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Die HTC Vive sorgte in unserer Redaktion für einige offene Münder.

Die Stärken und Schwächen

HTC Vive: Die VR-Brille im Test

München - Die VR-Brille HTC Vive spielt in der Oberliga der neu erschienenen Geräte für die Virtuelle Realität. Wir haben das System getestet.

Wer einen Einblick in die Oberklasse der in diesem Jahr erschienenen VR-Brillen bekommen will, kommt um die "HTC Vive" nicht herum. Das aus einer Kooperation zwischen dem Spiele-Publisher Valve und dem taiwanesischen Technikhersteller HTC entstandene System liefert dem Nutzer bleibende Eindrücke von der Welt der virtuellen Realität. Unserer Onlineredaktion wurde ein Testsystem des für den normalen Nutzer in Deutschland 899 Euro kostenden Geräts zur Verfügung gestellt.

Die HTC Vive stellt technische und räumliche Anforderungen

Aber was heißt Gerät. Denn die Vive ist nicht einfach nur eine Datenbrille, sondern in dem großen Paket finden sich allerlei für die Nutzung der Brille notwendige Komponenten. Vorangestellt sei aber: Wer ernsthaft über den Kauf der HTC Vive nachdenkt, sollte zunächst einmal überlegen, ob er auch erstens den notwendigen Platz zur Verfügung hat und zweitens einen PC, der die durchaus anspruchsvollen Anforderungen der Brille stemmen kann.

Denn: Man kann sich mit der HTC Vive eben nicht nur im Raum umsehen, sondern sich auch innerhalb eines gewissen Grades in ihm bewegen. Die beiden mit Sensoren ausgestatteten Basisstationen werden diagonal gegenüber in einem Viereck von mindestens 1,5 mal 2 Meter aufgebaut. Dabei sollten sie idealerweise in einer Höhe von über zwei Metern angebracht werden. Hierfür werden Dübel und Schrauben mitgeliefert, um die mit Sensoren ausgestatteten High-Tech-Geräte fest anbringen zu können. Dazu müssen beide Stationen auch noch mit Strom versorgt werden. Ein extralanges Kabel um sie miteinander zu verbinden liegt bei.

HTC Vive: Diese Leistung sollte der Rechner haben

Ein teurer Ausflug: 899 Euro kostet das Geräte-System der HTC Vive.

Wie bereits erwähnt bedarf es auch noch eines leistungsfähigen Rechners, der die aufwendigen Prozesse flüssig berechnen und in Bilder auf der Brille umwandeln kann.
Die Minimalanforderungen sind:
Grafikkarte: NVidia Geforce GTX 970 oder AMD Radeon R9 290 oder besser
Prozessor: Intel Core i5-4590 oder AMD FX 8350 oder besser
Arbeitsspeicher: 4 GB Ram oder mehr
Grafikschnittstelle: HDMI 1.4, Displayport 1.2 oder neuer
USB: Ein Anschluss der Version 2.0 oder schneller
Betriebssystem: Windows 7 Servicepack 1, Windows 8.1 oder Windows 10
Dazu braucht es auf der Festplatte (im Idealfall ein schnelles SSD-Modell) auch noch einigen Platz.
Hierbei handelt es sich wohlgemerkt nur um die Mindestanforderungen. Speziell eine bessere Grafikkarte und mehr Arbeitsspeicher erhöhen den Spaß an der HTC Vive extrem.

HTC Vive: Die Controller überzeugen

Die Brille selber wird mit einer Kombination aus HDMI-, USB- und einem weiteren speziellen Kabel zunächst mit der "Link Box" verbunden. Dieses kann man dann alternativ per Displayport oder HDMI sowie einem USB-Kabel an den PC anschließen. Zusätzlich braucht auch die Link Box der HTC Vive noch einen Stromanschluss.

Kernelement neben der Brille sind zudem die beiden Controller, die zunächst einen optisch ungewohnten Eindruck machen, dann aber durch intuitive Handbarkeit und vor allem beidhändige Nutzbarkeit überzeugen. In ihnen sind mehrere Sensoren, über die die Basisstationen die Position der Hände - beziehungsweise eben der Controller - im Raum ermitteln. Ein klassisches Steuerkreuz gibt es nicht, dafür aber ein Touchpad. Dazu noch eine Trigger-Taste für den Zeigefinger und eine mit dem Mittel- oder Ringfinger erreichbare Taste. Mit dem Daumen kann man den Menü-Button innerhalb und außerhalb der Anwendung gut erreichen.

Erste Schritte mit der HTC Vive

Aber genug der Theorie, jetzt geht es ans Eingemachte: Einmal aufgesetzt, merkt man der mehr als 500 Gramm wiegenden Brille ihr Gewicht nicht mehr unbedingt an. Mit zwei verstellbaren Riemen kann man sicherstellen, dass die HTC Vive sicher auf jedem Kopf sitzt. Und sofern die Software bestehend aus Steam und HTC installiert wurde, sieht man vor sich eine digitale Landschaft mit Bergen am Horizont. Nun wird noch das sichere Gebiet abgesteckt, innerhalb dessen sich besser keine Vasen oder sonstige Gegenstände befinden sollten, die zu Bruch gehen können.

Denn nach einer durchaus unterhaltsamen Einführung durch den Steam-Assistenten, der einem die Controller und vor allem auch das Chaperone-System erklärt. Dieses bezeichnet die Grenzen des als sicher abgesteckten Raumes. Wenn man diese selber oder mit den Controllern erreicht, sieht man vor sich ein virtuelles Gitternetz. Ab hier ist unsicheres Terrain. Auch sieht man stets die Controller vor sich im Raum schweben und kann so gut einschätzen, wie man sie gerade hält. Ebenfalls praktisch: Die HTC Vive verfügt über eine Front-Kamera. Mit dieser kann man sich das Bild außerhalb der virtuellen Realität anzeigen lassen. Etwa um sich zu vergewissern, wer gerade den Raum betreten hat oder wo genau man sich in demselben befindet.

HTC Vive: Die Immersion klappt

Dass dies notwendig ist, ist als großes Kompliment an die HTC Vive zu sehen sowie an die Immersion in der Virtuellen Realität, die die Brille gewährleistet. Denn egal, welche der im Folgenden kurz vorgestellten Anwendungen man spielt: Man taucht erstaunlich schnell in die virtuelle Welt ein und nimmt sie als gegeben hin.

Über den Steam-Shop gibt es inzwischen hunderte größere und kleinere Anwendungen, die speziell für die VR-Brille entwickelt wurden. Zudem hat HTC mit dem "Viveport" einen eigenen App-Store im Angebot, der neben vielen Spielen auch Anwendungen im Bereich Tourismus, Kunst, kreative Tools, Design, Bildung, Mode, Musik, Sport, Reisen und Video bietet.

So spielt es sich mit der HTC Vive

Natürlich ist ein Gerät, was die derzeitigen für jedermann erreichbaren technischen Möglichkeiten derart ausnutzt wie die HTC Vive vor allem etwas für Technik-Narren und zielt auch auf diejenigen Anwender ab, die sich ihr liebstes Hobby gerne ein wenig mehr kosten lassen. Was aber können Menschen, deren Technik-Affinität nicht über ein Smartphone oder eine Digitalkamera hinausgeht damit anfangen? Bei unserem Test haben wir die Vive möglichst verschiedenen Nutzern auf den Kopf gesetzt bzw. die Controller in die Hand gedrückt. Auf diese Weise konnten wir ein möglichst breites Spektrum an Kritiken und Eindrücken gewinnen. Im Folgenden sollen einige der vielen hundert möglichen Anwendungen vorgestellt werden, um die Möglichkeiten der Vive aufzuzeigen.

Beginnen wollen wir mit der kleinen aber feinen Tauchsimulation "theBlu" vom Entwicklerstudio Wevr. Dieses Indiegame nutzt zwar die Bewegungsmöglichkeiten der HTC Vive im Raum "nur" insofern, als dass man sich beim simulierten Unterwassergang eben "nur" umschauen und ein wenig mit den virtuellen Taucherhandschuhen hin und herfuchteln kann. Wenn man sich dann allerdings in der drückenden dunklen Tiefe eines Abysses befindet und einem die Atmosphäre den Rücken herunterkriecht, erlebt man ähnlich beeindruckende Momente, wie wenn ein riesiger Wal greifbar nahe vor der Nase vorbeischwimmt und einen eindringlich anstarrt, bevor die Schwanzflosse einen Moment des Duckens provoziert. Beim Test blieben hier schon einige Münder offen.

Mehrere kleine Anwendungen in sich vereint die kostenlose App "The Lab" von Valve. Hier werden die Möglichkeiten der VR-Brille grundsätzlich aufgezeigt. Egal ob man einen kleinen Ausflug durch Island unternimmt, einen kaputten Roboter zusammenbaut oder mit Pfeil und Bogen auf die Jagd geht: Die Interaktivität und die Immersion funktionieren auch hier.

Etwas für Kreative ist die vom Suchmaschinen-Giganten Google erstellte Design-Anwendung "Tilt Brush". Während die Controller zu Zeichengeräten werden kann der Vive-Nutzer hier Gemälde im Raum zeichnen. Dabei bleiben einem alle Möglichkeiten im dreidimensionalen Raum offen und wer geübt ist, kann auch in der virtuellen Realität einige eindrucksvolle Meisterwerke erstellen.

HTC Vive: Video zum Test

Natürlich gehört zu unserem Test auch noch ein Video. Hier bekommen Sie einige Eindrücke von genannten und nicht genannten Spielen und Apps. Und ja, das Walerlebnis ist auch dabei.

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