und erklärt damit den aktuellen Erfolg der Craft-Biere. „Dieser Trend ist stark im Aufwind, das wird noch sehr viel stärker werden“, vermutet er. Auch Schuegraf folgt mit den von ihm gebrauten Bieren diesem Trend. Bei allen möglichen gesetzlichen Änderungen, um den Durst nach den unterschiedlichsten Bieren zu stillen: Künstliche Zusatzstoffe werde man nicht zulassen, meint Wolfgang Stempfl.

Drei Gründe gegen das Reinheitsgebot

Drei Gründe, ein Bier nicht nach dem Reinheitsgebot zu brauen, sieht Wolfgang Stempfl. Mit Malzersatzstoffen wie Reis oder Mais könne man ein Bier kostengünstiger produzieren. Mit Hilfe von Chemie könne man beispielsweise ein Bier länger haltbar machen und den Schaum stabilisieren. Und mit natürlichen Ingredienzien könne man für mehr Variantenreichtum sorgen. „Letzteres sehe ich unter einer anderen Brille als die ersten beiden Gründe“, sagt Stempfl. Dies sei in Ausnahmefällen in allen Bundesländern außer Bayern erlaubt. Stempfl sagt aber: „Man kann ein Bier auch ohne Zusatzstoffe einwandfrei herstellen.“ Um verschiedene Geschmäcker hervorzurufen, kämen über 100 verschiedene Hefen zum Einsatz, rund 80 unterschiedliche Malze aus Gerste und Weizen sowie 250 Hopfenarten. Der Hopfen „Hallertauer Melon“ beispielsweise rieche nach Melone. „Da kann ein Brauer zaubern“, sagt Stempfl. Und weiter: „Da hat ein Brauer ein Klavier, auf dem er spielen kann.“

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