Methusalems Geheimnis

- Methusalem wurde 969 Jahre alt. Erst später legte Gott das Höchstalter der Menschen auf 80 Jahre fest. So lehrt es die Bibel. Doch einige Menschen übertreffen es um Jahrzehnte ­ wie die Kaukasierin Sarchat Raschidowa, die vergangene Woche im Alter von 131 Jahren starb. Forscher wollen jetzt dem Erbgut Hochbetagter das Geheimnis des langen Lebens entlocken.

"Wir versuchen herauszufinden, welche Genvarianten ihren Besitzern Langlebigkeit bescheren", erklärt Dr. Almut Nebel vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel. In einer Biobank sammelt sie die DNA Hochbetagter aus ganz Deutschland. Etwa 2900 Proben lagern bereits in den Gefrierschränken des Instituts ­ alle von Menschen, die 90 Jahre und älter wurden.

Viele Gene beeinflussen die Lebensdauer

In deren Erbgut suchen die Forscher nach den Genen für ein langes Leben. Denn an ein einzelnes "Altersgen" glaubt die Wissenschaftlerin nicht: "Wir gehen davon aus, dass es mehrere Gene sind, die das Altern beeinflussen", sagt Almut Nebel.

Eine Vermutung, die Forschungen an Fruchtfliegen und Fadenwurm nahelegen. In dem Erbgut der Tiere haben Wissenschaftler bereits zahlreiche Gene für ein langes Leben gefunden. Einige tragen so sinnige Namen wie "I\x0e‘m not dead yet" (Indy), was auf Deutsch so viel heißt wie: "Ich bin noch nicht tot."

Die Kieler Forscher untersuchen die menschlichen Pendants dieser tierischen Gene. Unterscheidet sich ein Erbfaktor der Hochbetagten stark von dem der Normalbevölkerung, "fängt die Arbeit richtig an", sagt Almut Nebel. Denn um zu beweisen, dass die eine oder andere Variante des Gens wirklich die Lebenszeit beeinflusst, müssen die Forscher erst dessen Funktion finden. Dieses Wissen kann vielleicht bei der Diagnose von Alterskrankheiten und irgendwann bei ihrer Therapie helfen. "Das kann allerdings viele Jahre dauern", sagt Almut Nebel.

Doch selbst Methusalems DNA ist keine Garantie für ein hohes Alter: "Langlebigkeit wird großteils durch Umwelteinflüsse bestimmt", sagt Almut Nebel. "Nur etwa 30\x0fProzent sind genetisch bedingt." Die Studien-Teilnehmer müssen deshalb auch Fragen zu ihren Lebensumständen beantworten, ob sie etwa krank sind oder rauchen.

Denn jede Zigarette lässt Körperzellen vorzeitig altern: Durch das Rauchen werden freie Radikale freigesetzt, die das Erbgut so stark schädigen können, dass die Zelle abstirbt. Eine geringere Menge entsteht allerdings auch als natürliches Nebenprodukt des Stoffwechsels, wenn die Zelle Energie aus Zucker gewinnt. Forscher entdeckten, dass Fadenwürmer länger leben, wenn sie auf Diät gesetzt werden. Auch Affen bleiben gesünder, wenn sie hungern, wie Wissenschaftler aus Oregon kürzlich herausfanden.

David Sinclair von der Harvard Medical School in Boston will die lebenslange Diät mit einer Pille ersetzen: Er entdeckte den Wirkstoff Resveratrol, der auch in den Kernen roter Weintrauben vorkommt. Dieser soll denselben Effekt wie eine Hungerkur haben ­ hiermit behandelte Mäuse leben länger.

Doch weder Hungerkur noch Resveratrol verhelfen den Zellen zu ewigem Leben. Die Enden der Chromosomen, in denen die DNA verpackt ist, werden mit jeder Zellteilung kürzer ­ bis die Zelle nach 50 bis 70 Teilungen schließlich den Befehl zum Selbstmord gibt. Den Signalstoff p21 haben jetzt Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover bei Mäusen entdeckt: Tiere, die nur wenig p21 produzieren, überleben länger. Mit einem Hemmstoff für das Enzym wollen die Wissenschaftler um Professor Karl Lenhard Rudolph Patienten helfen, die an Leberzirrhose leiden.

Zu ewigem Leben wird uns die Forschung wohl nie verhelfen ­ Almut Nebel glaubt an "eine maximale Grenze". Wo diese liegt, hat die Natur noch nicht verraten.

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