"Auch durch Teilen wird diese Meldung nicht wahrer"

Hoax: So erkennen Sie Falschmeldungen im Netz

München - Ob Geschichten über Kindesentführer in weißen Lieferwägen, Chem Trails oder die Facebook-AGBs, die Liste von Falschmeldungen im Netz in lang. So entlarven Sie einen Hoax.

Jeder kennt sie, die liketrächtigen Meldungen im Netz: "Like dieses Foto, wenn du gegen Kindesmissbrauch bist! Ignoriere es, wenn du herzlos bist!", im Idealfall noch mit einem schockierenden Foto, oder Warnungen vor Einbrecherbanden, die plötzlich im gesamten Bundesgebiet Menschen verfolgen.

Verschwörungstheorien und Falschmeldungen haben Hochkonjunktur im Netz. Während es sich bei manchen Meldungen um harmlose Scherze handelt, sollen andere Angst und Panik schüren. Wer dann auf teilen klickt, wird im besten Fall von Freunden des Irrtums belehrt oder spielt im schechtesten Verunsicherern und Verschwörungstheoretikern in die Hände.  

Der Verein Mimikama hat es sich zum Ziel gemacht, den Missbrauch im Internet zu bekämpfen. Auf der Website können User verdächtige Inhalte melden. Die Betreiber Tom Wannenmacher und Andre Wolf gehen den Hinweisen nach, recherchieren die Ursprünge der Meldung und entlarven so Falschmeldungen. In ihrem am Dienstag erschienen Buch "Die Fake-Jäger" erklären sie, wie zahlreiche bekannte Fakes in den letzten Jahren zustande kamen und geben Hinweise, wie man einer Falschmeldung auf die Schliche kommt.

Wir haben schonmal einige Tipps, wie Sie Falschmeldungen erkennen, zusammengestellt:

Anzeichen 1: Keine (seriöse) Quellenangabe

Das wohl wichtigste Anzeichen: Die Information kommt nicht von einer offiziellen Seite (auf Sozialen Netzwerken erkennbar an dem Häkchen) und auch sonst ist keine nachvollziehbare Quellenangabe zu finden. Der Beitrag ist zudem gespickt mit Rechtschreibfehler und zahlreichen Ausrufezeichen. Stattdessen kommt die Info von einem vermeintlichen Bekannten oder Verwandten des Urhebers ("die Nichte meiner besten Freundin"), einfach aus dem Nichts oder von einer dubiosen Seite. Hin und wieder greift auch jemand eine Spaßmeldung von einer Satire-Zeitung auf und verkauft diese irrtümlich als wahr.

???? Wenn keine nachvollziehbaren Quellen angegeben sind, sollte man grundsätzlich skeptisch sein. Angegebenen Quellen immer folgen und die Ursprungs-Information suchen. Wem eine als Quelle angegebene Internetseite nichts sagt, sollte prüfen, ob die Seite tatsächlich vertrauenswürdig ist oder nicht gar einfach Satire-Meldungen verbreitet.

Anzeichen 2: Die Information ist auf einem Bild

Die Fake-Jäger-Autoren nennen sie "Bullshit-Bilder". Meist sind sie quadratisch und enthalten weder Angaben zu Zeit, Ort und Quelle - dafür eine gefühlte Wahrheit. Bestes Beispiel im letzten Jahr: Der viel geteilte Hinweis, dass der "Christkindlmarkt" am Flughafen München und an anderen Orten in ganz Deutschland nun plötzlich in "Wintermarkt" umbenannt wurde - ein klares Zeichen für die Islamisierung. Der Markt heißt tatsächlich Wintermarkt, aber aus ganz anderen Gründen. Für den Flughafen München gab es trotzdem einen Shitstorm. 

Das Bildformat wird gewählt, weil es beim Scrollen besser ins Auge sticht als ein Text. Auch wenn das Bild in den Farben einer Firma oder Organisation gehalten und mit einem Logo versehen ist, heißt das nichts: Das kann jeder, der sich mit einem Bildbearbeitungsprogramm auskennt. Deshalb sollten entsprechende Informationen vor dem Teilen und Weiterverbreiten überprüft werden.

Anzeichen 3: Warnung vor vermeintlich Bösem

Ein Klassiker unter den Falschmeldungen: Ein Bild ohne Zeit-, Ort und Quellenangabe, Rechtschreibfehler inklusive. Gespielt wird mit der Angst um die Sicherheit der eigenen Daten.

Eine gute Falschmeldung spielt mit den Ängsten anderer. Sei es die Organ-Mafia, Einbrecherbanden oder Kindesentführer, die in der Nähe ihr Unwesen treiben sollen: Bei bestimmten Reizwörtern merken viele Menschen automatisch auf. Oft sind die geschilderten Vorfälle und Beobachtungen besagter "Nichte der besten Freundin" passiert. Unschuldige sollen vor vermeintlich Bösem gewarnt werden und der Warner selbst steht dabei positiv da. Hierzu gehören harmlose Dinge wie die ewige Meldung über das Nicht-Akzeptieren der Facebook-AGBs. Jeder sorgt sich um seine Daten, und der Post erweckt den Anschein, als könnte man durch das Teilen des Fotos den neuen AGBs widersprechen. Wer hier auf teilen klickt, schützt andere also vor angeblicher Gefahr und tut so ein gutes Werk - meint er.

Oft ist dies nämlich nicht der Fall: Stattdessen wird meist grundlos Panik verbreitet und ein Gefühl der Unsicherheit erzeugt - dabei gibt es nichts zu befürchten. Auch die Facebook-AGB-Meldung ist Unsinn. Wer auf eine solche Meldung stößt, sollte sich zunächst fragen, wer der Urheber der Botschaft ist. Auch ein Blick auf die Seite der zuständigen Polizei kann helfen. Gibt es tatsächlich verdächtige Vorkommnisse, wird dort in der Regel gewarnt. Die Fake-Jäger-Autoren raten: "Wenn offizielle Stellen wie Polizei oder städtische Behörden einer Information widersprechen, dann kann man davon ausgehen, dass diese Information eine Falschmeldung ist, die man besser nicht selber verbreiten sollte."

Anzeichen 4: Ein schockierendes Foto ist angehängt, dass den Täter oder das Opfer zeigt

Die Fotos zeigen ein scheinbar misshandeltes Kind oder einen Lieferwagen, dessen Insassen angeblich ein Kind entführen wollten. Auf diese Weise fällt der Post nicht nur schneller auf, sondern das Foto erhöht auch die vermeintliche Glaubwürdigkeit der Information und spricht den Betrachter emotional an. Oft sind die Fotos aber von einem ganz anderen Vorfall und völlig aus dem Zusammenhang gerissen - das belegen die Fake-Jäger an zahlreichen Beispielen in ihrem Buch. Hier raten die Autoren zu einem einfach Trick: Die Google-Bilder-Suche. So lässt sich schnell feststellen, ob das Bild im Vorfeld schon im Rahmen einer anderen Meldung aufgetaucht ist.

Zuerst denken, dann klicken

Die Fake-Jäger

Noch mehr Tipps und Geschichten rund um Falschmeldungen im Netz gibt es im Buch "Die Fake-Jäger - Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann" (Komplett-Media, 18 Euro). Die Botschaft von Wannenmacher und Wolf an den Leser heißt: "Zuerst denken, dann klicken", kurz auch ZDDK, wie auch ihre gleichnamige Facebook-Seite. Sie wissen nämlich: "Auch mit dem eintausendeinhundersten Teilen wird diese Meldung nicht wahrer".

In ihrem Buch greifen die Autoren zahlreiche Falschmeldungen auf, über die viele Facebook-User gestolpert und vielleicht sogar reingefallen sind. Wannenmacher und Wolf erklären dann anhand dieser Bespiele, wie viel Wahres in den Meldungen steckt und nehmen den Leser mit auf ihren Rechercheweg. Zahlreiche Meldungen sind sogar noch verfügbar und können mittels eines QR-Codes im Netz aufgerufen werden. Die einzelnen Kapitel beschäftigen sich mit verschiedenen Gruppen von Fakes und zeigen dem Leser so, wie auch er selbst Unsinn im Netz als solchen entlarven kann und sicher im Netz unterwegs ist.

ja

Rubriklistenbild: © Facebook

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