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Christian und Anna Sophie zählen zu den bekanntesten YouTubern Münchens.

Ein Dorf im Vergleich zu den Metropolen Hamburg und Köln

Münchens bekannteste YouTuber: Einer testet Drogen

München - Es ist eine eigene Community: YouTube. Besonders bei Teenagern ist die Videoplattform beliebt. Aber gibt es überhaupt bekannte YouTuber in München? Wir haben sie gefunden.

In Hamburg gibt es viele, Berlin ist aufstrebend und Köln gilt als Hochburg: YouTube-Stars in Deutschland sind vor allem in den drei Städten zuhause. Doch wie sieht es in München aus? Wir haben die bekanntesten YouTuber der bayerischen Landeshauptstadt gesucht - und gefunden.

Doch wer sind die seltenen Exemplare? Wir stellen Sie Ihnen vor. 

Annacotta

Annacotta heißt eigentlich Anna Sophie (22). Sie selbst bezeichnet ihre YouTube-Werke als "Comedy". Seit Mai 2014 stellt sie eigene Clips ins Netz. "Angefangen hat es, als ich ein Praktikum bei Mediakraft gemacht hab", erzählt sie unserer Onlineredaktion. Da hieß es bei einer Produktion, man brauche ein Mädel für ein Video. Der Dreh habe ihr dann so viel Spaß gemacht, dass sie anfing, selbst zu drehen.

"Für die meisten Vlogs erstelle ich ein grobes Skript", sagt Anna. "Das Drehen dauert knapp eine Stunde, die Post-Produktion mit Schnitt und Vertonung kann durchaus drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen." Ein zeitintensives Hobby. Denn eigentlich studiert Anna Marketing an der Macromedia Hochschule. Die Ideen entstehen meist im Alltag. Aber auch Freunde oder Community-Mitglieder geben ihr Hinweise und Tipps, welches Thema sie beim nächsten Clip behandelt.

Ihre Fans, immerhin knapp 80.000 Abonnenten (Stand: September 2016), fordern regelmäßig neue Videos. Die müssen dann aber nicht perfekt sein. "Gerade die Authentizität macht uns YouTuber aus", sagt Anna. Darum sei es auch wichtig, Outtakes hochzuladen. Denn nicht jeder Dreh klappt auf Anhieb und die Fehler verzeihen die Fans leichter. Doch manche Anhänger sind auch zu aufdringlich. "Wichtig ist, höflich zu bleiben und klar zu sagen, wo die Grenze ist", weiß sie. Natürlich sei es auch eine Ehre, auf der Straße erkannt zu werden. "Manche wollen dann ein Foto mit dir. Das ist schon schön", berichtet sie. 

Violenz23 

Zu einer anderen, ganz speziellen "Gattung" bei YouTube zählt Violenz23, wie sich Francesco (31) nennt. Er ist ein Gamer und stellt Tutorials für Spiele online. Meist Call of Duty und auch noch überwiegend im Zombie-Modus. "In Deutschland gibt es kaum solche YouTube-Channels", sagt er. "Ich erkläre, wie man bestimmte Levels löst." Seine Abonnenten-Anzahl stieg. Derzeit (Stand: September 2016) folgen mehr als 30.000 Menschen seinem Kanal. Die Fans wollten mehr an seinem Leben teilhaben. "Ich war zunächst skeptisch, aber mittlerweile habe ich auch einen 'Real-Life-Part' im Angebot", erzählt Francesco. Das heißt, er erzählt aus seinem Leben. Das ist Pflicht, sobald man eine gewisse Anzahl an Abonnenten überschritten hat, meint er. 

Die bekannteren YouTuber erreichen schon einen Promi-Status. Auf der Straße werden sie angesprochen, um ein Foto oder Autogramm gebeten. Und es gibt Unterschiede zwischen den Städten. "In Köln komme ich während der Gamescom-Zeit keine zehn Meter, ohne anhalten zu müssen" erzählt er. "In München gucken und tuscheln sie eher. Und schreiben dann im Nachhinein eine Nachricht: 'Hey, ich habe dich in der U-Bahn gesehen.'" Das schmeichelt ihm. Es birgt aber auch gewisse Gefahren. "Es entstehen einseitige Freundschaften", sagt Francesco. "Die wissen sehr viel über dich und sie behandeln dich teilweise auch wie ein guter Kumpel." Man selbst habe jedoch gar keine Ahnung, wie der Fan wirklich drauf sei, meint er.

Das führt manchmal zu seltsamen Begegnungen. Doch die halten sich in Grenzen. Ebenso wie das extreme Fantum. Antworte er mal nicht sofort auf Nachrichten, kämen so Aussagen wie "Du bist so abgehoben und meldest dich gar nicht mehr". Wenn er dann zurückschreibt, entschuldigen sich diese Fans sofort und sagen ihm, wie toll sie seine Videos finden. 

Im Grunde überrascht es Francesco immer noch, eine kleine Berühmtheit zu sein. Denn eigentlich filmt er nur sein Hobby. Das Zocken. Immer wenn er spielt, nimmt er seine Aktivitäten auf. So kann er im Nachhinein spektakuläre Szenen online stellen und vertonen. Anders läuft es bei den Tutorials ab: Er inszeniert mit anderen Spielern bestimmte Situationen und nimmt diese auf. Kommentieren, Musik unterlegen, schneiden und fertig. "Es ist keine Highend-Arbeit, weil ich es mir selbst beigebracht habe", sagt er. "Ich glaube, es kann sich trotzdem sehen lassen."

ZEO

"Ich mache eine Mischung aus Comedy, Kurz-Sketchen und einfachem Humor", sagt ZEO alias Thomas über sich. Seit März 2013 dreht er diese Clips und begeistert damit mittlerweile über 90.000 Menschen (Stand: September 2016). Die Idee dazu kam ihm, als er auf YouTube einige dieser Blödel-Videos gesehen hat. Unter anderem inspirierte ihn die deutschlandbekannte Gruppe Y-Titty.

Also schnappte er sich eine Kamera und probierte es selbst. "Am Anfang hab ich sechs bis acht Stunden für die Produktion mit Schnitt und allem gebraucht", erinnert sich Thomas. "Ich war komplett unerfahren." Doch im Laufe der Zeit hat er sich verbessert.

Neben der Qualität der Videos stieg die Zahl der Anhängerschaft. Und damit auch der Bekanntheitsgrad. Beim YouTube-Treff "TubeMunich" im Café Netzwerk ist Thomas umringt von jungen Mädchen. Sie freuen sich über das Gespräch, haben Süßigkeiten für ihn dabei und bekommen ein Foto und auch ein Autogramm. "Auf der Straße passiert das aber selten", erzählt er. "Deshalb ist es immer überraschend und aufregend für mich."

Das große Geld verdiene er damit nicht. "Das ist aber auch nicht mein Ziel", sagt er. "Mir macht es einfach Spaß." Es sei eher ein Hobby, bei dem er etwas dazu verdiene. "Bei YouTubern ist es wie im Fußball", vergleicht Thomas. "Nur wenige können davon leben." Und die erfolgreichen YouTuber erwirtschaften ihren Lebensunterhalt weniger durch die Videos. "Die verdienen hauptsächlich das Geld durch Werbedeals", sagt er. Diese YouTuber seien das Aushängeschild für bestimmte Firmen, die vor allem die jüngeren Zielgruppen zwischen zwölf und 20 ansprechen.

Obwohl er immer noch sehr viel Zeit für sein Hobby aufwendet, macht er weiter. Es mache Spaß, sei inzwischen eine richtige Leidenschaft geworden, sagt er.

Openmind

Er gehört wohl zu den Exoten unter den YouTubern: Openmind, auch Simon (27) genannt. "Ich betreibe Drogenaufklärung auf YouTube, ein bisschen Bildung, ein bisschen Humor", beschreibt er seine Aktivität auf der Videoplattform. Infotainment rund um die Drogen. Er ist schon ewig dabei. Seit dem es YouTube gibt. Seinen Kanal "Openmind" hat Simon seit mehr als zwei Jahren und mittlerweile fast 180.000 Abonnenten (Stand: September 2016) gesammelt.

Die Vorgehensweise für ein Video: Er schnappt durch Zufall eine Droge auf und fängt an zu recherchieren. Risiko einschätzen: Wie hoch ist die Suchtgefahr? Kann ich dabei sterben? Was muss ich alles beachten? Sind diese und viele weitere Fragen geklärt, wird probiert.

Die richtigen Freunde und - ganz entscheidend - das richtige Wetter beeinflussen ebenfalls das Datum, an dem Simon die Drogen testet. "Manche Drogen wirken bei Sonnenschein und warmen Temperaturen komplett anders als bei Regen und Schnee", erzählt er. Seinen gesamten Rausch nehme er jedoch nie mit der Kamera auf. "Besonders bei psychedelischen Drogen, wie LSD oder Pilzen, wäre das sehr stressig", sagt er. Und es solle doch ein echter, unverfälschter Rausch sein, den er anschließend vor einem weißen Regal seinen Abonnenten nahe bringt.

"Wenn ich Lust habe, nehme ich einzelne Sequenzen auf", sagt er. Dann können die User direkt sehen, wie die Drogen wirken können. Diese Rauscheinblendungen seien wichtig, um aufzuklären, behauptet er. Und was sagt die Polizei zu seinem Channel? "Ich verstoße mit dem Kanal gegen kein Gesetz, weil der Drogenkonsum nicht illegal ist", antwortet Simon. Er bekomme sogar ab und zu Nachrichten von Polizisten, die seinen Kanal schauen. Die monieren unter anderem, dass die derzeitige Aufklärungsarbeit der Politik verbesserungswürdig sei, berichtet er. 

Diese Erfahrung machen auch seine Fans. "Regelmäßig schreiben mir Zuschauer, wie Polizisten in ihre Schule kommen und versuchen, sie durch Abschreckung und unwahre Aussage à la 'Cannabis kann töten' von Drogen fern zu halten", sagt er. "Ich halte da eine ehrliche Aufklärung über Schäden, positiver und negativer Wirkungen für deutlich sinnvoller." Davon abgesehen habe er schon viele Drogen probiert und könne aus erster Hand berichten. Das wirke für Jugendliche glaubwürdiger als Polizisten. "Jugendliche können nicht zu Polizisten gehen und ihnen von ihren Drogenproblemen erzählen, weil sie Angst haben, bestraft zu werden", begründet er seine Stellung als Aufklärer.

Es gibt aber auch Drogen, von denen Simon die Finger lässt. Dazu zählen unter anderem Heroin oder Methamphetamin. Überraschend: Zigaretten und Tabak würde er am wenigstens probieren. "Es gibt kaum eine Droge mit schlechterem Schaden/Nutzen-Verhältnis", findet Simon.

Noch überraschender: Er hat es geschafft, sich von YouTube zu ernähren. Doch nicht die Videos bringen den Großteil des Geldes, sondern T-Shirts und Pullover. Allgemein boomt sein Merchandising. "Ab 30.000 Abonnenten dachte ich mir, dass da etwas geht", sagt er. Und noch ein Faktor zeigte ihm, dass YouTuber ein Beruf sein kann. "Erst als ich arbeitslos war, hab ich gemerkt, dass ich davon leben kann", erzählt er.

JustKetchup

Der bekannteste YouTuber in München (über 200.000 Abonnenten, Stand: September 2016) nennt sich auf der Plattform "JustKetchup". Er heißt Christian, ist 28, dunkle Haare, gebräunter Teint, Typ: Mädchenschwarm. Trotzdem sieht man ihn selten vor der Kamera. Das liegt an seinem Hobby. Er zeichnet und das ziemlich gut.

Vor drei Jahren entschied sich Christian, bei YouTube kleine Clips zu veröffentlichen. "Ich habe früher gerne gezeichnet. Als Informatiker geriet das in den Hintergrund", erzählt er. Das fand er schade und suchte nach einem Mittel, das zu vereinen. Die logische Lösung: Animationsvideos, eine Fusion aus Informatik und dem Zeichnen. 

Er animiert in einer eigens dafür programmierten Software. Die Schritte hat er sich selbst mittels Tutorials beigebracht. Und nach seiner Animation "YouTuber-Kindergarten", in der er verschiedene bekannte YouTuber karikierte, stieg seine Zahl der Abonnenten explosionsartig von 1500 binnen einer Woche auf 25.000.

Der Durchbruch war geschafft. Nach einiger Zeit stellte er sich auch selbst vor die Kamera. Die Folge: Auf der Straße sprachen ihn die Leute an: "Ich find' deine Videos ziemlich cool". Jüngere reagieren hysterischer. "YouTuber sind vergleichbar mit den Boybands aus den 90er-Jahren", sagt er. Nur in etwas abgeschwächter Form. Hibbelige junge Mädchen kenne aber auch er.

Seine Themen sind dabei recht einfach. "Am liebsten ist mir das Männer-Frauen-Klischee", erzählt er. Das interessiere die Leute einfach. Das sei schon vor 50 Jahren so gewesen und werde wohl noch weitere 50 Jahre so gehen. Die Animationen sind jedoch enorm zeitaufwendig. "Für einen Clip sitze ich bis zu 50 Stunden vor dem Computer", sagt er. Dazu zählt Animieren, Vertonen, Schneiden. Deswegen kommt von ihm auch nur alle zwei Wochen ein Filmchen.

Aber das ist es ihm wert. Und durch Affiliated Links, das heißt, er bekommt eine Provision, wenn Leute Produkte kaufen, auf die er hingewiesen hat, gibt es auch noch eine kleine Aufwandsentschädigung.

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