Sie zählen Schritte, messen die Herzfrequenz, errechnen den Kalorienverbrauch – und sollen ihre Träger motivieren, aktiver zu leben: Fitness-Tracker in Form von Uhren oder Armbändern verkaufen sich blendend.

Digitalisierung

Tragbare Elektronik erobert den Alltag

München - Immer mehr Menschen tragen heute Elektronik am Körper: Kleine Computer am Handgelenk, mit denen man kontaktlos bezahlen kann. Armbänder, die den Herzschlag messen und Brillen, die reale und virtuelle Welt verbinden. Wohin geht die Reise bei der tragbaren Elektronik?

Ob beim Sport, im Büro oder beim Stadtbummel: Unser Alltag wird digital aufgerüstet. Eine große Rolle spielen dabei sogenannte Wearables (tragbare Computersysteme). So heißen die kleine Computer in Form von Fitness-Armbändern, intelligenten Uhren, Brillen oder Kleidungsstücken. Mit Sensoren und Mikro-Chips ausgestattet erfassen sie zum Beispiel Bewegungsdaten. Sie messen den Blutdruck und die Zahl der Schritte. Andere Wearables kommen einer Geldbörse gleich: Sie ermöglichen kontaktloses Bezahlen per NFC-Technik. Intelligente Brillen dagegen lassen reale und virtuelle Welt verschmelzen – eingesetzt werden sie in der Arbeitswelt oder in der Unterhaltungselektronik.

Umfragen zeigen: Die kleinen Helfer erobern Deutschland. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums besitzen 14 Prozent der Deutschen mittlerweile ein Wearable. Beliebt sind vor allem Fitness-Armbänder und intelligente Uhren. Andere Geräte werden dagegen noch kritisch beäugt und zögerlich gekauft. Das zeigen auch Zahlen des IT-Verbands Bitcom. Danach wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 1,7 Millionen Wearables verkauft – davon eine Million Fitnessarmbänder.

Im Fitness-Bereich werben die Anbieter damit, dass Nutzer von den Armbändern zu einem gesünderen Lebensstil motiviert werden. Über Gesundheits-Apps werden die gesammelten Daten auf dem Smartphone oder Tablet ausgewertet. Für Krankenversicherungen sind die aus der neuen Technologie stammenden Daten mittlerweile Grundlage für neue, risikoorientierte Versicherungspolicen – nach dem Prinzip: Wer regelmäßig Sport treibt, zahlt weniger Beitrag. Entsprechend bezuschussen manche Krankenkasse sogar den Kauf von Wearables.

„Geräte im Bereich Fitness und Gesundheit sind momentan der große Trend – Armbänder zum Beispiel, die beim Sport die Pulsfrequenz und Sauerstoffsättigung messen“, bestätigt Thomas Rosteck. Er leitet den Bereich für Bezahlkarten und elektronische Tickets beim Chiphersteller Infineon. Der Experte unterscheidet beim Thema Wearables verschiedene Kategorien: Neben Geräten im Fitnessbereich, gehe es um Kommunikation (etwa mittels intelligenter Uhren) und kontaktloses Bezahlen. „Heute haben wir verschiedene Dinge für verschiedene Zwecke, künftig wachsen die Funktionen immer mehr zusammen“, sagt Rosteck. Möglich macht das unter anderem Technik von Infineon. „Unsere Chips verbinden die reale mit der digitalen Welt“, heißt es dort.

Der Dax-Konzern fertigt Chips für verschiedene Wearables, die immer kleiner werden. Ein Beispiel dafür ist ein Ring, der wie eine Bankkarte funktioniert und erstmals von Visa bei den olympischen Spielen an Athleten in Rio ausgegeben wurde. Hält man das Schmuckstück an ein Lesegerät kann man innerhalb von Millisekunden kontaktlos bezahlen. Auch als Ticket im öffentlichen Nahverkehr kann der Ring, den es für 50 Euro zu kaufen gibt, genutzt werden.

Technisch wird das mittels NFC möglich. NFC (Near Field Communication) ist eine Nahfunk-Technik zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken von bis zu zehn Zentimetern. Eingesetzt wird sie unter anderem in Smartphones oder kontaktlosen Bankkarten, mit denen man schon heute in Supermärkten und an Tankstellen zahlen kann. Wearables wie der Ring können also auf bereits existierende Lesegeräte zurückgreifen.

Weniger als fünf Quadratmillimeter – kleiner als ein Streichholzkopf – misst der Infineon-Chip, der im Ring steckt. „Miniaturisierung“ nennt das Rosteck. Eine Batterie, beziehungsweise einen Akku wie im Handy hat der Ring nicht. „Um eine Zahlung zu veranlassen, zieht der Chip die Energie aus dem elektromagnetischen Feld des Lesegeräts“, erklärt der Infineon-Experte. Die entsprechende Datensicherheit vorausgesetzt, wäre es denkbar, auch Ausweisfunktionen in ein Wearable zu integrieren, glaubt Rosteck. Ob Armbänder, Uhren, Schlüsselanhänger oder Ketten: Möglich sei hier vieles.

Es gibt allerdings auch Bedenken bezüglich der Wearables, die jede Menge persönlicher Daten sammeln. Bei einer Umfrage des Verbraucherschutzministeriums gaben 39 Prozent der Befragten an, dass Datenschutzrisiken ihnen Kopfschmerzen bereiten. Im Fokus stehen dabei vor allem Fitnessarmbänder. Aber auch Anwendungen, mit denen per GPS der Aufenthaltsort von Kindern überwacht werden kann, stehen in der Kritik.

Problematisch sei, dass nur ein Bruchteil des Datentransfers über eine verschlüsselte Verbindung geschehe und damit eklatante Sicherheitslücken bestehen, heißt es beim Verbraucherschutzministerium. Die von Wearables und Apps erfassten Daten würden zudem in einer Cloud (also auf einem externen Speicher) gespeichert, womit für den Nutzer eine weitere, von ihm nicht gewollte Verwendung nicht kontrollierbar sei, heißt es weiter. Zu diesem Ergebnis kam auch die Stiftung Warentest, die Anfang des Jahres zwölf Fitness-Tracker unter die Lupe genommen hat. Weiterer Kritikpunkt: Nutzer erkennen aufgrund von verklausulierten Formulierungen oft gar nicht, dass sie durch das Akzeptieren der Datenschutzerklärung die Hoheit über ihre Daten aus der Hand geben. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, fordert deshalb, schnell Standards für Qualität und Datenschutz zu entwickeln. Er gibt zu bedenken: „Gesundheits-Apps können das Leben von Patienten verbessern, aber auch Schaden anrichten.“

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